Coronakrise
«Es braucht nicht immer die grosse Hilfe, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen»: So viel Corona-Nothilfe haben die Ausserrhoder Stiftungen geleistet

Seit 14 Monaten ist der Corona-Nothilfefonds aktiv. Vor allem für kleinere A-Fonds-Perdu-Beiträge besteht eine hohe Nachfrage. Bis anhin sind 60 Gesuche bewilligt worden. Diese kamen nicht nur aus der Gastronomie.

Jesko Calderara
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Zahlreiche Gesuche für den Ausserrhoder Corona-Nothilfefonds stammen aus der Gastronomie.

Zahlreiche Gesuche für den Ausserrhoder Corona-Nothilfefonds stammen aus der Gastronomie.

Bild: Donato Caspari

Die Coronakrise hat zahlreiche Ausserrhoder Gewerbebetriebe, Firmen sowie Privatpersonen in finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Seit April 2020 können Betroffene zur finanziellen Überbrückung Bürgschaften für Bankkredite und rückzahlfreie Beiträge bis 10’000 Franken aus dem Corona-Nothilfefonds beantragen. Nach rund 14 Monaten zeigt sich: Für Bürgschaftsbeiträge in hohen Summen, die zurückzuzahlen sind, bestand ein geringer Bedarf. Ganz anders bei kleineren A-Fonds-Perdu-Beiträgen. Dafür haben die Steinegg Stiftung und die Johannes Waldburger Stiftung 750’000 Franken zur Verfügung gestellt.

Katrin Alder ist Vizepräsidentin der Steinegg Stiftung.

Katrin Alder ist Vizepräsidentin der Steinegg Stiftung.

Bild: PD

Im Rahmen der Corona-Nothilfe über A-Fonds-Perdu-Beiträge sind insgesamt über 100 Gesuche eingegangen, wovon 60 Prozent genehmigt wurden. 40 Anfragen mussten abgewiesen werden. «Sofern für die Betroffenen nicht ausreichende Hilfeleistungen über andere Gefässe wie das Härtefallprogramm von Bund und Kanton erhältlich waren, haben wir die Gesuche geprüft», sagt Katrin Alder. Die Herisauer FDP-Kantonsrätin ist Vizepräsidentin der Steinegg Stiftung. Alder ist zusammen mit Fredi Züst, dem Präsidenten der Johannes Waldburger Stiftung, für die Prüfung der Anfragen zuständig.

Stiftungen ergriffen die Initiative

Fredi Züst ist Präsident der Johannes Waldburger Stiftung.

Fredi Züst ist Präsident der Johannes Waldburger Stiftung.

Bild: PD

Diese kamen wenig überraschend vor allem aus jenen Branchen, welche von der Coronakrise besonders stark betroffen waren. Als Beispiele nennt Züst die Gastronomie, den Gesundheitsbereich und andere Anbieter. Auch Freiberuflern, Privatpersonen sowie Familien in schwierigen Situationen, welche durch die Pandemie ausgelöst wurden, konnte zur Überbrückung geholfen werden. Die zwei Vertreter der beteiligten Stiftungen ziehen denn auch ein positives Fazit. Alder sagt:

«Wir konnten mit wenigen tausend Franken vielen coronageplagten Gewerbetreibenden und Privatpersonen eine für sie wertvolle Unterstützung bieten.»

Ähnliches hat Züst festgestellt. Viele Empfänger der Gelder seien dankbar dafür, dass es Institutionen wie die Ausserrhoder Stiftungen gebe. «Es braucht nicht immer die grosse Hilfe, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen», betont Züst.

Der Corona-Nothilfefonds wurde im März 2020 auf Initiative der Ausserrhoder Stiftungen ins Leben gerufen. Zu einer Zeit, als noch unklar war, wie die öffentliche Hand auf die Wirtschaftskrise reagieren wird. Später sind mehrere Hilfsprogramme geschnürt worden, die laufend angepasst und ausgebaut wurden. Züst sagt:

«Es gibt aber immer Kleinstunternehmen oder Privatpersonen, die trotz aller Hilfe zwischen Stuhl und Bank fallen. Diesen können wir helfen.»

Vertiefte Prüfung soll Missbräuche verhindern

Für ihr subsidiäres Angebot zum Staat spannten die Stiftungen mit dem kantonalen Amt für Wirtschaft zusammen. Diese Zusammenarbeit sei effizient und unkompliziert, lobt Katrin Alder. «Es ist ein gutes Beispiel von staatlicher und privater Kooperation.» Die administrative Arbeit übernahm die Stiftung Wirtschaftsförderung.

Durch diese koordinierte Unterstützung sollen Missbräuche verhindern werden. Alle eingereichten Unterlagen wurden gemäss Fredi Züst sorgfältig geprüft und trotzdem flossen die Beträge bei einem positiven Entscheid innerhalb weniger Tage. Mit dem Nothilfefonds soll letztlich die Fortführung von gesunden und überlebensfähigen Kleinbetrieben gesichert werden. Die Hilfsempfänger mussten allerdings einige Voraussetzungen erfüllen. So galt es, einen Einkommensausfall nachzuweisen, der auf die Pandemie zurückzuführen ist. Zudem darf nur in geringem Masse Vermögen vorhanden sein. Abgesehen davon sind die Leistungen von Bund und Kanton vorgängig zu diesen Fondsgeldern zu verwenden.

Seit Bund und Kanton das Härtefallprogramm geschnürt haben, ist beim Nothilfefonds ein Rückgang der Gesuche feststellbar. Dennoch soll er aufrechterhalten werden. Ein Teil der finanziellen Mittel steht noch für weitere Hilfen zur Verfügung.

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