Coronakrise
Ausserrhoder Wirtschaft erhält Hilfe: Neun Millionen für Härtefälle

Das neue Hilfspaket soll vor allem Gastronomiebetrieben, Fitnesszentren und Firmen aus der Eventbranche helfen. Erste Auszahlungen will der Kanton Anfang Februar vornehmen.

Jesko Calderara
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Geschlossene Gastronomiebetriebe erhalten finanzielle Hilfe.

Geschlossene Gastronomiebetriebe erhalten finanzielle Hilfe.

Bild: Bruno Kissling
Regierungsrat Dölf Biasotto.

Regierungsrat Dölf Biasotto.

Bild: APZ

Für coronageplagte Firmen und Gewerbebetriebe ist weitere finanzielle Unterstützung in Sicht. Mit dem am Mittwoch angekündigten Hilfspaket des Bundesrates kann nun auch Appenzell Ausserrhoden Beiträge an kleine und mittelgrosse Unternehmen gewähren. Dies hat der Regierungsrat am Freitag bekanntgegeben. Zusammen mit den Geldern des Bundes stehen insgesamt Hilfsmittel von rund 9,2 Millionen Franken zur Verfügung. Davon tragen der Bund 6,2 Millionen und der Kanton 3 Millionen Franken. Damit soll der Fortbestand von eigentlich gesunden Unternehmen gesichert werden. Im Voranschlag 2021 sind keine Beiträge für Härtefälle vorgesehen. Über den erwähnten Ausserrhoder Anteil am Hilfspaket wird daher voraussichtlich der Kantonsrat an seiner Märzsitzung entscheiden. «Es ist uns rechtlich dennoch möglich, bereits vorher über diese Gelder zu verfügen», sagt Regierungsrat Dölf Biasotto.

Der Bund hat eine weitere Tranche von 750 Millionen Franken noch nicht freigegeben. Sollte diese Tranche ebenfalls für Härtefallmassnahmen an die Kantone verteilt werden, stehen Ausserrhoden nach heutigem Wissensstand nochmals rund drei Millionen Franken zur Verfügung. Den Unternehmen kann mit einem A-fonds-perdu-Beitrag oder mit einem verbürgten Bankkredit zur Bewältigung der ungedeckten Fixkosten geholfen werden. Die Regierung hat die Bedingungen, welche der Bund dafür aufgestellt hat, leicht angepasst. So ist der A-fonds-perdu-Beitrag auf 20 Prozent des durchschnittlichen Umsatzes der letzten beiden Jahre und maximal 100 000 Franken limitiert. Letzterer Wert lag beim Bund bei 750'000 Franken. Die Reduktion der Obergrenze begründet Biasotto mit der in Ausserrhoden vergleichsweise hohen Anzahl an kleineren Firmen. Diese würden einen jährlichen Umsatz von kaum mehr als
500'000 Franken erwirtschaften. Für betroffene Unternehmen besteht auch die Möglichkeit, einen Kredit mit langer Laufzeit aufzunehmen. Die Limite liegt hier bei 25 Prozent des durchschnittlichen Umsatzes der letzten beiden Jahre oder maximal 500'000 Franken.

150 Gesuche werden erwartet

Zu Härtefällen zählen Unternehmen, deren Umsatz im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von mehr als 40 Prozent verzeichneten. Neu als Härtefälle gelten auch Unternehmen, die aufgrund der jüngsten bundesrätlichen Anweisungen ihre Geschäftstätigkeit seit dem 1. November 2020 während mindestens 40 Tagen ganz einstellen mussten respektive müssen. So sind mit dem jüngsten Entscheid des Bundesrates ab dem kommenden Montag auch verschiedene Detailhändler betroffen. Diese kommen Anfang März ebenfalls in den Genuss von Härtefallentschädigungen, da dann die Grenze von 40 Tagen erreicht ist. Helfen wird das Hilfspaket neu auch Gastronomiebetrieben, Fitnesszentren und Firmen aus der Eventbranche.

Das Departement Bau und Volkswirtschaft rechnet in den nächsten Wochen mit mehr als 150 Gesuchen von Ausserrhoder Unternehmen. Eingereicht werden können diese ab dem 25. Januar beim Amt für Wirtschaft und Arbeit. Das Amt prüft dann die Vollständigkeit der Unterlagen, bevor das Gesuch von einem Expertengremium beurteilt wird. Ziel ist es, erste Auszahlungen bereits Anfang Februar vorzunehmen. Betroffene Betriebe werden bereits heute aufgefordert, die notwendigen Dokumente aufzubereiten und bereitzustellen, damit die Gesuchsdossiers ab dem 25. Januar über eine Online-Lösung korrekt und vollständig eingereicht werden können. Die notwendigen Informationen und Unterlagen für die Einreichung von Gesuchen sind auf der Website des Amtes für Wirtschaft und Arbeit unter www.ar.ch/awa abrufbar.

Schnelle Hilfe aus dem Corona-Nothilfefonds weiterhin möglich

Der Ausserrhoder Regierungsrat begrüsst ausdrücklich die Hilfestellung des Bundes. Er ist sich bewusst, dass mit den Coronaschutzmassnahmen zahlreiche Unternehmen existenziell bedroht sind. Neben Arbeitsplätzen stehen auch Ausbildungsplätze betroffen. Ausserrhoden ist bereits seit April 2020 mit dem Corona-Nothilfefonds, der gemeinsam mit regionalen Stiftungen eingerichtet wurde, in der Lage, im Notfall Kleinstbetriebe und Einzelpersonen mit einem Betrag von bis zu 10 000 Franken zu unterstützen, der nicht zurückgezahlt werden muss. «Auf diesem Weg können wir unbürokratisch innerhalb von 48 Stunden helfen», betont Biasotto.

Damit ist Appenzell Ausserrhoden in Zusammenarbeit mit Stiftungen einer der ersten Kantone in der Schweiz, der schon seit April 2020 A-fonds-perdu-Beiträge auszahlt. Mit dem bundesrätlichen Hilfspaket kann die Unterstützung ausgeweitet werden.