Wegen Corona-Virus: «Die Verunsicherung bei den Kunden ist gross»

In den Apotheken und Drogerien im Appenzellerland herrscht derzeit Hochbetrieb. Beratung ist gefragt.

Karin Erni
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Hygienmasken sind derzeit nirgendwo mehr erhältlich. Ihr Nutzen sei ohnehin beschränkt, sagen Fachleute.

Hygienmasken sind derzeit nirgendwo mehr erhältlich. Ihr Nutzen sei ohnehin beschränkt, sagen Fachleute.

Bild: Elia Bianchi/Keystone

Wer aus Angst vor dem Corona-Virus in der Apotheke oder Drogerie einen Mundschutz kaufen möchte, muss sich vertrösten lassen. «Hygienemasken sind ausverkauft und derzeit nicht lieferbar», heisst es unisono. Gleichzeitig wird von allen Angefragten betont, dass diese Masken zur Prävention nur wenig geeignet sind. «Die Masken schützen vor der Übertragung des Virus von einem Infizierten auf Gesunde. Das heisst, eine bereits erkrankte Person trägt die Maske, um die Übertragung zu vermindern», erklärt Apothekerin Flurina Dobler von der Apotheke zur Eiche in Herisau. «Als Schutz vor einer Ansteckung ist es besser, die Hände richtig und häufig zu waschen sowie ein Händedesinfektionsmittel zu verwenden und so wenig wie möglich mit den Fingern ins Gesicht zu fassen», so die Apothekerin weiter.  Doch auch Händedesinfektionsmittel sind derzeit Mangelware.

«Wir können nichts mehr nachbestellen, da unsere Lieferanten auch Lieferschwierigkeiten haben. Wir stellen nun aber ein eigenes Händedesinfektionsmittel her.

Eine Mitarbeiterin stand gestern für die Produktion den ganzen Tag im Labor.» Grundsätzlich könne auch 70-prozentiges Ethanol verwendet werden. «Wir empfehlen jedoch unser selbst hergestelltes Händedesinfektionsmittel, da dieses zusätzlich pflegende Inhaltsstoffe enthält.» Mindestens 20 Sekunden und auch zwischen den Finger und auf der Handoberfläche mit Handseife reinigen, empfiehlt Monika Marthaler-Wyss von der Dropa-Drogerie in Appenzell.

Theo Frey von der gleichnamigen Apotheke in Heiden ist von den Lieferengpässen ebenfalls betroffen. Es bleibe ihm nichts Anderes übrig, als die Kundinnen und Kunden zu informieren und zu beruhigen. «Ich zeige ihnen die Relationen zu den Grippefällen auf, die in gewissen Fällen auch tödlich verlaufen können.» Die Schweiz treffe angemessene Massnahmen, indem sie Verdachtsfälle in Quarantäne nehme, ist er überzeugt. Zur allgemeinen Verbesserung der Infektabwehr nennt Frey Präparate aus Echinacea, Vitamin C oder Zink.

Online-Drogerie will Hamsterkäufe vermeiden

Für Martina Dupré von der Anker-Apotheke ist auch die Gesundheit des Personals wichtig. «Wir vermeiden derzeit jeglichen Körperkontakt und schütteln keine Hände. Die Leute verstehen, dass das Ansteckungsrisiko wegen der langen Inkubationszeit hoch ist und sind nicht beleidigt.» Die beste Prävention ist ihrer Meinung nach, Menschenansammlungen wenn möglich zu meiden.

Auch in der Online-Drogerie puravita.ch in Speicher ist sehr viel los derzeit, wie Geschäftsleiter Michael Sonderegger sagt. «Das bedeutet aber nicht einfach mehr Umsatz. Wir erhalten Hunderte von Anrufen pro Tag. Die Belastung für die Mitarbeiter ist sehr gross, denn oft sind ältere Menschen am Apparat, die ziemlich verzweifelt sind.» Die halbstündlichen Meldungen in den Medien von neu infizierten Personen seien diesbezüglich nicht hilfreich. Schutzmasken seien schon länger nicht mehr erhältlich. Von Sterillium und anderen Desinfektionsmittel-Marken erhielten sie zwar immer wieder Lieferungen, die Produkte seien aber jeweils immer gleich wieder ausverkauft. Um Hamsterkäufe zu vermeiden, beschränkt Sonderegger die Liefermengen pro Kunden. «Wir versuchen, diejenigen Personen zu bevorzugen, die einer Risikogruppe angehören.»