Corona-Krise in Appenzell Ausserrhoden: 600 Freiwillige wollen Gesundheitspersonal unterstützen

Allwöchentlich informiert der Kanton Appenzell Ausserrhoden zu den Auswirkungen der Corona-Krise. Das Fazit heute: Der Fernunterricht ist gut gestartet, und 600 Freiwillige haben sich gemeldet, um die medizinische Versorgung sicherzustellen.

Astrid Zysset
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Das Gesundheitspersonal ist in diesen Tagen besonders gefordert. In Appenzell Ausserrhoden werden sie nun durch Freiwillige unterstützt.

Das Gesundheitspersonal ist in diesen Tagen besonders gefordert. In Appenzell Ausserrhoden werden sie nun durch Freiwillige unterstützt.

Anthony Anex / KEYSTONE

Allwöchentlich orientiert der Ausserrhoder Regierungsrat zu den getroffenen Massnahmen und Entwicklungen im Zusammenhang mit der Coronakrise. Und heute gab es endlich mal gute Nachrichten. Kantonsärztin Franziska Kluschke sprach vor den Medien davon, dass die Anzahl der Neuinfektionen zwar steige, aber weniger stark als angenommen. Insgesamt sind gesamtschweizerisch rund 17000 Menschen an dem Virus erkrankt, 378 Todesfälle wurden verzeichnet. In Appenzell Ausserrhoden gibt es 64 bestätigte Infektionen. Drei Menschen starben daran.

Hospitalisiert sind in Ausserrhoden aufgrund des Coronavirus gegenwärtig acht Personen. Zwölf Intensivstationsplätze stehen zur Verfügung. Bei Bedarf können diese auf 20 aufgestockt werden. Regierungsrat Yves Noel Balmer, Vorsteher Departement Gesundheit und Soziales: „Der Kanton ist gut darauf vorbereitet, sollten die Infektionen unvermittelt ansteigen.“ Er lobte die Zusammenarbeit zwischen den Spitälern. Der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden (SVAR), alle privaten Kliniken des Kantons (Berit Klinik, Klinik Hirslanden am Rosenberg, Klinik Gais, Rheinburg-Klinik) und das Spital Appenzell haben sich zu einem Spitalnetz zusammengeschlossen. Sie alle stellen ab sofort ihre verfügbaren Ressourcen für die Bewältigung des erwarteten Anstiegs von Corona-Patientinnen und -Patienten zur Verfügung. Über alle Kliniken und Spitäler hinweg können mindestens 200 Betten für infizierte Patientinnen und Patienten aktiviert werden. Balmer führte aus, dass diese zuerst in Herisau behandelt würden. Entstünden dort Kapazitätsengpässe, würde auf die Klinik Hirslanden am Rosenberg und anschliessend auf die Berit Klinik ausgewichen. Im Sinne einer interkantonalen Zusammenarbeit können auch Betten im Spital Appenzell genutzt werden. Nichtinfizierte Personen werden primär in Heiden hospitalisiert. Der Notfall sowie die Grundversorgung samt Geburtenabteilung seien aber auch im Spital Herisau sichergestellt.

Es wird zudem ein Personalpool aufgebaut, um die Koordination des Spitalpersonals unter den Kliniken sicherzustellen. Dafür stellen die Berit Klinik und die Klinik am Rosenberg Kontingente von Mitarbeitenden zur Verfügung.

600 Freiwillige wollen Gesundheitspersonal entlasten

Auf einen Aufruf des Kantons haben sich in den vergangenen Tagen 600 Freiwillige gemeldet. Sie möchten die Fachpersonen in den Spitälern und Heimen unterstützen. Balmer sprach von einem „starken Zeichen“, dass man gewillt sei, die Krise solidarisch zu bewältigen. 60 können eine medizinische Ausbildung vorweisen und wurden somit sofort eingesetzt. Weitere 140 absolvieren seit Montag ein entsprechendes Ausbildungsprogramm. Koordiniert und organisiert wird die Ausbildung der Helferinnen und Helfer durch die Klinik Hirslanden am Rosenberg mit Unterstützung von weiteren Privatkliniken des Kantons. „Die medizinische Versorgung ist personell an ihre Grenzen gelangt“, führte Regierungsrat Yves Noel Balmer weiter aus. Vereinzelt seien Mitarbeitende erkrankt. Nicht alle an Covid-19, doch müssten die Ausfälle ausgeglichen werden. „Hier werden nun die vielen Freiwilligen dringend gebraucht.“

Gutes Fazit zum Fernunterricht

Landammann und Bildungsdirektor Alfred Stricker gab an der Medienkonferenz noch eine Gesamtbeurteilung zum Fernunterricht ab. Nach dem bundesrätlichen Beschluss, alle Schulen zu schliessen, wurden die Kinder in den vergangenen drei Wochen zu Hause unterrichtet. Eine Situation, die gemäss Stricker „ausgezeichnet gemeistert“ wurde. Ab morgen sind Frühlingsferien. Das sei einerseits eine Zeit der Erholung, andererseits eine solche zur Vorbereitung auf die Phase nach dem 19. April. Wie es dann weitergeht, ist noch offen. Der Kanton hat aus diesem Grund verschiedene Führungsebenen installiert. Auf Stufe Volksschule wurde beispielsweise eine Austauschplattform eingerichtet, über welche die Präsidien der Gemeinden, der Schulen, Schulleitungen und Lehrpersonen Unschärfen ausmerzen und Unsicherheiten klären können.

Die eidgenössische Bildungsdirektorenkonferenz hatte heute entschieden, dass das aktuelle Schuljahr 2019/20 als vollwertiges Schuljahr gilt, unabhängig der aktuellen Situation rund um den eingestellten Präsenzunterricht. Auch berät die Konferenz gegenwärtig darüber, wie die praktischen Lehrabschlussprüfungen in den kommenden Monaten durchgeführt werden sollen. Stricker stellte klar, dass die Haltung des Kantons sei, dass Prüfungen wenn möglich durchgeführt werden sollen. Als „vorausschauend“ taxierte er denn auch die Onlinesimulationsprüfung für Polymechaniker, welche das BBZ Herisau lancierte.

Wann sind die Schulen wieder offen?

Eine Prognose, wann an den Schulen wieder Präsenzunterricht eingeführt wird, wollte Stricker nicht abgeben. „Wenn jetzt ein Termin als Prämisse gesetzt würde, ist das nicht seriös“, gab er an. Der Bundesrat habe das Heft in der Hand. In Ausserrhoden plane man daher in verschiedenen Szenarien. „Innert weniger Tage können wir somit auf die neusten Ankündigungen reagieren“, führte der Landammann aus. Der Bundesrat möchte zwischen dem 9. und 17. April bekannt geben, wann der erste Schritt zurück zur Normalität und somit zu geöffneten Schulen erfolgen soll.