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Revolution der Gastronomen: Am Montag öffnen viele ihre Lokale trotz Verbots

Schweizweit wollen Gastronomen und Gewerbler kommenden Montag ihre Betriebe öffnen. Dies entgegen der bundesrätlichen Verordnung zum Schutz gegen Corona. Auch in Herisau nehmen einzelne Geschäfte an der Aktion teil.

Astrid Zysset und Lea Sager
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Sie möchten gerne wieder Gäste bedienen: Die Restaurants sind wegen der Coronamassnahmen seit Wochen geschlossen.

Sie möchten gerne wieder Gäste bedienen: Die Restaurants sind wegen der Coronamassnahmen seit Wochen geschlossen.

Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

Die Schweizer Gastronomen und Gewerbler haben genug von den vom Bundesrat verfügten Coronamassnahmen. Derzeit müssen sie ihre Lokale geschlossen halten. Doch die Einbussen, welche die Betreiber aufgrund der Schliessungen hinnehmen müssen, sind massiv. So massiv, dass Einzelne die Covid-19-Verordnung nicht mehr einfach hinnehmen wollen.

Unter dem Hashtag #wirmachenauf organisieren sich die einzelnen Betriebe. Sie wollen kommenden Montag ihre Geschäfte öffnen – entgegen der bundesrätlichen Verordnung. Über die Website «wirmachenauf.ch» oder den Messengerdienst Telegram tauschen sie sich aus. Dort finden sich ab dem Wochenende auch Listen, welche Lokale und Betriebe öffnen.

Herisauer Betriebe machen mit

Auch in Herisau werden einzelne Geschäfte an der Aktion teilnehmen. Dies lässt sich der Website entnehmen. Welche Betriebe genau mitmachen werden, wird aber erst in den kommenden Tagen aufgeschaltet. Eine erste Umfrage bei den Gastronomen zeigt jedoch, auf grossen Zuspruch stösst die widerrechtliche Öffnung am Montag nicht. André Hermann, Inhaber der Weinbar Vinum 33 in Herisau, erachtet den möglichen Schaden der Aktion grösser als der Nutzen. Er wird seine Bar geschlossen lassen. Die Gäste würden seiner Ansicht nach am Montag ohnehin ausbleiben, da viele Angst vor möglichen Strafen haben.

«Und Geld für die Busse, die wegen des Verstosses gegen die Verordnung verhängt wird, habe ich nicht übrig.»

Auch das Restaurant Schafräti nimmt an der Aktion nicht teil, da ihnen der Mut hierzu fehle und nicht grosse Einnahmen erwartet würden, heisst es seitens Betreiber.

Ähnlich klingt es im Restaurant Freihof in Herisau. «Ich habe das Gefühl, dass uns diese Trotzreaktion nur noch mehr schadet, als dass es etwas bringt», meint Mariann Hirschi, die das Restaurant gemeinsam mit ihrem Mann seit einem Jahr führt. Verständnis, dass Restaurantbesitzer rebellieren, habe sie zwar, sehe jedoch keinen Erfolg hinter der Aktion. Die Situation sei schwierig. Bereits viermal sei das Wirtepaar gezwungen gewesen, das Restaurant zu schliessen. Finanziell sehe es kritisch aus. Mariann Hirschi erhofft sich mehr Unterstützung von Seiten des Bundes. «Noch lieber würden wir natürlich wieder arbeiten», sagt sie. Denn das Geld, das als Ersatz gezahlt wird, reiche nirgends hin.

Gastroverband AR kritisiert widerrechtliche Öffnung

Markus Strässle ist Präsident des Verbandes Gastro Appenzellerland AR.

Markus Strässle ist Präsident des Verbandes Gastro Appenzellerland AR.

Bild: APZ

An einer vergangenen Sitzung des Verbandes Gastro Appenzellerland AR wurde die Aktion ebenfalls besprochen. Von diesem «sozialen Ungehorsam» distanziere man sich klar, heisst es in einer Stellungnahme. Nichtsdestotrotz könne man den Unmut, der bei den Gastronomen herrscht, verstehen. «Es ist einfach nachzuvollziehen: Den Betreibern wurde gesagt, sie dürfen nicht mehr arbeiten. Eine ausreichende Entschädigung erhalten sie jedoch nicht. Das kann auf Dauer nicht gut gehen», so Verbandspräsident Markus Strässle. Für Lohnzahlungen an die Mitarbeitenden erhalten die Gastronomen zwar Geld aus der Staatskasse, doch auf den Betriebskosten wie Miete, Heizung, Strom, Unterhalt oder auch Sozialleistungen blieben sie sitzen. Und das schon über Monate.