Comedy
Kein Bühnenprogramm wegen Corona: Komiker Sepp Manser mischt sich unter die Kundinnen eines Coiffeursalons in Herisau

Komiker Sepp Manser aus Speicher musste sein Bühnenprogramm aufgrund der Coronapandemie auf Eis legen. Doch er weiss sich zu helfen. Mit dem Projekt «Sepp – Jetzt erst recht» tritt er in lokalen Gewerbebetrieben auf.

Astrid Zysset
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Komiker Sepp Manser ist am Freitag als Praktikant im Coiffeursalon CE Haare & Nägel Eisenhut in Herisau unterwegs.

Komiker Sepp Manser ist am Freitag als Praktikant im Coiffeursalon CE Haare & Nägel Eisenhut in Herisau unterwegs.

Bild: PD

Als «lustiger Praktikant» ist der Speicherer Komiker Sepp Manser am Freitag im Coiffuregeschäft CE Haare & Nägel Eisenhut in Herisau unterwegs. Seine Aufgaben: Kunden begrüssen, Kaffee servieren, Telefonanrufe beantworten. Wer sich also an diesem Tag die Haare schneiden lässt, kann sich auf den einen oder anderen Schabernack gefasst machen. «Viele getrauen sich jedoch gar nicht zu lachen», weiss der Komiker. Denn offiziell wird Manser als neuer Mitarbeiter vorgestellt. Die Auflösung, dass seine Sprüche und Interaktionen nicht ganz ernst gemeint sind, erfahren die Kunden erst später.

«Und einen neuen Angestellten einfach auszulachen, dazu haben viele Kunden nicht den Mut. Darum ist die Verwunderung und Verunsicherung anfangs riesig. Ich kann es jeweils förmlich in den Gesichtern sehen: Meint der das jetzt wirklich ernst?»

Der Auftritt im lokalen Gewerbe ist Bestandteil seines neusten Projektes «Sepp – Jetzt erst recht». Manser wurde in seiner Laufbahn schon oft für private Feierlichkeiten gebucht. So konnte er den Ex-Freund der Braut auf einer Hochzeit oder auch einen eingeschleusten Gast bei einer Pensionsfeier spielen. Die übrigen Gäste wussten nie Bescheid. Mansers komische Einlagen gaben den Festen aber immer eine unvorhergesehene Wendung. Dieses Prinzip wollte er auf das regionale Gewerbe ausweiten. So war er am Weihnachtsmarkt in Wil für das Start-up Alpästärn als urchiger Marktschreier «Mölpis Sepp» hinter dem Stand zu erleben. Und im Modehaus Goldener in Appenzell trat er als Modebutler «Claude» in Erscheinung.

Als Modebutler erfüllte Sepp Manser den Kundinnen und Kunden beim Modehaus Goldener in Appenzell alle Wünsche.

Als Modebutler erfüllte Sepp Manser den Kundinnen und Kunden beim Modehaus Goldener in Appenzell alle Wünsche.

Bild: PD

Als falscher Tanzlehrer unterwegs

Eine Idee, die zu funktionieren scheint. Die Begeisterung des Publikums ist gemäss Manser jeweils gross. Und auch die Gewerbler seien froh, wenn sie ihren Kundinnen und Kunden ein besonderes Erlebnis bieten können. Bislang nahm der Komiker keine Gagen für seine Auftritte im Rahmen von «Sepp – Jetzt erst recht». «Für mich ist das ein Geben und Nehmen. Mit all den Gewerbebetrieben, bei denen ich bislang auftrat, hatte ich in Vergangenheit schon zusammengearbeitet.» Er sieht darum das Projekt als Chance, um zu netzwerken. «Vielleicht ergibt sich später wieder einmal die Gelegenheit für einen weiteren Auftritt?» Ideen hätte er zumindest genug. Gerne würde er mal als Mitarbeiter der Kehrichtabfuhr mitwirken oder auch in der Migros die Regale einräumen. Konkretisiert wurde jedoch noch nichts. Da ist die Planung des Auftritts als Tanzlehrer schon weiter fortgeschritten. Sobald es die Coronamassnahmen zulassen, bringt Manser ahnungslosen Tanzschülern erste falsche Schritte bei.

Coronazeit wirkt «kreativ hemmend»

Der 43-jährige Komiker ist seit 2017 erfolgreich im deutschsprachigen Raum als Solokünstler unterwegs und Initiant zahlreicher Projekte wie dem Ostschweizer Verein Comedy 16, mit dem er unter anderem die Offene Bühne Schabanack in der Stuhlfabrik Herisau organisiert. Doch Corona legte alle Projekte aufs Eis. Für Künstler wie Manser, die vom Publikumskontakt leben, hatte die Pandemie besonders gravierende Auswirkungen. Sämtliche Auftritte fielen ins Wasser. «Anfangs hatte ich die Zeit zur Neufokussierung genutzt. Ich betrachtete bestehende Projekte aus der Distanz und tüftelte an neue Ideen in meinem Atelier.» Doch mit dem Fortschreiten des Lockdowns stapelt sich das Material an neuen Sketchen. «Das wirkt kreativ hemmend», seufzt der Komiker. «Ich bin zwar ein positiver Mensch, aber langsam schlägt mir die Arbeit am Schreibtisch aufs Gemüt.» Ihm fehle die Übung, der Austausch mit dem Publikum. «Ob ein Witz funktioniert, teste ich an meiner Freundin und an einem Arbeitskollegen. Aber das ist nicht dasselbe, wie die Reaktionen eines ganzen Saales zu erfahren.» Ein Licht am Horizont: Erste Auftritte sind zumindest wieder geplant. Im März stehen solche im Casino Theater Winterthur an und im April geht es auf die Bühne der Stuhlfabrik Herisau wie auch auf diejenige des Kugl St.Gallen.