COMEBACK: Altrocker graben sich selbst wieder aus

Mit den Bollocks prägte in den frühen 1980er-Jahren eine Toggenburger Rockband die einheimische Szene. Nach sechs Jahren verschwand ihr Stern wieder von der Szene. Seit zwei Jahren sind die Altrocker wieder zurück.

Michael Hug
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Sie sind die wiedervereinigten Bollocks: Luz Liebich, Ueli Weber, Andreas Demeuth, Res Herger und Peter Mauerhofer. (Bild: Michael Hug)

Sie sind die wiedervereinigten Bollocks: Luz Liebich, Ueli Weber, Andreas Demeuth, Res Herger und Peter Mauerhofer. (Bild: Michael Hug)

Michael Hug

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«Lasst uns noch schnell nach oben gehen um ein wenig zu jammen. Und dann geben wir Gas.» Gas gaben die fünf älteren Herren dann nicht auf der Strasse, sondern im «Naz», der Wattwiler Kultbeiz, die einem dieser älteren Herren gehört und an diesem Abend, dem 18. Februar, zur Rockbeiz wurde. Aber heftig. So dass die Mauern des Hauses ächzten und Passanten noch auf der Hauptstrasse verwundert die Köpfe in Richtung Kanti drehten. Genau einen Monat später, am 18. März, treten die Bollocks schon wieder im Toggenburg auf – in der «Eintracht» zu Kirchberg. Da aber mit dem ganzen Geschütz: Mit Elektrogitarren und ganz viel Verstärkerleistung.

Power noch ein wenig zurückhalten

Im «National» mussten die Fünf ihre Power noch ein wenig zurückhalten. Das Lokal ist nicht so gross, dass es verstärkte Leistung verlitten hätte. Also konzertierte man unplugged, unverstärkt, akustisch also, doch es war trotzdem noch laut genug um als Rock- und nicht als Kammerkonzert wahrgenommen zu werden. Der unverstärkte Gig im «Naz» war aber nicht nur einfach ein Konzert, sondern ein Déja-vu. Ein Wiedersehen zwischen einer Band und ihren Fans von einst. Es war erst das dritte Konzert der Bollocks in der Originalbesetzung, so wie sie sich 1978 gefunden hatten, um gemeinsam Musik zu machen. Da war der Begriff «abrocken» noch nicht geboren – doch genau das war’s: Gemeinsam abrocken, gemeinsam Rockmusik machen, als Band, als richtig heftige Rockband.

Von ihrer Heftigkeit haben die heutigen Bollocks, mehr als dreissig Jahre später, nichts verloren. Riff Herger – Bürgername Res – krächzt sich immer noch in Bon-Scott-Manier durch die Songs. Mur Mauerhofer – Bürgername Peter – und Jagger Weber – Bürgername Ueli – drücken immer noch auf der Gitarre ab. Luz Liebich – Bürgername unbekannt – und Demi Demeuth – Bürgername Andreas – legen nicht minder energiegeladen den Soundteppich auf Bass und Drums. Es scheint sogar, als hätten sich die Fünf in dreissig Jahren ganz schön viel Druck aufgeladen, der Unternehmer, der Europa-Manager, der Teamleiter, Handwerker und der Elektroniker, der jetzt raus darf, ja muss, durch Rockmusik, was gäbe es auch Besseres. Dabei sei alles nur ein Zufall gewesen, sagt Jagger Weber. Das mit der Wiedervereinigung, nicht eine Plattenfirma stünde dahinter, nicht Millionen von Fans, nicht ein Stern in irgendeiner Hall of Fame, der noch gesetzt werden müsste. Nein, es war einfach nur der Zufall einer Idee, für eine Geburtstagsparty nochmals gemeinsam aufzutreten. Man war ja damals, 1984, nicht im Streit auseinandergegangen, sondern weil die Lebensumstände einfach nicht mehr gepasst haben, die Wege der zwanzigjährigen Feierabendrocker sich diametral auseinanderentwickelt haben. Doch ein loser Kontakt blieb stets. Auch die Instrumente hat man in dieser Zeit nicht beiseite gelegt. Der Eine musiziert hobbymässig in einer Band, die Anderen nutzten die Musik als Zerstreuung vom harten Berufs- und Familienalltag.

Damalige Stimmung war sofort wieder da

Nun sind sie wieder zusammen, die Bollocks. «Es hat sofort wieder gepasst,» erinnern sie sich an die Proben vor dieser schicksalshaften Geburtstagsparty, «die damalige Stimmung war sofort wieder da und es hat ziemlich viel Spass gemacht». Man entschloss sich, noch ein paar Gigs draufzulegen, da und dort aufzutreten, was auch geschah. Im «Kraftwerk» Krummenau gabs ein Konzert, an einem Open Air in Gossau, unlängst im «Naz» und nun eben in der «Eintracht». Da gibt’s sogar etwas Gage, aber wegen des Geldes machen sie es nicht, eher wegen der Gemeinschaftserfahrung, und auch weil ein Musiker das Feedback sucht: «Als Band will man auftreten, das dauernde Proben in irgendeinem versteckten Raum ödet an mit der Zeit.»

Beim Auftritt im «Naz» ging dann tatsächlich die Rock-Post ab. Das halbe Tal war gekommen, die neuen alten Bollocks und ihren Rocksound zu erleben. Zu erfahren auch, dass Rockmusik ein Revival erlebt und ihre Kinder nicht frisst, an Alkohol und Drogen sterben lässt. Sondern reife, gestandene und prächtige Musiker formt, deren Lebenserfahrungen nicht nur ihre Gesichter prägen, sondern ihre Musik noch saft- und ausdrucksvoller, eben rockiger macht. «Bollocks» übrigens, schreibe man ohne «the», wollen die Fünf verstanden wissen, einfach nur «Bollocks». Singular für das englische Synonym von «Quatsch» – oder den deutschen «Klöten» (vulg.).

Bollocks spielen am 18. März in der «Eintracht» Kirchberg, Konzertbeginn 21 Uhr; Vorverkauf: www.eintracht-kirchberg.ch