Ab Montag ist Haareschneiden wieder möglich: Coiffeure zu den haarigen Startbedingungen

Nach der Lockerung des Lockdowns: Der Kundenansturm bei den Coiffeuren im Appenzellerland ist gross. Viele möchten einen Termin. Die Planungsunsicherheit bei den Inhabern ist jedoch ebenfalls gross.

Astrid Zysset
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Coiffeurbetriebe dürfen am Montag wieder öffnen. Noch ist aber unklar, welche Einschränkungen während des Besuches gelten werden.

Coiffeurbetriebe dürfen am Montag wieder öffnen. Noch ist aber unklar, welche Einschränkungen während des Besuches gelten werden.

Bild: Sandra Ardizzone

Nachdem bekannt geworden war, dass für die Coiffeurbetriebe der Lockdown ab dem 27. April gelockert wird, seien die Terminanfragen «explodiert», gibt Petra Bossart, Inhaberin des «bossArt Hair-Ports» in Herisau, an. «Die Telefonanrufe halten sich in Grenzen. Viele getrauen sich nicht, zum Hörer zu greifen, da wir derzeit noch nicht geöffnet haben. Aber Onlineanfragen verzeichnen wir sehr viele.» Noch ist unklar, wie das Schutzkonzept des Bundes genau aussehen wird. Es regelt Hygienemassnahmen und die Anzahl Personen pro Quadratmeter in den Geschäften; heute Mittwoch soll es erst veröffentlicht werden. Trotzdem bestätigen die Coiffeure bereits seit Tagen Terminbuchungen. «Die Leute freuen sich sehr auf einen Besuch bei uns. Und auch wir sind froh, wenn es endlich wieder losgeht», so Bossart. Eine Angestellte auf Stundenbasis arbeitet in ihrem Salon. Weitere Mitarbeitende hat sie nicht. Aufgrund der Unklarheiten rund um das fehlende Schutzkonzept tätigt Bossart derzeit noch keine Doppelbuchungen. Ansonsten sieht sie keine Einschränkungen. «Mit 170 Quadratmetern habe ich einen grossen Salon. Da wird mich eine Personenbeschränkung pro Quadratmeter nicht stark treffen. Und mit Hygieneartikeln bin ich eingedeckt.» Dass kleinere Betriebe wohl weniger vom Schutzkonzept betroffen sein werden, bestätigt auch Assunta Principe, welche seit 31 Jahren den Coiffeursalon Assunta in Heiden betreibt. «Wir arbeiten zu zweit hier. Da kommen wir schon aneinander vorbei», sagt sie. Masken, Desinfektionsmittel und Schutzmäntel seien ausreichend vorhanden. Trotzdem: Ein wenig Zurückhaltung bei der Terminvergabe sei angebracht, so Principe. «Vielleicht muss auch mal ein Kunde im Flur draussen warten. Aber das müssen wir jetzt in Kauf nehmen. Immerhin geht es jetzt endlich wieder los.»

Verunsicherung ist gross

Das Schutzkonzept wird vor allem auf grössere Betriebe Einfluss haben. Michel Buendi, Inhaber von «Michel – haute coiffure francaise» aus Herisau, räumt ein, dass die Terminvergabe derzeit schwierig sei, da nicht klar ist, welche Einschränkungen mit dem Konzept auf ihn zukommen werden. Zehn Mitarbeitende beschäftigt der rund 100 Quadratmeter grosse Salon. «Wenn die Personenzahl beispielsweise auf fünf beschränkt wird, müsste ich einen Schichtbetrieb einführen» so Buendi. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Terminvergabe. Eigentlich ist er bis Mitte Mai ausgebucht. Die Nachfrage ist gross. Doch die Ungewissheit, wie die Einschränkungen genau aussehen werden, führt dazu, dass Buendi nicht die Planungssicherheit hat, die er den Kunden gerne garantieren möchte. «Es ist eine Gratwanderung. Man nimmt Terminanfragen entgegen, will diesen entsprechen, ist im Gegenzug aber trotzdem auf die Flexibilität der Kunden angewiesen.»

Mit drastischen Vorgaben gerechnet

Einer, der dieser Unsicherheit anders begegnet, ist Heinz Rusch, Geschäftsleiter von «Tonio Coiffure» in Teufen. Er sagt: «Schutzmassnahmen abzubauen, ist einfacher, als kurzfristig aufzustocken.» Will heissen: Er hat eine Vorahnung, welche Vorschriften im Rahmen des Schutzkonzeptes gelten könnten, und hat dementsprechend Vorkehrungen getroffen. Desinfektionsmittel wurden ausreichend gekauft, ebenso Masken, Handschuhe und Einwegmäntel. Seine zehn Mitarbeitenden werden ab Montag im Schichtbetrieb arbeiten, von morgens 7.30 bis abends 20.30 Uhr. «Wir konnten nicht länger auf das Konzept warten. Darum haben wir vorsichtshalber mit drastischen Einschränkungen gerechnet und die Organisation dementsprechend angepasst», so Rusch. Unabhängig davon, was der Bund nun für Vorgaben machen wird: «Wir sind gerüstet», so der Teufner. Er rechnet damit, dass bis und mit Mai besondere Schutzmassnahmen für den Coiffeurbesuch gelten werden. Normalbetrieb würde erst herrschen, wenn der Lockdown weiter gelockert wird.