Christian Wiher 1917 – 2012

Mit deiner letzten Malarbeit – einem prächtigen und froh stimmenden Blumenstrauss in der Todesanzeige – hast du dich im sehr hohen Alter von 96 Jahren verabschiedet.

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Mit deiner letzten Malarbeit – einem prächtigen und froh stimmenden Blumenstrauss in der Todesanzeige – hast du dich im sehr hohen Alter von 96 Jahren verabschiedet. Dass du vielen fehlst, hat neben deiner Persönlichkeit, auch damit zu tun, dass du bis in die letzten Tage deines ausgefüllten Lebens voll da warst. Dies auch Dank deiner guten Gesundheit, die du immer als Geschenk Gottes betrachtet hast. Das Büro, welches du dir in deinem Altersheimzimmer eingerichtet hast, war voller Leben und du hast es mit einer segensreichen Betriebsamkeit erfüllt. Von hier aus warst du fast bis zum Tod mit vielen Menschen verbunden. Hier sind noch die letzten reich illustrierten Familienbriefe für Weihnachten, schön verzierte Gratulationskarten und andere kreative Arbeiten entstanden. Der Computer war bis fast zuletzt dein Begleiter. Du hast ihn beherrscht und nicht er dich. Ja, deine Familienbriefe waren bei uns so willkommen wie im grossen Kreis deiner Angehörigen. Man hat einfach alles erfahren, was im Laufe des Jahres in der Wiher-Familie passiert ist: Wer gestorben ist, wer geheiratet hat, wo ein Mädchen oder ein Bub zur Welt gekommen ist, Veränderungen im Beruf, wer in die weite Welt gezogen ist und wer pensioniert wurde.

Lieber Christian: Du warst damals schon einige Jahre Primarlehrer als ich 1955 in dir einen prächtigen Kollegen der Unterstufe auf dem Ebnat-Kappler «Schafbüchel» kennen lernen durfte. Da wir viele gemeinsame Interessen hatten, stand unserer Freundschaft nichts im Wege. Wir haben bis zu unserer Pensionierung gut zusammengearbeitet. Ich denke an gemeinsame Schulreisen, an frohe Schulfeste, an deine Handpuppenspiele, bei denen du von der Tonregie bis zu den aufwendigen Kulissen und der Beleuchtung alles selbst erledigt hast. Die Puppen und ihre Bekleidung entstanden in Zusammenarbeit mit deiner Frau. Ganz besonders gerne erinnern wir uns an deine allseits geschätzten und mit Freude erwarteten Krippenspiele, die du zusammen mit deiner Frau Rösli und deiner Schulklasse immer wieder aufgeführt hast. Gerne habe ich dich bei deinen Vorhaben gelegentlich musikalisch unterstützt und dabei immer «de Plausch gha».

Deine Welt – lieber Christian – ging aber über das Schulzimmer hinaus. Als begabter Turner hast du den Damenturnverein geleitet. Als Dank für deinen turnerischen Einsatz grüsste dich beim Abschied in der Kirche Ebnat die Kantonale Turnerfahne. Du warst viele Jahre lang Lehrer für Turnen und Biologie am Kindergärtnerinnenseminar Sonnegg. Und du hast auch dort deine Begeisterung für das Theater ausleben können, die du auch nach der Pensionierung beibehalten hast. Als Regisseur bei der Theatergruppe Ebnat-Kappel hast du dich mächtig eingesetzt und viele Zuschauer während der Komödien zum Lachen gebracht. Du hast einmal zu mir gesagt, biblische Geschichte sei dein Lieblingsfach in der Schule. Das schlug sich denn auch in den Weihnachtsspielen nieder. Auch die Kirchgemeinde schätzte deine Mitarbeit. Die Kraft für all deine Unternehmungen fandest du im christlichen Glauben, den du mit Überzeugungskraft an deine Familie weitergegeben hast. Deine Angehörigen und viele Freunde danken dir, lieber Christian, dass wir ein Stück Weg mit dir gehen durften.

Werner Hofer