«Chönd mir ihri Uswiis gseh?»

Brosmete

Arcangelo Balsamo
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Kürzlich waren unser Praktikant und meine Wenigkeit in Heiden für eine Umfrage unterwegs. Wahllos sprachen wir Passanten im Dorf an, um ihre Meinung zu der Situation des Spitals aufzugreifen. Egal ob weiblich, männlich, alt oder jung, keiner blieb von unseren Fragen verschont. Nicht jeder wollte mitmachen. «Ach sie brauchen auch ein Foto, ja dann lieber nicht», bekamen wir oft zu hören. So auch von einer älteren Dame, die wir direkt neben dem Polizeiposten an­trafen.

Dass zwei junge Herren mit einer Kamera durchs Dorf stapfen und ohne ersichtlichen Grund ältere Damen anquatschen, passte zwei Polizisten offenbar überhaupt nicht. Kaum ging die Dame weiter, überquerten die beiden Gesetzeshüter die Strasse und begrüssten uns mit den folgenden Worten: «Chönd mir ihri Uswiis gseh?» gefolgt von «Was mached sii do?» Ich dachte ich höre nicht richtig und antwortete: «Wir machen eine Umfrage für die Appenzeller Zeitung.» Gleichzeitig begann ich, in der Jacke nach meinem Pass zu suchen. Einer der Polizisten schaute mir dabei genau auf die Finger, während sein Kollege fragte, ob wir einen Presseausweis dabei hätten. Wir verneinten. «Sie können aber gerne in der Redaktion anrufen und nachfragen, ob man uns zwei Vögel dort kennt», bot ich den Polizisten leicht genervt an. Während dem einer von ihnen mit seinem Handy unsere Daten checkte, erklärte ich seinem Kollegen, um was es sich bei der Umfrage handelte und dass man uns am Morgen losgeschickt hatte.

«Und sie haben eine C-Bewilligung?», unterbrach der Polizist mit dem Handy meine Ausführungen. «Ja, das steht übrigens im Ausländerausweis, den sie gerade in der Hand halten», gab ich zu Protokoll und fügte an, dass ich in der Schweiz zur Welt gekommen sei. Nachdem der Datencheck bestätigt hatte, dass wir nur zwei harmlose Journalisten in Ausbildung sind, konnten wir weiter auf Stimmenfang gehen. Ohne, dass wir selbst Red und Antwort stehen mussten.

Arcangelo Balsamo