Chlauslarven aus vier Jahrzehnten

Er war ein legendärer «Wüeschte» in Urnäsch. Über 40 Jahre lang war der Urnäscher Garagist Hanspeter Blaas Vorrolli im Dörflischuppel. Nun zeigt Erika Wiederkehr-Egli in einer Ausstellung im Atelier einen Teil seiner selbstgemachten Larven.

Karin Erni
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Hampi Blaas zeigt im Atelier von Erika Wiederkehr seine selbst gestalteten, «wüeschten» Chlauslarven. (Bild: ker)

Hampi Blaas zeigt im Atelier von Erika Wiederkehr seine selbst gestalteten, «wüeschten» Chlauslarven. (Bild: ker)

URNÄSCH. «Bevor ich den Dörflischuppel nicht gesehen hatte, konnte ich nicht ins Bett», erinnert sich Erika Wiederkehr-Egli an ihre Kindheit. «Hampi Blaas war ein ganz Wilder, der hat immer getan wie verrückt.» Legendär waren auch die selbstgestalteten Larven des Urnäscher Garagisten, der von 1954 bis 2002 stets als «wüeschte» Chlaus unterwegs war. «Unser letzter Auftritt war an der Expo 02», so Blaas. 200 bis 300 Larven sind in dieser Zeit entstanden. Einen Teil hat er aufbewahrt. Diese sind am kommenden Samstag- und Sonntagnachmittag und am Alten Silvester im Atelier von Erika Wiederkehr-Egli ausgestellt.

Urtümliche Masken

Es sind furchterregende Gebilde mit echten Tierzähnen, Hörnern und Knochen. Hanspeter Blaas hat die Larven jeweils für den ganzen Schuppel gestaltet. Dazu hat er während des ganzen Jahres im Wald Materialien wie Pilze oder Wurzeln gesammelt. Vom Metzger bekam er ab und zu einen Kuhschädel. Bei diesem hat er Zähne und Hörner ausgelöst und in die Pappmaché-Masse eingefügt. «Ich habe sie wie der Zahnarzt mit Nummern bezeichnet, damit sie später in die getrocknete Form passen», so Blaas. Für die Ausstellung hat er die Larven mit frischem Tannengrün, Buchs und Stechlaub ausgestattet.

Brauch im Aufwind

Das Chlausen sei einem steten Auf und Ab ausgesetzt gewesen, erinnert sich Hanspeter Blaas. «Eine Zeit lang waren wir noch der einzige <wüeschte> Schuppel in Urnäsch. Es war ein Glück, dass der Brauch nicht gänzlich ausgestorben ist.» Im Gegenteil, man beobachtet heute eher wieder eine Zunahme des Interesses. «Der Brauch hat sich zum Guten gewandelt», so Blaas. «Der Gesang ist besser geworden und es wird sehr viel Zeit in die Gestaltung der Gewänder und Hauben investiert.» Rund 30 Schuppel werden am Alten Silvester in Urnäsch erwartet. An diesem Tag führt Erika Wiederkehr-Egli in ihrem Atelier ein Beizli. Hier kann man sich bei Glühwein, Gerstensuppe und Schlorzifladen stärken und gleichzeitig einen Blick in die Ausstellung werfen.

Öffnungszeiten Atelier Erika Wiederkehr-Egli, Bindlistrasse 10, Urnäsch: Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonntag 13 bis 16 Uhr, Alter Silvester ganzer Tag geöffnet.