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«Wir werden für Selfies belagert»: Teufner Silvesterchläuse wollen wieder mehr Respekt vor dem Brauchtum

Immer mehr Silvesterchläuse fühlen sich am 31. Dezember durch das lärmende, filmende und fotografierende Publikum auf dem Dorfplatz gestört. Mit einer Plakatkampagne will die Gemeinde nun die Bevölkerung zu mehr Respekt vor dem Brauchtum auffordern.
Claudio Weder
Der grosse Andrang am Teufner Silvester hat nicht nur gute Seiten: Die Silvesterchläuse haben es immer mehr mit aufdringlichen Zuschauern zu tun. (Bild: Michel Canonica (31. Dezember 2017))

Der grosse Andrang am Teufner Silvester hat nicht nur gute Seiten: Die Silvesterchläuse haben es immer mehr mit aufdringlichen Zuschauern zu tun. (Bild: Michel Canonica (31. Dezember 2017))

Es ist eine uralte Tradition in Ausserrhoden: In aller Herrgottsfrühe ziehen sie los – die «Schöne», «Wüeschte» und «Schö-Wüeschte» –, singend und zauernd gehen sie von Haus zu Haus. Auch in Teufen machen sich die Silvesterchläuse am Morgen des 31. Dezembers auf den «Strech», so nennen sie ihre Route durch das Dorf, um der Bevölkerung ein gutes neues Jahr zu wünschen. Gegen Mittag treffen sie jeweils auf dem Dorfplatz ein. Spätestens dort verabschiedet sich dann die besinnliche Ruhe des frühen Morgens. Denn: Das traditionelle Silvesterchlausen in Teufen zieht jedes Jahr eine Menge Zuschauerinnen und Zuschauer an – was nicht nur schöne Seiten hat.

Handys und Kameras so weit das Auge reicht

«Sobald wir mit dem Zäuerle beginnen, werden die Handys gezückt», erzählt Markus Wild vom Anker-Schuppel. Die Leute seien in den letzten Jahren aufdringlicher geworden, würden die Silvesterchläuse belagern, um Selfies zu machen, ihre Handys und Kameras zwischen den Köpfen der Chläuse hindurch strecken, oder sich unterwegs gar zwischen sie stellen. Ein gewisser Abstand sei jedoch nicht nur des Anstandes und Respektes halber zu begrüssen, sondern auch aus Gründen der Sicherheit wichtig: Die Ausrüstung eines Silvesterchlauses wiegt inklusive Haube rund 30 Kilogramm.

«Ohne den nötigen Sicherheitsabstand kann es unter Umständen zu gefährlichen Situationen kommen, da wir unter der Maske nur einen begrenzten Blickwinkel haben.»

Nicht nur von der zunehmenden Aufdringlichkeit des Publikums beim Filmen und Fotografieren fühlen sich die Teufner Schuppel je länger je mehr gestört. «Meist ist es auf dem Dorfplatz so laut, dass nur noch die Zuschauerinnen und Zuschauer in den ersten Reihen unser Zäuerli hören», so Wild. Das sei schade. Einer der Schuppel habe in den vergangenen Jahren den Dorfkern unter anderem darum nicht mehr besucht. Aus diesem Grund haben sich drei Mitglieder der Kommission Betriebe und Sicherheit sowie je ein Vertreter der fünf Teufner Schuppel zusammengeschlossen, um an einer Lösung zu arbeiten: Mit einer Plakatkampagne sollen die Besucherinnen und Besucher des Teufner Silvesterchlausens wieder zu mehr Respekt und Aufmerksamkeit gegenüber dem Brauchtum aufgerufen werden.

Mit diesen drei Bitten ruft die Gemeinde zu mehr Respekt auf. (Visualisierung: PD)

Mit diesen drei Bitten ruft die Gemeinde zu mehr Respekt auf. (Visualisierung: PD)

Dass sich der Teufner Silvester in den vergangenen Jahren stark verändert hat, ist auch Gemeinderätin Katja Diethelm Bruhin aufgefallen. Sie ist Leiterin der Kommission Betriebe und Sicherheit und lebt seit 25 Jahren in Teufen.

«Viele Leute nutzen das Silvesterchlausen, um mit Freunden und Verwandten einen Schwatz zu halten und ihnen ein gutes Neues zu wünschen. Die meisten kommen nicht mehr nur der Chläuse wegen auf den Dorfplatz.»

Um das Brauchtum wieder zu stärken, sollen am Tag des 31. Dezembers drei bis vier Plakate rund um das Dorfzentrum aufgestellt werden. Auf diesen wird die Bevölkerung um «Rücksicht», «Abstand» und «Ruhe» gebeten. Das Ganze soll jedoch keine Mahnfingeraktion werden, wie Katja Diethelm betont. Es gehe auch nicht darum, die Leute zu vertreiben, denn die Chläuse würden sich immer über zahlreiches Erscheinen am Silvester freuen. Vielmehr handle es sich bei der geplanten Plakataktion um eine Achtsamkeitskampagne, bei der man die Leute sensibilisieren und das Brauchtum wieder mehr in den Fokus rücken wolle, das im Zeitalter von Smartphones und Tablets zu stark in den Hintergrund gerückt sei.

«Wie will man zum Beispiel als Eltern einem Kind, das ständig mit einem iPhone oder Tablet herumrennt, diesen Brauch nahebringen?»

Ein Phänomen der gesamten Gesellschaft

Mangelnder Respekt gegenüber dem Brauchtum sei aber nicht nur in Teufen ein Phänomen, sagt Markus Wild. Auch in den anderen Dörfern im Kanton Appenzell Ausserrhoden, in denen es Silvesterchläuse gibt, sei dies zu beobachten. Gleichwohl hätten auch andere Bräuche, wie das Bloch, mit dieser Entwicklung zu kämpfen. Die Ursachen dafür liegen seiner Meinung nach in der Gesellschaft begründet. «Das Zücken des Handys ist heutzutage kein Hemmnis mehr», sagt er.

Die Plakatkampagne sei in erster Linie den Silvesterchläusen zuliebe lanciert worden, sagt Katja Diethelm. «Und denjenigen Leuten, die unseren Brauch schätzen und geniessen wollen», ergänzt Markus Wild. Er erhofft sich, dass die Besucher durch die Plakate motiviert werden, das Handy zwischendurch in der Tasche zu lassen und sich stattdessen auf den Moment zu konzentrieren – sodass man das Zäuerli auch in den hintersten Zuschauerreihen noch hören kann.

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