«Chläusigs» nun auch auf DVD

Nachdem er letztes Jahr CDs mit Zäuerli von in Urnäsch chlausenden Schuppeln herausgebracht hat, zieht Migg Fässler nach. Mit Hans Hürlemann hat er eine DVD produziert, die das Chlausen zwischen 1964 und 1986 dokumentiert.

Marcel Jud
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Emil «Migg» Fässler (links) und Hans Hürlimann schwelgen in Erinnerungen an vergangene Alte-Silvester-Zeiten. (Bild: maj)

Emil «Migg» Fässler (links) und Hans Hürlimann schwelgen in Erinnerungen an vergangene Alte-Silvester-Zeiten. (Bild: maj)

URNÄSCH. Zwei Jahre vor seiner Auswanderung nach Ghana chlauste Emil alias Migg Fässler das letzte Mal als «Schöner Chlaus» in Urnäsch. «Das war 1964», sagt Fässler. Er sitzt im Wohnzimmer seines Freundes Hans Hürlemann, der 1967 nach Urnäsch zog, ein Jahr nach Fässlers Auswanderung. «Mit der Zeit hörte ich von verschiedenen Leuten, dass es da einen <Chlause-Narr> gebe, der jedes Jahr nur wegen des Alten Silvesters aus Ghana nach Urnäsch komme», erinnert sich Hürlemann.

Nur zweimal verpasst

Dieser «Chlause-Narr» war Migg Fässler. Nach abgeschlossener Zimmermannslehre und Weiterbildung zog es den damals 23-Jährigen in die weite Welt hinaus. 1966 begann er als Bauführer für ein Schweizer Bauunternehmen in Ghana zu arbeiten. Zehn Jahre später machte er sich mit seiner Firma für Holzveredelung selbständig.

Doch auch nachdem Fässler seine Ausserrhoder Heimat Richtung Westafrika verlassen hatte, blieb er dem Silvesterchlausen treu. «In den letzten 50 Jahren habe ich den Alten Silvester nur zweimal verpasst», sagt Fässler. Das Chlausen ist Familientradition: Fässlers Bruder Armin ging ebenfalls chlausen; Vater und Grossvater zogen bis zum 65. Lebensjahr an Silvester durch Urnäsch. 1986 war Fässler noch einmal selbst mit einem Schuppel unterwegs. Jedoch nicht mehr als «Schöner», sondern als «Schö-Wüeschte» – zusammen mit Hansueli Wälte und anderen Chläusen vom Schötze-Chörli.

Einmaliges Zeitdokument

Dank Migg Fässlers Treue zum Alten Silvester entstanden die fünf CDs «Silveschter-Chlause z'Urnäsch». «Ich fand es schade, dass es fast keine Tonträger gab, welche das Silvestertreiben in Urnäsch dokumentierten», sagt Fässler. Die vorhandenen seien fast alle Studioaufnahmen und dadurch wenig authentisch. Deshalb machte sich Fässler zusammen mit Hansueli Wälte – seinem Freund aus Chlausenzeiten – auf, die Zäuerli für die Nachwelt zu erhalten. Zwischen 2012 und 2015 begleiteten sie die Schuppel mit einem Tonmeister und erschufen so ein einmaliges Zeitdokument.

Alte Kassetten digitalisiert

Nach Fertigstellung der fünf CDs mit circa 100 verschiedenen Zäuerli habe ihn ein aktiver Chlaus vom Urnäscher Bismärkli-Schuppel angesprochen, sagt Migg Fässler. «Er beglückwünschte mich zum gelungenen Werk. Gleichzeitig bedauerte er, dass es fast keine Filmdokumente zur Geschichte des Urnäscher Silvesterchlausens gebe.»

Dies war für Fässler Ansporn zu seinem nächsten Chlause-Projekt. Er begann VHS-Kassettenaufnahmen von Filmen und Fernsehdokumentationen über das Urnäscher Silvesterchlausen zu digitalisieren: eigene und solche von seiner Schwester Annelies und seinem Bruder Armin. Hans Hürlemann stand Fässler dabei beratend zur Seite. Der ehemalige Sekundarlehrer und Journalist gehörte zu den Gründern des Appenzeller Brauchtumsmuseums und wirkte bei verschiedenen Publikationen über das Silvesterchlausen mit.

Drei Jahrzehnte Chlausen

Aus den digitalisierten Kassettenaufnahmen ist eine DVD entstanden, die das Urnäscher Silvesterchlausen zwischen 1964 und 1986 dokumentiert. Sie zeigt, wie sich der Brauch im Verlauf der Jahrzehnte verändert hat. Die DVD hat Migg Fässler «in erster Linie für aktive und ehemalige Silvesterchläuse sowie <Chlause-Narre> produziert.»

Die DVD «Silveschter-Chlause z'Urnäsch. 1964 bis 1986» kann unter st-gallen@gmx.ch bei Migg Fässler bestellt werden.

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