Chez les Peugeot

Brosmete

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Ich wusste nicht, wo es mich hinverschlagen würde, damals, vor mehr als 20 Jahren. Aufs Geratewohl hatte ich mich bei einer Pariser Familie gemeldet, in der eine Freundin von mir drei Jahre vorher für ein halbes Jahr als Au-pair tätig gewesen war. Das wollte ich auch! Mein Schreiben wurde beantwortet: mit einer freundlichen Absage. Aber, so hiess es im zweiten Teil des Briefes, entfernte Bekannte würden jemanden brauchen. Les R., wohnhaft im 8. Arrondissement, mit zwei Mädchen im Alter von 4 und 2 und Zwillingen, die im Januar zur Welt kommen sollten.

Das liess ich mir nicht zweimal sagen. Ich trat mit den R. in Kontakt und hatte – ehe ich mich versah – meinen Parisaufenthalt in der Tasche. Meine Hauptaufgabe, so wurde mir aufgetragen, würde darin bestehen, die beiden Mädchen am späteren Nachmittag zu Fuss mit einem Kinderwagen von der Privatschule abzuholen, um mit ihnen den Abend zu verbringen. Manchmal sollte ich die Zwillinge hüten, an Wochenenden verfügbar sein und die Familie in die Ferien begleiten. Ich bekam ein Zimmer mit Etagendusche angeboten, 100 Schweizer Franken Taschengeld pro Monat sowie ein Abo für den öffentlichen Verkehr auf dem ganzen Stadtgebiet von Paris.

Das klingt gut, liebe Leserin, lieber Leser. Und ich kann Ihnen versichern, ich wurde nicht enttäuscht: im Gegenteil! Die Familie, in die mich der Zufall getragen hatte, war das Beste, was mir passieren konnte. Ich hatte mich eben erst für ein Geschichtsstudium an der Uni Zürich eingeschrieben, und ich landete, oh Wunder, mitten in der Zeitgeschichte des Pariser Grossbürgertums. Nicht im Hause Sesemann, nein, das war eine andere Heidi. Und auch nicht bei Jacques Chirac, der damals Staatspräsident war. Aber immerhin fast ... Ich landete chez les Peugeot. Wie diese Geschichte weiterging, davon nächstes Mal mehr.

Heidi Eisenhut