Chaos

Brosmete

Richard Fischbacher
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Freitag, 28. April, morgens um 6.30 Uhr. Erstaunt sehe ich den vielen Schnee auf unserem Balkon. Ein Blick aus dem Fenster auf die Strassen verrät mir: Da ist über Nacht etwas Aussergewöhnliches passiert. Für mich stand sofort fest: So kannst du nicht mit dem Auto zur Arbeit fahren. Grund: Einige Tage zuvor habe ich die Sommerpneus montieren lassen. Im Nachhinein keine gute Entscheidung. Zum Glück gibt’s die Appenzeller Bahn. Ich löse bequem zu Hause ein Billett erster Klasse – man gönnt sich ja sonst nichts. Und tatsächlich, die Fahrt ab St. Gallen wird zum reinen Vergnügen und zur Schadenfreude. Der Bahn ist hoch anzurechnen, dass sie pünktlich den Bahnhof in St. Gallen verlässt und Richtung Teufen fährt. Mir wird bewusst, wie weise der Entscheid war, das Auto nicht anzufassen. Vom Riethüsli bis weit in die Umfahrungsstrasse Teufen standen die Geplagten wie angewurzelt und nervten sich wahrscheinlich, dass es nicht weiterging. Ich konnte im Erstklassabteil der Appenzeller Bahn gemütlich die dort aufliegende «Appenzeller Zeitung» lesen. Und das weitere Positive an dieser Bahnfahrt war: Ich kam pünktlich in Bühler an.

An solchen Tagen wird einem wieder vor Augen geführt, wie machtlos wir gegenüber der Natur und den Wetterkapriolen sind. Da nützt alles Fluchen nichts. Was ich nicht verstehe, ist die Tatsache, dass viele an solchen Tagen mit Sommerpneus unterwegs waren. Da gibt es immer wieder Besserwisser, die meinen, sie kämen irgendwie mit ihrem Vehikel auch mit Sommerpneus ans Ziel. Sie denken jedoch nicht daran, dass sie mit ihrer Unvernunft Verkehrsteilnehmer gefährden.

Der ganze Spuk war dann gegen Abend vorbei. Am vorletzten Wochenende zeigte das Thermometer schon wieder um die 15 Grad und der Schnee schmolz sprichwörtlich an der Frühlingssonne dahin. Wetten, dass bei starkem Schneefall morgen wieder das gleiche Chaos ausbrechen würde?

Richard Fischbacher