Chaos lässt grüssen

Brosmete

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«Am Anfang war das Chaos!» Wer kennt nicht diesen biblischen Ausdruck, der die Erde als wüst und leer bezeichnet? Als Chaos wird laut Duden unter anderem auch «ein Zustand vollständiger Unordnung oder Verwirrung» beschrieben, als «Gletscher in der Antarktika», «als Fernsehkrimi». In der Astrogeologie gar als «ausserirdische Region mit zerklüftetem Terrain». Chaoten gelten als Menschen, die Mühe mit der Ordnung haben. Zu diesen gehöre ich auch. Mit anderen Worten: Ich bin ständig auf der Suche nach der perfekten Ordnung. Und immer wieder beginne ich von vorne, wie damals als Kind, als ich Ein- und Zweiräppler, je zehn und zehn, aufeinanderschichten sowie Rabattmärklein sortieren musste. Meine Gabe, etwas zu überblicken, hat Grenzen. Ich habe schon für verschiedene Geräte die Zusatzteile weggeworfen, im Glauben, sie seien unnötig, ich habe Texte gelöscht, die ich mit viel Aufwand nochmals schreiben musste, Briefe verloren, die ich beantworten wollte. Seit Monaten habe ich Adressen gesammelt von Leuten, die mir behilflich waren bei den Recherchen für mein Büchlein «Vo äägelige Urnäscher». Ich fand einige Namen samt Telefonnummern nicht mehr. Dabei hätte ich doch allen gerne ein grosses Dankeschön gesagt. Chaos hat auch gute Seiten. Chaos zeigt neue Wege auf, sorgt für Überraschungen. Das Chaos ist gleich dem Wurzelgebilde eines Baumes, ist die Grundlage der ewigen Ordnung. Bei meiner Lesung am 23. September habe ich total vergessen, die Kirche zu reservieren. Sie war schon belegt, und ich erfuhr es zwei Stunden vor Beginn. Ich stand neben den Schuhen, wusste nicht weiter. Die einzige Lösung hiess «Restaurant Taube». «Meine Schuld», sagte ich bei der Begrüssung der Gäste. Dann kam mir der erlösende Einfall. «S hät möse see. Di meischte vo de vo mer beschrebne Original sönd glich lieber i de ‹Tuube› ghocket als i de Cherche.» Das Gelächter brachte mir die Gelassenheit zurück.

Esther Ferrari