Chancenreiche Alternativen

Die Berufsfachschule Wirtschaft und die Fachmittelschule an der Kantonsschule Trogen trumpfen mit Praxisbezug und Förderung der Fremdsprachen. Sie sind attraktive Alternativen zur gymnasialen Maturität, sagen Bildungsexperten.

Patrik Kobler
Drucken
Teilen

trogen. Die Kantonsschule betreibt neben dem Gymnasium zwei weitere eigenständige Mittelschulabteilungen: die Berufsfachschule Wirtschaft (BFWS) und die Fachmittelschule (FMS). In beide Abteilungen treten Jugendliche ab der 3. Sek über, die bereits eine gewisse Vorstellung bezüglich ihrer beruflichen Zukunft haben.

Lange Tradition

Die Berufsfachschule Wirtschaft kennt in Appenzell Ausserrhoden eine lange Tradition. Sie besteht bereits seit 1897 als Abteilung der Kantonsschule. Anfänglich diente sie als Vorbereitungsstufe für die Handelsschule Neuenburg. Ab 1921 führte sie zum Handelsdiplom. Nun steht eine Änderung bevor. Mit Schuljahr 11/12 startet der neue Ausbildungsgang, der zum Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis und zur Berufsmaturität führt. Martin Annen, Leiter des Amts für Mittel- und Hochschulen und Berufsbildung, sagt, dadurch werde die BFWS zweifellos an Attraktivität zulegen.

Im ersten und zweiten Ausbildungsjahr absolvieren die Schülerinnen und Schüler je ein sechswöchiges kaufmännisches Praktikum. Dabei werden sie von den Betriebsverantwortlichen anhand verschiedener Kriterien bewertet und benotet. Ab dem zweiten Ausbildungsjahr führen die Lernenden zudem während eines halben Tages ein Dienstleistungszentrum mit diversen Produkten. «In diesem Praxisteil wird einerseits für die Bahnshop Trogen GmbH der komplette Buchhandel geführt, andererseits werden aber auch andere Dienstleistungen angeboten, beispielsweise das Binden von Diplom-, Matura- und Projektarbeiten oder das Führen von Klassenkassen», erklärt Johannes Schläpfer, Abteilungsleiter der BFWS und FMS.

Die Fachmittelschule wurde 2005 eingeführt (s. Kasten). Es werden die Berufsfelder Soziale Arbeit, Gesundheit und Pädagogik angeboten. In allen drei Bereichen können die Absolventinnen und Absolventen die Fachmaturität erwerben, für die die Anerkennung durch die Erziehungsdirektoren-Konferenz in vollem Umfang erteilt ist. Auch hier stehen im ersten und zweiten Ausbildungsjahr mehrwöchige Praktika auf dem Programm. In beiden Abteilungen wird viel Wert auf Fremdsprachen gelegt. Die Lernenden halten sich im dritten Jahr sechs Wochen in Grossbritannien auf und absolvieren danach das international anerkannte Cambridge First Certificate.

Zum Erlangen der kaufmännischen Berufsmatura und der Fachmatura in den Berufsfeldern Gesundheit und Soziale Arbeit müssen die Lernenden nach dem dritten Schuljahr ein Jahrespraktikum im entsprechenden Berufsfeld absolvieren. Wer die Fachmatura im Berufsfeld Pädagogik anstrebt, muss an der Interstaatlichen Maturitätsschule für Erwachsene die Module für den Übertritt an die Pädagogische Hochschule absolvieren und anschliessend schriftliche und mündliche Fachmaturitätsprüfungen an der Kantonsschule Trogen ablegen.

Keine Sackgasse

Die Karrieren vieler Ehemaliger zeigen gemäss Johannes Schläpfer eindrücklich auf, dass die beiden Abteilungen keine Wege in die Sackgasse sind. «Die einen schliessen ein universitäres Studium ab, die anderen übernehmen Kaderpositionen in der Privatwirtschaft oder finden über ein Fachhochschulstudium den Weg in die weite Welt.»

Aktuelle Nachrichten