«Casino-Götti» geht in Pension

Am nächsten Donnerstag kommen die Dorfvereine im Casino zusammen, um Walter Diem zu verabschieden. 17 Jahre lang amtete der 63-Jährige als Saalmeister – nun geht er in Pension. Verschiedene Erlebnisse wird er in Erinnerung behalten.

Patrik Kobler
Drucken
Teilen
Dienst nach Vorschrift war ihm fremd: Saalmeister Walter Diem packte im Casino Herisau an, wo seine Hilfe gefordert war. (Bild: pd)

Dienst nach Vorschrift war ihm fremd: Saalmeister Walter Diem packte im Casino Herisau an, wo seine Hilfe gefordert war. (Bild: pd)

HERISAU. «Keine Beweihräucherung», bittet Walter Diem. Dabei hätte er Lob verdient. 17 Jahre lang war er mit grossem Engagement Saal- und Bühnenmeister des Casinos Herisau. Dienst nach Vorschrift war ihm fremd. Er packte an, wo seine Hilfe gefordert war. Selbst wenn dies für ihn lange Arbeitstage bedeutete. «Das ist doch selbstverständlich», sagt er und betont, dass er dabei immer auf die Unterstützung seiner Familien zählen durfte. Als seine Kinder noch klein waren, hätten sie ihm sogar bei der Arbeit geholfen – etwa als Tonmeister.

Seit Ende 2012 ist der 63-Jährige eigentlich pensioniert. Weil sein Nachfolger Marco Braun erst im Februar die Stelle antreten kann, hat er jedoch einen Monat angehängt. Jetzt rückt der Abschied endgültig näher. Am kommenden Donnerstag, 17. Januar, wird er am Connect-Anlass im Casino offiziell verabschiedet.

Die Stars erlebt

Einfach dürfte Walter Diem der Abschied nicht fallen, beim Gang durchs Haus zeigt sich, wie verbunden er mit dem Casino ist. Er habe viel Schönes erlebt, sagt er und erzählt von seinen Erlebnissen. Davon wie er mit Rolling-Stones-Schlagzeuger Charlie Watts drei Stunden lang die Bühne aufgebaut hat und den Superstar als umgänglichen Typen kennengelernt hat. Oder vom Stromausfall – notabene der einzige in seiner Karriere – während eines Auftritts von Franz Hohler. «Er spielte im Kerzenschein einfach weiter und alle dachten, das gehöre zum Programm dazu», erinnert sich Diem. Weil sich die Panne nicht beheben liess, wurde der Auftritt dann aber doch vorzeitig beendet und später nachgeholt.

Auch die politische Prominenz hatte er im Haus zu Gast. Höhepunkt war die Bundespräsidentenfeier von Hans-Rudolf Merz. Damals habe die Polizei jeden Winkel nach verdächtigen Gegenständen abgesucht, sagt er. Prompt entdeckten sie ein verschlossenes Schliessfach. Statt einer Bombe fanden sie darin aber bloss eine Schokolade.

Den Dorfvereinen dankbar

Aber nicht nur die Stars lagen ihm am Herzen, sondern auch die Dorfvereine. Sie hätten sich vor zwanzig Jahren für die Sanierung des Casinos eingesetzt, sagt er. Dafür sei er ihnen dankbar. Besonders gefallen hat ihm, wenn ein Jodelchörli mit «schönen Stimmen» aufgetreten ist. Insgesamt arbeitete Walter Diem 22 Jahre für die Gemeinde. Bevor er zum «Casino-Götti» ernannt wurde, war der gelernte Schreiner in der Liegenschaftsverwaltung tätig. Nun freut er sich darauf, künftig freier zu sein. Er will sich um seine sechs Enkel – demnächst kommen noch Zwillinge dazu – und um seine 16 Bienenvölker kümmern. Seit fünf Jahren ist er ausserdem mit seiner Frau zusammen Hauswart der Baugenossenschaft Hemetli in Herisau. Auch den einen oder anderen Auftritt im Casino wird er besuchen. Freien Eintritt erwartet er nicht. Er habe schon in der Vergangenheit selber bezahlt. «Das haben die Vereine so verdient», sagt Walter Diem.

Aktuelle Nachrichten