Camping für Fortgeschrittene

Palmen, Flip-Flops und Ziegenkäse mit Kokain – die Theatergruppe Ganterschwil brachte mit dem «Camper-Fründe» neben «La Dolce Vita» auch jede Menge Action in einen kalten Wintertag.

Ursula Ammann
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Ganterschwil. In der Mehrzweckhalle Ganterschwil kehrte am Samstag der Sommer ein. Bereits am Nachmittag wollten über 150 Schaulustige die «Camper-Fründe» sehen. Das Stück von Marcel Schlegel in drei Akten liess – trotz Minustemperaturen draussen – ordentlich Sommerlaune aufkommen. So jagten die Kinder in den Pausen dem Gelatimobil hinterher, während ihre Eltern und Grosseltern ihr Glück bei der Tombola versuchten. Dort gab es unter anderem neue Zelte zu gewinnen.

Sklaverei und verbotene Liebe

Tatort Campingplatz Agno: Gisela Stämpfli (Elfi Bollhalder) löst gerade Kreuzworträtsel, in der Hoffnung, eine Kreuzfahrt für sich und ihren Mann Armin (Hansruedi van Rijs) zu gewinnen, als Alexandra Moser (Sandra Rütsche) mit ihrem Mann Ingo im Schlepptau den Platz betritt. Die rabiate Alexandra behandelt den schusseligen Ingo (Urs Rüegg) wie einen Leibeigenen. Ingo erregt deshalb zunehmend das Mitleid der anderen Camper. Unter diesen befinden sich auch das Ehepaar Sandra und Stefan Gerber (Ramona Stillhart und Andy Rütsche) sowie das Ehepaar Wipf (Vreni Rüegg und Patrick Holenstein) mit Tochter Gina (Irene Schweizer). Gina pflegt eine innige Beziehung zu Platzwart Luca (Michael Stillhart). Als Vater Wipf von der Romanze erfährt, ist seine Ferienlaune im Eimer. Ein «Südländer» kommt ihm nicht ins Haus.

Eines Abends spendiert Markus Wipf den Camping-Kumpanen Ingo, Armin und Stefan eine Flasche Wein – eine von sechs Flaschen Wein, die eigentlich seinem zukünftigen Chef zugestanden hätten. Markus prahlt damit, wie er die Flaschen unterschlagen hat. Was er nicht weiss: Stefan Gerber ist sein zukünftiger Chef.

Als Gegenleistung zu Stefans Schweigen verspricht Markus, Luca in der Familie willkommen zu heissen. Auch für Ingo gibt es ein Happy End. Im Wissen, dass seine Frau ihm aus dem italienischen Luino ein Stück Ziegenkäse als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk mitbringt, lässt er den besagten Käse durch einen Hintermann mit 500 Gramm Kokain präparieren. Während Alexandra am Zoll in Handschellen abgeführt wird, sitzt Ingo bereits im Flugzeug.

Selbst vom Campen angetan

Das Stück sei durch seine Andersartigkeit sofort ins Auge gestochen. «Zudem sind einige von uns selbst Camper», sagte Andy Rütsche, Präsident der Theatergruppe. Dies erklärte wohl die Authentizität der Schauspielerinnen und Schauspieler. Nach den 20 Proben, drei Aufführungen und dem anschliessenden Aufräumen steht das wohlverdiente, gemeinsame Essen auf dem Programm. Zum Camping fährt gemäss Andy Rütsche aber noch jeder für sich. «Bis jetzt zumindest.»

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