Cäsar mit Velo

Brosmete

Hansruedi Diem
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Mit einem kleinen Team mache ich bei der nationalen Aktion «bike to work» mit. Ziel dieser Veranstaltung ist es, während zweier Monate mindestens jeden zweiten Tag mit dem Velo zur Arbeit zu fahren. Nun wurde ich für diese Aktion angefragt, ob ich von mir auf meinem Arbeitsweg ein Selfie machen könnte. Gutmütig willigte ich ein und suchte auf dem Nachhauseweg von Gossau nach Urnäsch ein passendes Plätzli mit atemberaubender Sicht auf den Säntis.

Die erste Möglichkeit bot sich auf der langen Geraden bei der Rietwies in Herisau. Da aber unendlich viele Autos diese Strasse befahren, verschob ich mein Vorhaben bis zur nächsten schönen Aussicht. Diese entdeckte ich in Waldstatt vor der Metzgerei Sturzenegger. Da ich mich aber nicht wie ein «Cäsar» vor einem stark frequentierten Laden ablichten wollte, musste ich die nächste perfekte Stelle abwarten. Auf der legendären «Trüübligeraden» war dies der Fall. Doch da hielten mich die schnellfahrenden Autos von meinem Vorhaben ab.

Zwischen dem Sulzbrunnen und der Zürchersmühle boten sich weitere schöne Gelegenheiten. Aber auch hier kam kein perfekter Ort, wo kein Verkehr und keine Bekannten mein Selbstbildnis vor schönster Kulisse störten. So kam ich zu Hause an, ohne Bild, dafür mit einer guten Idee. Ich nahm mein Rennvelo, trug es hinter dem Haus einen Hügel hoch und machte abseits der Strasse und weit entfernt von Bekannten das Selfie. Das Bild lieferte ich termingerecht ab. Auf die Frage, wo denn die Strasse auf diesem Bild sei, antwortete ich gelassen und klischeegetreu, dass ich die letzten paar hundert Meter bis zu meinem Haus in Urnäsch auf einem unbefestigten Weg, zu Fuss und mit auf geschultertem Fahrrad zurücklegen müsse. Ich erntete bemitleidende Blicke und quittierte diese mit einem schelmischen Lächeln.

Hansruedi Diem