Die Frage nach dem «C» im Namen spaltet die Kantonalparteien im Appenzellerland

Die Ausserrhoder erachten eine Namensänderung der CVP als Chance, die Innerrhoder sind skeptisch.

Yann Lengacher
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Parteipräsident Gerhard Pfister hat an der Delegiertenversammlung der CVP Schweiz eine Online-Befragung für April angekündigt.

Parteipräsident Gerhard Pfister hat an der Delegiertenversammlung der CVP Schweiz eine Online-Befragung für April angekündigt.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

Im Rahmen der Delegiertenversammlung der CVP Schweiz hat Parteipräsident Gerhard Pfister kürzlich angekündigt, die christdemokratische Basis bald zum Namen der Partei zu befragen. Zur Basis zählen rund 80000 Personen, die entweder Mitglieder oder Sympathisanten der CVP sind. In der Online-Befragung soll es diesen April unter anderem um das «C», das für «christdemokratisch» steht, gehen. Die CVP möchte nach Jahren der Wählerverluste die Trendwende schaffen und denkt zu diesem Zweck über einen neuen Namen nach.

Insbesondere in den urbaneren Gebieten der grösseren Kantone Bern, Zürich und Waadt möchte die CVP erfolgreicher werden. Doch auch im Appenzellerland ist die Frage «C» oder nicht «C» eine spannende: Die Innerrhoder und die Ausserrhoder Christdemokraten könnten wegen der unterschiedlichen Stärke der Partei in den Kantonen unterschiedliche Antworten geben.

Ausserrhoder CVP hat schweren Stand

In Ausserrhoden hat die CVP keinen leichten Stand. Im Kantonsrat formen drei CVP-Mitglieder mit Parteilosen und EVP-Vertretern die schwächste Fraktion im Parlament. Einen Regierungsrat stellt die Partei genauso wenig wie einen National- oder Ständerat. Einen der Kantonsratssitze der Fraktion besetzt Claudia Frischknecht, die Präsidentin der Ausserrhoder CVP. Für sie ist es vorstellbar, dass eine Namensänderung der Partei in Ausserrhoden zu mehr Erfolg verhelfen könnte.

Claudia Frischknecht

Claudia Frischknecht

APZ
«Wir merken schon, dass sich die Leute fragen, was die CVP im reformierten Ausserrhoden als ‹katholische› Partei will. Der Wegfall des ‹C› wäre für uns eine Chance, um mehr Menschen anzusprechen, die sich mit dem Gedankengut der CVP identifizieren können oder dies bereits tun»

, sagt Frischknecht. Es sei nicht zu bestreiten, dass dem «C» bei der Ausserrhoder Wählerschaft nach wie vor der Ruf des Katholischen anhafte. Eine gute Option wäre für die Herisauerin darum ein Parteiname, der den Fokus mehr auf die CVP als Mittepartei legt. Bliebe das «C» auch nach der Basisbefragung im Namen der CVP enthalten, wäre dies für Frischknecht aber kein Problem. Die Kantonsrätin sieht den Buchstaben ohnehin mehr als Synonym für abendländische Werte wie Toleranz oder Solidarität denn für Katholizismus.

In Innerrhoden ist das «C» Erfolgsgarant

Ganz anders als in Ausserrhoden sieht die Situation der CVP in Innerrhoden aus: Hier dominiert sie die Politik. Der Ständerats- und Nationalratssitz befindet sich seit Jahren fest in ihrer Hand. Einen entscheidenden Anteil am anhaltenden christdemokratischen Erfolg dürfte die starke katholisch-konservative Prägung Innerrhodens haben. Das «C» stehe in Innerrhoden für das Konservative wie das Katholische, sagt Stefan Ledergerber, der Präsident der Innerrhoder CVP. Einem Weglassen des Buchstabens steht er skeptisch gegenüber.

Stefan Ledergerber.

Stefan Ledergerber.

APZ
«Innerrhoden ist immer noch ein sehr konservativer Kanton, in dem Kirche und Religion auch im Staat präsent sind, beispielsweise an der Landsgemeinde. Mit dem Weglassen des ‹C› würden wir ein Stück Identität verlieren.»

Er bezweifelt zudem, dass eine Änderung des Parteinamens mehr Wähler einbringen würde. Eine Lösung nach dem Vorbild der FDP ist für ihn denkbar: «CVP – die Mitte», das würde auch in Innerrhoden funktionieren, sagt er. Entscheidender als der Parteiname seien aber die Inhalte und die Präsenz der Partei in der Öffentlichkeit: «Die Politik, die wir auf nationaler und kantonaler Ebene machen, ist vernünftig. Die Partei darf in Zukunft aber ruhig etwas mutiger sein und auch einmal anecken, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.»

Die nationale Diskussion um das «C» werde der Parteivorstand der Innerrhoder CVP beobachten, sagt Ledergerber. Und: «Sobald sich etwas Konkretes ergeben hat, werden wir das Thema innerhalb unserer Partei weiterbesprechen.»