BWZT will GO-Projekt fortsetzen

WATTWIL. Der Schweizerische Verband für Weiterbildung (SVEB) hat das nationale Pilotprojekt «GO» abgeschlossen. Das Berufs-und Weiterbildungszentrum Toggenburg (BWZT) war Partner des Projekts und will es weiterführen.

Timon Kobelt
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Mitarbeiter der Firma Schwarz AG füllen Sprachübungen aus. Es geht darum, Begriffe des Arbeitsumfelds korrekt anwenden zu können. (Bild: pd)

Mitarbeiter der Firma Schwarz AG füllen Sprachübungen aus. Es geht darum, Begriffe des Arbeitsumfelds korrekt anwenden zu können. (Bild: pd)

WATTWIL. Wie einst Günther Jauch sagte: «Bildung kann man nicht downloaden.» Nach diesem Prinzip ist das GO-Projekt des Schweizerischen Verbandes für Weiterbildung (SVEB) aufgebaut. Erwachsene sollen direkt an ihrem Arbeitsplatz durch Verbindung von Praxis und Theorie ihre Fähigkeiten erweitern. Dafür ist der SVEB verschiedene Partnerschaften eingegangen, unter anderen mit der Volkshochschule Bern oder dem Netzwerk Alltagsmathematik. Die Partner stellen Kursleiter zur Verfügung, welche mit den Erwachsenen direkt im Betrieb zusammenarbeiten.

Fehlende Grundkompetenzen

Gemäss SVEB haben rund 65 Prozent aller berufstätigen Personen tiefe Grundkompetenzen. Als solche werden beispielsweise Alltagsmathematik, Sozialkompetenz, Lesekompetenz oder Computerfähigkeiten definiert. Cäcilia Märki, GO-Projektleiterin vom SVEB, sagt: «Ganz wichtige Grundkompetenzen sind die mündliche und die schriftliche Kommunikation in einer Amtssprache. Die Mitarbeiter eines Betriebes müssen sich ihrem Arbeitsumfeld entsprechend ausdrücken können.» Für die Betriebe sei es zudem wichtig, dass ihre Mitarbeiter gute Arbeitsmethodiken erlernen und die Teamfähigkeit verbessern würden.

Das GO-Modell

In der ersten Phase des Projekts (2009–2011) wurde das GO-Modell entwickelt. Es besteht aus fünf Schritten, welche zur Verbesserung der Grundkompetenzen am Arbeitsplatz beitragen. Als erstes wird eine Anforderungsanalyse gemacht. Dort definieren die Kursleiter gemeinsam mit den Mitarbeitern und deren Vorgesetzten, welche Anforderungen die Mitarbeiter erfüllen müssen. In einem zweiten Schritt wird erhoben, wie gross der Bedarf an einer Veränderung ist. Daraus wird als drittes eine konkrete Bildungsmassnahme sprich der Schwerpunkt für die Kurstage abgeleitet. Dies kann beispielsweise das Ausfüllen von Lieferscheinen sein. Der vierte Schritt ist der Transfer von Erkenntnissen zwischen den Kursleitern und den Betriebsverantwortlichen. Dabei soll herausgefunden werden, ob die Kurstage bei den einzelnen Mitarbeitern eine Veränderung hervorgerufen haben. Als letztes werden die Kurstage abschliessend evaluiert. «Der Vorteil des Modells ist, dass die Evaluation laufend gemacht werden kann. Man sieht, ob die Teilnehmer das Gelernte am Arbeitsplatz anwenden», meint Cäcilia Märki.

BWZT als Partner von GO2

GO2 (2012–2015) ist das Folgeprojekt von GO. Während mit GO nur Grossbetriebe angepeilt worden waren, wollte der SVEB mit GO2 vor allem kleine und mittlere Unternehmen erreichen. So kam es dazu, dass der SVEB das Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg als Partner auswählte. «Mit GO2 wollten wir vor allem ländliche und kleine Regionen erreichen», meint Märki.

Im Rahmen von GO2 hat das BWZT mit dem Warmpresswerk Schwarz AG in Bütschwil zusammengearbeitet. Zwölf Mitarbeiter der Schwarz AG besuchten Sprachkurse, die der BWZT-Kursleiter Fredi Gmür ausgearbeitet hatte. «Wir sind immer vom GO-Modell ausgegangen und haben gemeinsam mit der Schwarz AG geschaut, wo sich welcher Mitarbeiter verbessern kann», sagt Gmür. Dies sei aufwendig gewesen, da er kein einheitliches Lehrmittel habe benutzen können. «Die Kurstage müssen stets den Bedürfnissen des Betriebs entsprechend gestaltet werden. Dies ermöglicht ein gezieltes Lernen», meint der Lehrer. Beispielsweise hätten die Mitarbeiter gelernt, wie sie sich korrekt abmelden müssen. Denn die Schwarz AG hatte festgestellt, dass viele Mitarbeiter sich bei Krankheit nicht abmeldeten.

Kursmodell weiterführen

Das Fazit des Kurses fiel positiv aus. Fredi Gmür sagt: «Gefreut hat mich, dass bei den Kursen praktisch niemand gefehlt hat. Eine Person fragte mich gar, ob ich selbst weitere Sprachkurse anbieten würde. Das war ein schöner Moment.» Von Seiten des Betriebes tönt es ähnlich: «Einige Mitarbeiter sind selbstsicherer geworden. Sie reden offener und verstehen Fachbegriffe am Arbeitsplatz. Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung», sagt Myrtha Schuler, Personalchefin der Schwarz AG. Das BWZT wird in Zukunft weitere Kurse anbieten: «Sprachkurse nach dem GO-Modell werden bei uns fixe Bestandteile des Weiterbildungsangebotes», sagt Gmür. GO2 wurde vom SVEB finanziert. Gespräche, ob fixe Kurse mit Hilfe von Bundesmitteln angeboten werden, sind im Gange. Das BWZT will unabhängig von diesen Gesprächen Kurse durchführen. Man werde auf die Unternehmen im Toggenburg zugehen. Es sei davon auszugehen, dass manche von ihnen die Kurskosten selbst aufbringen, um ihre Mitarbeiter weiterzubilden, so Gmür.

Fredi Gmür GO2-Kursleiter BWZT (Bild: Timon Kobelt)

Fredi Gmür GO2-Kursleiter BWZT (Bild: Timon Kobelt)