Buwag hofft auf schönes Wetter im Tessin

Vor 100 Jahren

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Vor 100 Jahren

3. November: Wattwil. Ein hoher Genuss steht der hiesigen Bevölkerung bevor. Im Hotel Bahnhof in Wattwil gastiert der berühmte Spiritist und Gedankenleser Marco Malini. Allüberall wo Malini auftrat, hatte er grossen Erfolg. Davon zeugen die massenhaften Zeitungsartikel; wir entnehmen z. B. aus dem Bund: Das neue Variété-Programm hat diesmal einige Zugstücke zu verzeichnen. Da ist vorab Marco Malini, der «Gedankenleser». Wie er selbst erklärte, beruhen seine Experimente auf der von ihm beliebig sich anerbietenden Medium durch stärkste Konzentration der Gedanken auf ihn ausgeübten Suggestion. Und zwar bedarf er nur in verhältnismässig wenigen Ausnahmen der körperlichen Berührung mit dem Medium. Um eine genaue Kontrolle zu besitzen, notiert man sich die ihm zu stellenden Aufgaben zuvor – der Gedankenleser löst sie in peinlich genauer Reihenfolge. Ein Beispiel: Der Künstler holt sich einen vom Medium ausersehenen Gast mitten aus den Reihen heraus auf die Bühne, zieht ihm eine Visitkarte aus der Rocktasche, steigt die Treppe nach der Galerie empor und überreichte die Karte einer – wie es sich nachher herausstellt – in der Aufgabe näher bezeichneten Dame. Durch gelungene Einfälle ist das Publikum so imstande, sich selbst eine gute Weile trefflich zu unterhalten. Es ist zu erwarten, dass das hiesige Publikum sich diese genussreiche Darbietung nicht entgehen lass und diese Vorstellungen zahlreich besuche.

Vor 50 Jahren

5. November: Wattwil. Liebe Leser, liebe Kunden. Drücken Sie uns den Daumen – für schönes Wetter im Tessin! Wenn Sie die heutige Zeitung aufschlagen, sitzen wir nämlich im Schnellzug in den Tessin, wir, die wir Ihre Zeitung eben noch gemacht haben. Ja, es ist so, die Buchdruckerei Wattwil AG fährt aus. Wir sind unser siebzehn; einer ist in der Rekrutenschule, er war unser Stift. Wir fahren heute Freitag nach Lugano, durch den Gotthard hindurch. Samstagabend kommen wir wieder zurück. Natürlich denken wir, der Ausflug diene der Entspannung; aber wir sammeln auch Kräfte – nicht nur bei den Mahlzeiten – so, dass wir in der strengen Jahreszeit, die nun kommt, leistungsfähig sind. Sonst denken wir ja immer an Sie; dass wir nun für anderthalb Tage das Weite suchen; nehmen sie es uns bitte nicht übel! Wir wissen nämlich ganz genau, dass Sie, liebe Abonnenten und Kunden für Drucksachen und Inserate, uns den Ausflug ermöglichen. Wenn wir zurückgekommen sind, werden wir wieder alle, wie bisher, am gleichen Strick ziehen. Und mit jenen Kräften, welche die Tessiner Sonne uns schenkt, werden wir versuchen, Ihnen die Dienste zu leisten, die Sie wünschen. Ciao!

Vor 20 Jahren

6. November. Neu St. Johann. Die Neu St. Johanner verlieren ihre Poststelle. Seit Anfang November existiert in Neu St. Johann keine Poststelle mehr. Die Räumlichkeiten werden zu einem Polizeiposten umfunktioniert. Mit der Schliessung ging auch Posthalter Josef Alpiger frühzeitig in Pension. Die Neu St. Johanner müssen nun für ihre Postgeschäfte nach Nesslau ausweichen. Auflösung war ein Dauerbrenner. Bereits zu Zeiten seines Vorgängers Hermann Döbeli, der die Post 35 Jahre lang führte, diskutierte man über eine Schliessung. Die Schliessung ist auch ein Zeichen des Fortschritts. Mit Rationalisierungsmassnahmen wurden Arbeitsabläufe vereinfacht, die Aufgaben anspruchsvoller, die Zusammenhänge komplexer. Dadurch hat sich das Postwesen immer wieder verändert. Anstelle von menschlichen Arbeitskräften traten Maschinen. Nach Wintersberg und Wildhaus-Lisighaus wurde nun die dritte Post im Obertoggenburg geschlossen.

Vor 10 Jahren

5. November: Lichtensteig. Das Justiz- und Polizeidepartement schickt den Vorentwurf für eine umfassende Justizreform in die Vernehmlassung. Entgegen den Empfehlungen der Expertenkommission soll der Gerichtsstandort Lichtensteig gestärkt werden. Hauptgrund für die Stärkung des Toggenburger Standortes ist, dass sich die neuen Gerichtskreise nach der Abschaffung der Bezirke vor den letzten Kantonsratswahlen an den neuen Wahlkreisen orientiert. Die Bezirksgerichte wurden vor drei Jahren bereits zu Kreisgerichten umbenannt, ihre Einzugsgebiete decken sich aber nicht mit den Wahlkreisen. Auch ein politischer Entscheid: Die momentane Grösse des Kreisgerichtes Neu- und Obertoggenburg in Lichtensteig lässt ein effizientes Arbeiten nicht mehr zu. Der Standort Lichtensteig beherbergt das kleinste Gericht des Kantons, das wird auch nach der Reform so sein. Nebst der politischen Argumentation sei es aber auch ökonomisch sinnvoll, so Regierungsrätin Karin Keller-Sutter, wenn sich Wahlkreise und Gerichtskreise decken. Konkret heisst das, dass die Alttoggenburger Gemeinde Kirchberg, Lütisburg, Mosnang und Bütschwil werden sich gerichtlich nicht mehr nach Wil, sondern nach Lichtensteig zu orientieren haben. Das Gleiche gilt für die Untertoggenburger Gemeinden Mogelsberg und Ganterschwil, welche bisher in Flawil ihre rechtliche Heimat hatten.