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Ein Burnout kann auch Bauern treffen

Schwere Erkrankungen wegen zu viel Stress treffen auch Bauernfamilien. Wie Urs Brandenburger sein Burnout erlebt hat, erzählte er an der Januartagung des Bauernverbandes Appenzell Ausserrhoden.
Martin Brunner
Pietro Menghini, Bernadette und Urs Brandenburger sowie Ernst Graf sprechen über Burnout. (Bild: Martin Brunner)

Pietro Menghini, Bernadette und Urs Brandenburger sowie Ernst Graf sprechen über Burnout. (Bild: Martin Brunner)

«Eine Studie zeigt, dass die landwirtschaftliche Bevölkerung von Burnout überdurchschnittlich betroffen ist», sagte Urs Brandenburger. «Zwölf Prozent sind burnoutgefährdet. Im Schweizer Durchschnitt sind es 6,1 Prozent.» Gründe dafür sah er in der meist sehr hohen und mehrfachen Belastung in Beruf und Familie. Das war für den Bauernverband AR Grund genug, die diesjährige Januartagung in Gais diesem Thema zu widmen und Urs Brandenburger seine Geschichte erzählen zu lassen. Dieser sprach von der typischen Abwärtsspirale, die er 2009 hautnah erlebt hat.

«Ich merkte, dass die Überbelastung immer grösser wurde, der Druck immer mehr zunahm.»

«Doch ich arbeitete immer mehr, wollte noch besser werden und vernachlässigte meine eigenen Bedürfnisse.» Darauf reagierte sein Körper, wie dies meist der Fall ist. Zunehmende Rückenschmerzen und die Schlaflosigkeit stellten sich ein. «Ich brach zusammen, war zu nichts mehr fähig, ertrug keinen Fernseher und keinen Radio, konnte nicht lesen. Ich war einfach total erschöpft.» Drei Klinikaufenthalte folgten, unter anderem in Gais. Medikamente halfen nicht. Beim dritten Klinikaufenthalt im Tessin erlebt der Referent zwar eine enge Betreuung. Doch es war zu spät. Seine Suizidgedanken wurden bedrohlich und er wurde in die psychiatrische Klinik in Chur verlegt.

Burnout kann jeden treffen

Dass Urs Brandenburger bei den Bauern seine Erlebnisse erzählen konnte, hat er seiner Frau Bernadette sowie seinem Freund und Psychiater Pietro Menghini zu verdanken. «Er holte mich für ein gemeinsames Wochenende im Engadin aus der Klinik», erzählte Brandenburger. «Dort erlebte ich auf einer Wanderung, dass ich noch etwas leisten kann, Stück für Stück vorwärts kam. Was genau passiert ist, kann ich nicht sagen. Ich merkte einfach, dass ich nicht mehr neben mir selber stand.» Er verliess die Klinik und gab sich sechs Monate Zeit, bis er langsam seine Arbeit wieder aufnahm. Für Bernadette Brandenburger standen in dieser Zeit Vertrauen, ernst nehmen und auch loslassen im Vordergrund. Ihre Erlebnisse im Elternhaus und die Natur hätten ihr Kraft gegeben, sagte sie. Pietro Menghini betonte, wie wichtig in solchen Situationen reden sei. Man müsse sich und anderen eingestehen, dass etwas nicht stimme, Hilfe annehmen. «Psychische Erkrankungen wie ein Burnout können jeden treffen», sagte er. «Sie sind normal und gehören zu uns Menschen.»

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