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BURGLIND: Fliegender Container im Appenzellenzellerland

Das Sturmtief Burglind hat am Mittwoch gewütet: Stromausfälle, gesperrte Strassen und Schäden an Gebäuden wurden zu Hunderten gemeldet. Insgesamt kam die Region aber glimpflich davon. Für Spektakel sorgte der Sturm in Wasserauen, wie ein Leservideo zeigt.
Hier in der Nähe der Talstation der Ebenalp-Bahn in Wasserauen stand einmal der Container der Flugschule Appenzell. (Bild: pd)

Hier in der Nähe der Talstation der Ebenalp-Bahn in Wasserauen stand einmal der Container der Flugschule Appenzell. (Bild: pd)

Noemi Oesch/Mea Mc Ghee
redaktion@appenzellerzeitung.ch

Mit starken Böen ist der Sturm Burglind über das Appenzellerland gefegt. Auf dem Hohen Kasten wurden gemäss der Meteocentrale Windgeschwindigkeiten von 191 Stundenkilometern gemessen. Auf dem Kronberg gar deren 200. In Wasserauen blies der berüchtigte Laseyerwind mit bis zu 141 Stundenkilometern gar einen Baucontainer weg. Der Container der Flugschule Appenzell steht nun 50 Meter neben seinem üblichen Standort. Dieser war mit Stahlseilen an Betonplatten befestigt, welche im Boden verankert sind. Der Wind wehte so stark, dass die Halterungen gelöst wurden. «Im Container ist nun alles drunter und drüber», so Adrian Hunziker, Co-Geschäftsführer der Flugschule Appenzell. Doch sie seien mit einem blauen Auge davon gekommen. «Da keine Flugsaison ist, haben wir wenig bis keine Flugmaterialen im Container gelagert», erklärt Hunziker. Im Container seien Stühle, Sonnenschirme, Werbetafeln, Prospekte, Getränke und viele weitere Dinge gewesen. Der Schaden summiert sich dennoch. Hunziker schätz diesen auf bis zu 40000 Franken.

Für Hunziker begannen bereits gestern die Aufräumarbeiten. Die kommende Flugsaison sei vom Zwischenfall nicht betroffen. «Jetzt haben wir Zeit, Offerten für das erneute Verbauen des Containers, für die Innenverkleidung oder für einen Anstrich einzuholen. Ziel ist, dass vor der Saison wieder alles steht», sagt Hunziker.

Bahnersatz auf mehreren Strecken nötig

Auch die Appenzeller Bahnen (AB) kennen den Laseyerwind. Jeden Morgen entscheiden Mitarbeitende in der Betriebszentrale aufgrund der Messungen auf der Ebenalp, ob die Bahn auf der Strecke Wasserauen-Weissbad fahren kann, so Mediensprecherin Sabrina Huber. Aufgrund des Laseyerwindes verkehren dort an rund 20 Tagen im Jahr Bahnersatzbusse. So auch am Mittwoch und Donnerstag. Dies waren aber nicht die einzigen Ersatzbusse auf dem AB-Streckennetz. An der Haltestelle Rank auf der Linie St. Gallen-Trogen mass eine Windanlage um die 70 Kilometer pro Stunde, was den Zugverkehr stoppte. Auch fiel im Riethüsli ein Baum auf die Fahrleitung. Dies verunmöglichte die Weiterfahrt, sodass die Passagiere auf Ersatzbusse umsteigen mussten.

Bei der Notrufzentrale der Ausserrhoder Kantonspolizei gingen rund 50 Schadenmeldungen aus dem ganzen Kanton ein. Einige Strassen waren wegen umgestürzter Bäume vorübergehend nicht passierbar, seit Mittwochabend sind alle Sperrungen aufgehoben. «Das Gros der Meldungen kam um die Mittagszeit herein», sagt Anton Sonderegger von der Medienstelle. In 16 Fällen wurde die zuständige Feuerwehr aufgeboten. Die Kantonale Notrufzentrale sei während mehrerer Stunden personell verstärkt worden und es verkehrten mehr Patrouillen. Durch herumfliegende Gegenstände seien gefährliche Situationen entstanden, etwa in Grub, wo ein Trampolin aus einem Garten auf die Strasse geweht wurde und ein vorbeifahrendes Auto traf. Es sei niemand verletzt worden. Auch das Polizeikommando in Herisau wurde in Mitleidenschaft gezogen; Ziegel wurden vom Dach geweht und gefährdeten Passanten, sodass die Zufahrt gesperrt werden musste.

Man sei glimpflich davon gekommen, sagt Paul Broger von der Medienstelle derInnerrhoder Kantonspolizei. Die Göbsistrasse zwischen Haslen und Bühler musste wegen umgestürzter Bäume vorübergehend gesperrt werden.

Blackout wegen umgestürzter Bäume

In Appenzell Innerrhoden wurde die Stromversorgung teilweise unterbrochen, wie Hanspeter Koller, Betriebsleiter derEnergie- und Wasserversorgung Appenzell, mitteilt. Durch geknickte Bäume wurden die Mittelspannungsfreileitungen in den Gebieten Eugst-Lehmen, Eggerstanden-Bilchen und Meistersrüte-Mendle beschädigt. «Die Transformerstation Lehmen musste über ein Notstromaggregat versorgt werden», so Koller. Von Stromausfällen seien meist ländliche Gebiete betroffen gewesen, ist weiter zu erfahren. Das Gebiet Bilchen-Hoher Hirschberg war während fünf Stunden ohne Strom. Drei Stunden dauerte der Stromunterbruch bei Mendle, nachdem eine Freileitung durch herumfliegende Äste beschädigt worden war. «Alle Schäden entstanden zwischen 11.40 und 11.57 Uhr», sagt Koller. Von diesem Zeitpunkt an sei während etwas mehr als einer Stunde der Strom im Gebiet Obere Steinegg-Hirschberg-Eggerstanden ausgefallen. Weiter verursachte der Sturm in Enggenhütten Stromunterbrüche. Im Gebiet Wilderenbühl-Fresleren wurde eine Anschlussleitung zu einem unbewohnten Ferienhaus beschädigt. Die Reparatur könne erst in den nächsten Tagen erfolgen.

Auch das Netz der St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke AG war betroffen: Die Pikett-Teams konnten die beschädigten Freileitungen aber reparieren, sodass bis Mittwoch 18.30 Uhr alle betroffenen Haushalte wieder mit Strom versorgt waren.

Jürg Solèr, Direktor der Gebäudeversicherung Assekuranz, spricht von rund 100 Meldungen mit einer Schadenssumme von rund 200 000 Franken. Burglind richtete in ganz Ausserrhoden Schäden an Gebäuden an, insbesondere lösten sich Ziegel von Dächern. «Es sind vielerorts Dachdecker- und Spenglerarbeiten nötig», so Solèr.

Der Sturm tobte – Die Bergbahnen standen still: Die Betreiber sind vorsichtig mit einer Bilanz. Erst heute, wenn die Winde abflachen, werden die Betriebe erneut aufgenommen. «Erst dann können wir abschätzen, ob es auf dem Gipfel Schäden gegeben hat», so Bruno Vattioni, Geschäftsführer der Säntis-Schwebebahn. «Ich vermute, keine Schäden anzutreffen. Wir werden, wie an anderen Tagen, die Anlage vom Eis befreien, damit dort nichts kaputt geht». Beim Kronberg sieht die Situation ähnlich aus. «Ein Baum ist im Seilpark umgekippt, wie gross der Schaden ist, müssen wir eruieren», so Marc Bodenmann, Technischer Leiter der Kronbergbahn.

Der Container auf Wanderschaft. (Bild: Thomas Maurer)

Der Container auf Wanderschaft. (Bild: Thomas Maurer)

Wie in der Herisauer Sturzenegg knickte der Sturm Burglind am Mittwoch vielerorts Bäume. (Bild: Mea McGhee)

Wie in der Herisauer Sturzenegg knickte der Sturm Burglind am Mittwoch vielerorts Bäume. (Bild: Mea McGhee)

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