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Bütschwiler Grüsse an die Front

BÜTSCHWIL. Vor 75 Jahren schrieben Bütschwiler Schulkinder Briefe an Soldaten, die im Aktivdienst waren. Einer dieser Briefe wurde von Hanna Rauber-Schweizer im Nachlass ihres Vaters Arthur Schweizer gefunden. Die Finderin hat den Verfasser des Briefs kennengelernt.
Sabine Schmid
Der damals zehnjährige Walter Scherrer verzierte seinen Brief mit Tannenzweigen und Schweizerkreuzen. (Bild: pd)

Der damals zehnjährige Walter Scherrer verzierte seinen Brief mit Tannenzweigen und Schweizerkreuzen. (Bild: pd)

«Lieber unbekannter Soldat! Heute überraschte uns der Herr Lehrer mit einem Befehl unseres lb. Generals Guisan, wir sollen unsern lb. Soldaten einen Weihnachtsbrief senden. Das freute mich sehr. Auch wir hinter der Front gehorchen gerne unserem General; wir wollen alles tun für unser lb. Schweizerland.»

Mit diesem Worten beginnt ein Brief, den der damals zehnjährige Walter Scherrer im November 1939 verfasst hat. Der Knabe erzählt weiter von seiner Familie und vom Dorf Bütschwil. Viele aus der Gemeinde seien eingerückt, schreibt Walter Scherrer. Er schliesst den Brief mit einem Weihnachtswunsch: «Wir sollen gerne hoffen, dass Gott uns vom Kriege verschone.»

Vom Berg in den Krieg

Empfänger dieses Schreibens war ein Arthur Schweizer. Er absolvierte 1930 die Rekrutenschule bei der Feld-Artillerie in Frauenfeld. Später wurde er Offizier. In seinen «Militärischen Erinnerungen», die Arthur Schweizer niederschrieb, beschrieb er die Zeit, als der Zweite Weltkrieg ausgebrochen ist. «In der Bevölkerung griff Angst um sich, aber auch Widerstandswillen, da wir nicht auch noch <vereinnahmt> werden wollten.»

Arthur Schweizer war als Offizier auf Pikett gestellt, als die Mobilmachung der Armee vorbereitet wurde. Er musste sich alle zwei Tage beim Regiments-Kommandanten Oberst Birnstiel («von uns Vater genannt») melden. Bei einem solchen Anruf wurde Arthur Schweizer von einer Bergtour zurückgerufen und eingezogen. Im Winter 1939/40 leistete er im Glarnerland Dienst, wo sich die Truppe auf einen eventuellen Angriff der Deutschen vorbereitete. Dort hat ihn den Brief des Knaben aus Bütschwil erreicht.

Dankesbrief an Oberleutnant

Arthur Schweizer scheint dem jungen Walter Scherrer zurückgeschrieben zu haben. Am 5. Januar 1940 schreibt dieser einen weiteren Brief an den «Lieben Herrn Oberleutnant». Er bedankt sich für die grosse Überraschung. Weiter schreibt er: «Ich bemühe mich jetzt sehr, ein fleissiger Schüler zu werden, dass ich als Schweizer Soldat auch einmal so schöne Briefe schreiben kann wie Sie.» Walter Scherrer kam später ins Kollegium Schwyz, studierte an der ETH in Zürich und war lange Zeit bei der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur tätig.

Im Nachlass entdeckt

Arthur Schweizer hat die beiden Briefe aufbewahrt. Nach dem Tod wurden sie von seiner Tochter Hanna Rauber-Schweizer im Nachlass gefunden. «Dieser Brief hat mich sehr berührt, und ich rechnete nach, dass der Walter Scherrer aus Bütschwil damals, im Sommer 2004, etwa 75 Jahre alt sein und noch leben müsste.» Hanna Rauber-Schweizer machte sich auf die nicht einfache Suche nach dem Briefeschreiber. Nach einigen erfolglosen Versuchen vergingen Jahre, und kurz vor Weihnachten 2012 diskutierte sie mit Freunden den historischen Wandel in der Einstellung zum Militär ganz allgemein und auch persönlich. «Dabei erzählte ich vom Brief <Soldatenweihnacht 1939> und dass der Schreiber ein Viertklässler aus Bütschwil sei», erinnert sich Hanna Rauber-Schweizer.

«Zufällig stammte eine Verwandte meiner Freunde aus Bütschwil, und am nächsten Tag hielt sie die Adresse von Walter Scherrer, damals wohnhaft in Winterthur, in der Hand. Ich schickte ihm eine Kopie des Briefes und frage ihn, ob er der Bub sei, der den Brief geschrieben und mit Schweizer Kreuzen und Tannenästchen verziert hätte. Er antwortete mir mit einer Weihnachtskarte voller Freude über die unerwartete Überraschung», erzählt Hanna Rauber-Schweizer.

Erste und letzte Begegnung

Am Neujahrstag 2013 war sie bei Walter Scherrer zu Kaffee und Kuchen eingeladen. «Wir verbrachten einen langen Nachmittag mit angeregten Gesprächen über seine Erinnerungen an die Schulzeit in Bütschwil und an seine Familie. <Er sei nicht der dümmste Schüler gewesen>, meinte er», sagt Hanna Rauber-Schweizer. Leider sei dieses erste auch zugleich das letzte Treffen gewesen, denn Walter Scherrer ist rund zwei Wochen später gestorben. «Dass ich ihn kennenlernen durfte, hat mich sehr berührt», erinnert sie sich. Sie hat eine Kopie der Briefe aufbewahrt, das Original ist im Archiv für Zeitgeschichte an der ETH in Zürich abgelegt.

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