BÜTSCHWIL: Eine Schale voller Symbolik

Am Sonntagmittag wird das neue Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof Dorf in Bütschwil eingeweiht. Es besteht aus einer Schale, die bald von Kies und Rasen umgeben sein wird. Derzeit installiert der Künstler Stefan Kreier sein Werk aus Stahlblech.

Anina Rütsche
Drucken
Teilen
In Bütschwil auf dem Friedhof Dorf schweisst der Künstler Stefan Kreier die Schale zusammen, die aus acht Einzelteilen besteht. (Bilder: Anina Rütsche)

In Bütschwil auf dem Friedhof Dorf schweisst der Künstler Stefan Kreier die Schale zusammen, die aus acht Einzelteilen besteht. (Bilder: Anina Rütsche)

Anina Rütsche

anina.ruetsche@toggenburgmedien.ch

«Die gegen den Himmel ausgerichtete, flache Schale ist das Symbol für Aufnahme und für das Geöffnetsein gegenüber einer höheren Dimension.» So lautet die Beschreibung des neuen Bütschwiler Gemeinschaftsgrabs, die im März im Geschäftsbericht der politischen Gemeinde erschienen ist – besinnliche Worte in sachlichem Kontext. Weiter heisst es: «Die Schale nimmt die Namen der Verstorbenen auf und vereinigt sie in der Gemeinschaft. Das Versinken im Kiesplatz bedeutet das Zurückkehren in den Urgrund.»

Was damals eine Idee war, wird nun Wirklichkeit. Die Arbeiten auf dem Friedhof Dorf sind dieser Tage in vollem Gange. Am kommenden Sonntag, 26. November, wird das neue Gemeinschaftsgrab mit einer ökumenischen Segnungsfeier eingeweiht. Diese beginnt um 11.30 Uhr. Es wirken Pfarrer Anselm Leser und Pfarrer Josef Manser mit. Das Jodelchörli Bütschwil umrahmt den Anlass musikalisch.

Acht schwere Teile aus Stahlblech

Gestaltet hat das neue Gemeinschaftsgrab der Künstler Stefan Kreier, der in Wil geboren wurde und nun im thurgauischen Eschlikon daheim ist. Diese Woche baut er sein Werk im Alleingang auf dem Friedhof auf. «Die Schale besteht aus acht Teilen, die ich in der Werkstatt vorbereitet habe und nun zusammenschweisse», sagt Stefan Kreier. Er habe sich für die Verwendung von Stahlblech entschieden, da dieses Material äusserst robust sei. «Mir ist es wichtig, dass das Gemeinschaftsgrab zu einem Ort wird, der Bestand hat», sagt Stefan Kreier. Er rechnet damit, dass die insgesamt dreieinhalb Tonnen schwere Schale «50 Jahre bis vielleicht sogar 100 Jahre» an ihrem jetzigen Bestimmungsort bleiben kann. Das Bütschwiler Gemeinschaftsgrab wird einen Durchmesser von fast acht Metern aufweisen. Ein Teil der Schale liegt innerhalb einer Grünfläche, der andere ist vom Kiesplatz aus begehbar. Stefan Kreier sagt: «Hier in der Mitte können die Angehörigen die Verstorbenen besuchen.»

Zur Symbolik hinter seinem Werk hat sich Stefan Kreier in den vergangenen drei Monaten viele Gedanken gemacht. «Die Schale stellt die Öffnung des Menschen gegenüber dem Universum und einer anderen, höheren Macht dar», erklärt er. Das Konzept des Gemeinschaftsgrabs komme ihm übrigens entgegen, betont der Künstler: «Mir gefällt die Vorstellung, im Tod miteinander vereint zu sein.» Dass manche Leute seine neuste Arbeit als «riesige Satellitenschüssel» bezeichnen, stört den Künstler nicht, im Gegenteil: «Das bringt mich zum Schmunzeln.»

Wiese wird zum Ruheort der Urnen

Wie dem Mitteilungsblatt von Bütschwil-Ganterschwil zu entnehmen ist, wird die umliegende Wiese nach Fertigstellung der Installation als Ruheort der Urnen dienen: «Sie wird mit Frühjahrsblühern hervorgehoben und soll über den Sommer mit Margeriten und Wildstauden das Gemeinschaftsgrab schmücken.» Innerhalb der Schale, so der Bericht weiter, werden die Namen der Verstorbenen angebracht. Der Standort des Gemeinschaftsgrabs befindet sich in unmittelbarer Nähe der Aufbahrungshalle im Zentrum des Friedhofs Dorf. Das Grab steht gemäss Angaben von Gemeindepräsident Karl Brändle «als letzte Ruhestätte für Menschen jeglicher Konfessionen und Religionen zur Verfügung». Es soll auch, wie Brändle schreibt, «letzter Ruheort für Menschen ohne Konfessionszugehörigkeit» sein.

Arbeitsgruppe schaut auf intensive Zeit zurück

Die Gestaltung des neuen Bütschwiler Gemeinschaftsgrabs hat sich in Zusammenhang mit der Revision des Bestattungs- und Friedhofreglements und auf Anregung aus der Bevölkerung ergeben. An der diesjährigen Bürgerversammlung im März haben die Stimmberechtigten von Bütschwil-Ganterschwil dem entsprechenden Kredit zugestimmt. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der evangelischen und der katholischen Kirchgemeinde sowie der politischen Gemeinde, hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit diesem Thema befasst. Zusammen mit dem Wiler Planungsbüro Engeler Freiraumplanung AG hat sie schliesslich das Projekt entwickelt, dessen Ergebnis schon bald besichtigt werden kann.

Ökumenische Segnungsfeier des neuen Gemeinschaftsgrabs auf dem Friedhof Dorf in Bütschwil: Sonntag, 26. November, 11.30 Uhr.