Bürgerwehr: Ein Mann aus Gais und sein Hund verhindern Vandalismus

Um die Gemeinde Gais vor Vandalismus und Sachbeschädigung zu bewahren, ist René Betschart mit seiner Hündin Eika auf nächtlichen Kontrollgängen unterwegs. Mit Erfolg: Die Anzeigen gingen zurück.

Astrid Zysset
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René Betschart steht zu später Stunde mit seiner Hündin Eika am Bahnhof Gais. (Bild: asz)

René Betschart steht zu später Stunde mit seiner Hündin Eika am Bahnhof Gais. (Bild: asz)

Samstagnacht, kurz vor ein Uhr: René Betschart steht mit seiner fünfjährigen Schäferhündin Eika auf einem Perron des Bahnhofs Gais und wartet auf die Rückkehr der Olma-Besucherinnen und -Besucher. Erwartungsgemäss sind diese angetrunken, Betschart befürchtet, dass sie auf dem Nachhauseweg grölen und die Stimmung kippen könnte. «Darum bin ich hier. Notfalls ermahne ich sie zur Ruhe, oder schreite ein und sorge für Ordnung», sagt der 60-Jährige. Ein paar tadelnde Worte reichen meistens aus. Eskaliert sei die Situation noch nie. So auch an diesem Abend nicht. Ruhig verschwinden die mehrheitlich jüngeren Leute in den dunklen Gassen und in ihren Wohnungen.

Rund 40 nächtliche Kontrollgänge absolviert Betschart pro Jahr in Gais. Die Kantonspolizei ist jeweils informiert, wenn er unterwegs ist. «Ich bin aber kein Polizist!», betont Betschart. Über eine Bewilligung vom Kanton für polizeiähnliche Tätigkeiten verfüge er zwar, doch sieht er die Einsätze zu später Stunde mehr als seine Bürgerpflicht. Hauptberuflich arbeitet er im Sicherheitsdienst einer Grossfirma in Bischofszell. In der Freizeit trainiert er mit Eika für Sportprüfungen. Die Hündin ist immer an seiner Seite, er nennt sie gar «seine Lebensversicherung». «Für sie ist der Patrouillendienst etwas anderes als ein gewöhnlicher Spaziergang», sagt der Gaiser. Die Anspannung sei grösser. Wachsam behält sie immerzu ihr Umfeld im Blick.

Sprayer auf frischer Tat ertappt

Auf seinem Rundgang durchs Dorf werden alle gemeindeeigenen Gebäude kontrolliert. Mit der Taschenlampe überprüft Betschart, ob alle Fenster geschlossen sind, rüttelt an Türen, um sicherzugehen, dass auch wirklich kein Eindringen möglich ist. Personen, die sich in der Nähe aufhalten, werden zur Ruhe ermahnt oder gar weggewiesen, Nummern von Fahrzeugen, die verdächtig erscheinen, sicherheitshalber notiert. Und gerne hält Betschart sich auch mal bei der Tankstelle auf, wartet, bis das dortige Personal Feierabend hat. «Für dieses ist es doch sicherer, wenn noch jemand da ist, der aufpasst.» Mit dem Auto kontrolliert er am Schluss noch die Feuerstellen auf dem Gäbris, überprüft die etwas abgelegeneren Quartiere beim Stoss und im Zwislen.

Entdeckt hatte er schon vieles: Sprayer hatte er auf frischer Tat ertappt, oder aus der Verankerung gerissene Strassenpfähle und Schachtdeckel, die auf dem Stoss auf die Strasse geworfen wurden. «Was wäre passiert, wenn ich das nicht gesehen und ein Autofahrer die Situation zu spät erkannt hätte?», fragt sich Betschart und schüttelt den Kopf. Den Leichtsinn mancher Täter kann er nicht nachvollziehen. Nach jedem Vorkommnis schreibt Betschart einen Rapport und übergibt ihn der Gemeinde.

Anzeigen gingen zurück

Begonnen hatte alles Anfang 2012. Vorfälle im Zusammenhang mit jugendlichem Leichtsinn sorgten damals für Empörung in der Gemeinde. Betschart erinnert sich noch gut an einen Vorfall, an welchem Scherben von zerbrochenen Bierflaschen im Sandkasten des Kindergartens versteckt wurden. Aber auch die Fotovoltaikanlage beim Oberstufenzentrum wurde zerstört, Scheiben an Wohnhäusern eingeschlagen. An der Gemeindeversammlung anerbot Betschart sich, nächtliche Kontrollgänge durchzuführen.

Der Gemeinderat ging darauf ein. Denn: Einen Plan B gab es damals nicht. Das Angebot der Securitas erschien zu teuer. Wie viel an Betschart überwiesen wird, möchte Gemeinderat Beat Signer, Ressort Soziales und Sicherheit, nicht verraten. Er spricht lediglich von einem «Spezialpreis». Zwischen Fronarbeit und kleinem Entgelt bewege sich dieser. Betschart selbst bestätigt, dass man von dem Entgelt nicht leben kann. Aber er mache seine Patrouillengänge trotzdem gerne. Und der Nutzen ist gross. 2012 seien noch viele Anzeigen wegen Vandalismus und Sachbeschädigungen eingegangen. Nach dem Beginn der Kontrollgänge gingen diese zurück.

Heute ist es in Gais in der Nacht ruhig. Sehr ruhig sogar. Der letzte Vorfall – in den WC-Anlagen beim Roten Platz wurde randaliert – liegt fünf Monate zurück. «Die Jugendlichen sind mittlerweile älter und vielleicht vernünftiger geworden», mutmasst Betschart über die Gründe für den Kriminalitätsrückgang. Die Gemeinde ist sich sicher, dass es auch mit der Präsenz Betscharts oder dessen Stellvertretung Fritz Locher zusammenhängt. Sie will an den Kontrollgängen festhalten.