Bürgerliche Allianzen sind fast nicht zu knacken

TEUFEN/SPEICHER.

Margrith Widmer
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TEUFEN/SPEICHER. Die bürgerlichen Allianzen von FDP, SVP und Gewerbe haben bei den Gesamterneuerungswahlen in Teufen und Speicher am Sonntag nahezu Totalerfolge gefeiert: «Die Liberalen in Teufen, das ist eine Burg, die wir nicht einnehmen können», sagte eine enttäuschte Teufner SP-Präsidentin Beatrice Weiler am Montag. Sie hatte sich reelle Chancen für die Wahl in den neunköpfigen Gemeinderat ausgerechnet – und landete abgeschlagen auf dem letzten Platz. 365 Stimmen entfielen auf Vereinzelte.

«Animal politique» chancenlos

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Speicher: In der zu Ende gehenden Legislatur war die SP in der vierköpfigen Kantonsratsdelegation mit zwei Mitgliedern (dem verstorbenen Ivo Müller und der wiedergewählten Judith Egger) vertreten. Sie konnte wieder mit zwei Mandaten rechnen, zumal Speicher einen Sitz dazu gewann und sie mit dem jungen René Mettler ein «animal politique» ins Rennen schickte. Doch die bürgerliche Liaison von FDP, SVP und Handwerker- und Gewerbeverein (HGV) fuhr vorne rein: Mit dem Bisherigen Jean-Claude-Kleiner, Daniel Bühler (neu) und Roland Fischer (neu) – alle FDP.

«Herreneffekt»

Dazu kam, dass die FDP Speicher versicherte, ihr Trio werde sich in Herisau für den Schulstandort Speicher und generell «für die Gemeinde» einsetzen. Offenbar toleriert die gutbetuchte Schicht nicht lange zwei Sozialdemokraten im Parlament. Insofern handelt es sich bei den Majorzwahlen in Ausserrhoden eben doch nicht um Persönlichkeitswahlen, wie oft behauptet wird, sondern um Parteiwahlen. Diesmal fand ein «Herreneffekt» statt. In der inzwischen siebenköpfigen Teufner Kantonsratsdelegation sitzt kein einziger Linker. Die SP strebte auch gar kein Mandat an. Hingegen wurde ein «Oppositioneller» komfortabel gewählt: Urs Alder. Er hatte sich gegen die Doppelspur eingesetzt, erfolglos zwar, aber dies erhöhte seinen Bekanntheitsgrad.

Dreifach abgestraft

Der Teufner Gemeindepräsident Walter Grob wurde gleich dreifach abgestraft: Als Gemeinderat verbuchte er das schlechteste Resultat (1191 Stimmen); als Gemeindepräsident erhielt er noch weniger, nämlich gerade 1036. Und 358 Stimmen entfielen auf Vereinzelte. Da die Opposition keinen Gegenkandidaten aufstellte, übertraf er das absolute Mehr locker. Der Gewerbeverein und die SVP hatten Walter Grob das Vertrauen entzogen. Auch Gemeinderat Martin Ruff, der als Kantonsrat nicht gewählt wurde, stand im Gegenwind. Grund dürfte eine seit über einem Jahr andauernde Entschädigungsaffäre sein

«Führungsschwäche»

Walter Grob wurde im Zusammenhang mit dem Entschädigungs-Gate «Führungsschwäche» vorgeworfen. Erst Ende März geruhten die übrigen Gemeinderäte, ihren Rückzahlungswillen zu bekunden. Die beanstandeten Punkte seien nun «weitgehend» korrigiert, fand die GPK und zog die Beschwerde zurück. Was bleibt, ist die Forderung nach einem vom Volk bewilligten Entschädigungsreglement. Walter Grob war nicht betroffen; er bezieht als einziger einen fixen Lohn.

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