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Höhepunkt auf Höhepunkt: Nach dem Auftritt am OpenAir St. Gallen freut sich das Pullup Orchestra bereits auf das Kulturfestival. Doch zuerst wartet noch die Strasse.

Peter Brühwiler
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«Definitiv ein Höhepunkt»: Das Pullup Orchestra auf der Sitterbühne am OpenAir St. Gallen. (Bild: Urs Jaudas)

«Definitiv ein Höhepunkt»: Das Pullup Orchestra auf der Sitterbühne am OpenAir St. Gallen. (Bild: Urs Jaudas)

Entscheidend beim Pullup Orchestra ist nicht, wer sein Instrument am besten beherrscht. Entscheidend ist, wer den besten Schlafsack hat. Diese mit einem Augenzwinkern vorgetragene Äusserung des Band-Frontmanns Samuel Labhart ist auf dem Videoportal YouTube zu sehen. Dass sie ihre Instrumente – Trompeten, Posaune, Tuba, Saxophon und Perkussion – trotzdem beherrschen, zeigten die Band-Mitglieder am Samstagmittag auf der Sitterbühne.

Kulturfestival: Ein Höhepunkt

Nach dem Besuch in der Grabenhalle vom März war der Auftritt am OpenAir bereits der zweite in diesem Jahr in St. Gallen. Am Kulturfestival wird die zehnköpfige Ostschweizer Truppe die Gallusstadt noch ein drittes Mal mit ihrer Kombination von Brassband-Sound und Hip-Hop – und der Premiere eines neuen Stücks – beehren. «Das Konzert im Sittertobel war natürlich ein Höhepunkt», sagt der Trompeter und Bandleader Philipp Labhart. Ebenso gross sei aber die Vorfreude auf das Kulturfestival.

Die Organisatoren der Konzerte im Innenhof des Historischen und Völkerkundemuseums hätten einen sehr guten Geschmack, konstatiert der 28-Jährige – «was jetzt nicht eingebildet tönen soll, weil sie uns gebucht haben».

Etwas Bescheidenheit. Und dann ein Versprechen: «Am Kulturfestival werden wir noch energiegeladener auf die Bühne kommen als im Sittertobel.» Der Grund: Im Museums-Innenhof spielen die Musiker am 24.

Juli ihr letztes Konzert einer 10-Tages-Tournée, die sie mit dem Band-Bus und den eingangs erwähnten Schlafsäcken über Montreux, Estavayer-le-Lac und Avignon an ein Strassenfestival im französischem Chalon führt. «Wenn wir von der Strasse auf die Bühne kommen, ist die Intensität jeweils grösser», sagt Labhart. Es sei «das miteinander der Strasse ausgesetzt sein», das für die Band so wertvoll sei.

Breakdancer oder Zugposaune

«Wenn wir keine Strassenkonzerte gäben, wären wir nur halb so gut», ist der Band-Gründer überzeugt. Wichtig sind ihm auch die «überraschenden Elemente», die auf einer Bühne fehlen. So gesellte sich einmal spontan ein Gitarrist zum Pullup Orchestra. Ein anderes Mal wurde die Strasse in Avignon, auf der die Band spielte, zur Bühne für Breakdancer. Solche auf eine richtige Konzertbühne mitzunehmen, hat sich das Pullup Orchestra auch schon überlegt.

«Aber wenn wir die Band vergrössern würden, wären uns eine zweite Zugposaune oder Background-Sängerinnen wichtiger», sagt Labhart. Derzeit sei ein Ausbau jedoch nicht realistisch. Einerseits aus organisatorischen Gründen, denn bereits mit zehn Leuten ist es nicht einfach, Konzerttermine festzulegen. Andererseits auch aus finanziellen, denn schon die Spesenrechnung für die jetzige Band kann nicht jeder Konzert-Veranstalter bezahlen.

Den Organisatoren des Kulturfestivals stellt sich dieses Problem nicht. Die Musiker übernachten nach dem Konzert zu Hause. Oder bei Freunden – gute Schlafsäcke haben sie ja bereits.

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