BÜHLER: Wenn Liebe unter die Haut geht

Das Appenzellerland hat Fotograf Simon Kaufmann bereits tausendfach abgelichtet. Nun hat er sich ein Tattoo mit einem heimatlichen Motiv stechen lassen.

Karin Erni
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Mit dem Alpfahrt-Tattoo demonstriert Simon Kaufmann seine Liebe zum Appenzellerland. (Bild: Karin Erni)

Mit dem Alpfahrt-Tattoo demonstriert Simon Kaufmann seine Liebe zum Appenzellerland. (Bild: Karin Erni)

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

«Nicht besonders cool» fand Simon Kaufmann früher Tätowierungen. Das änderte sich, als er während einer beruflichen Weiterbildung eine Kollegin kennen lernte, die über und über tätowiert war. «Auch wenn das so für mich nicht in Frage kam, fand ich einige Motive sehr faszinierend.»

Er wollte etwas, das mit Kühen und Alpen zu tun hat. Doch der Entwurf, den ein St. Galler Tätowierer anfertigte, entsprach nicht seinen Vorstellungen. Also vergass er das Thema, bis er von seiner Frau zu Weihnachten einen Gutschein von «Simon Tattoo» in Teufen erhielt. Bei einem ersten Gespräch zeigte sich, dass die Chemie zwischen ihm und dem Tätowierer stimmte. Somit stand dem Unterfangen nichts mehr im Weg. Als Motiv sei nur etwas ­typisch Appenzellisches in Frage gekommen, sagt Kaufmann. «Die besten Momente meines Lebens sind alle im Appenzellerland passiert. Hier habe ich meine Frau kennen gelernt, und wir haben seit kurzem eine gemeinsame Tochter.» Die junge Familie lebt in einer Loftwohnung in der Fa­brik am Rotbach in Bühler.

Zum Alpstein und zum Senntum hatte der 35-Jährige schon als Kind eine besondere Be­ziehung. Der Vater war Schuhmacher in Ebnat-Kappel. Die Sennen hätten ihnen die Schuhe zur Reparatur anvertraut. Er habe den Vater jeweils begleiten dürfen, als er die Schuhe auf die Alp gebracht habe. So seien viele Freundschaften entstanden. «Als Kind habe ich meine Sommerferien oft auf der Alp verbracht, das hat mir immer gefallen», erinnert er sich. Als Motiv für sein Tattoo entschied er sich daher für eine Alpfahrt. Der Tätowierer fertigte einen Entwurf in der Art eines Scherenschnitts an. Bereut hat Kaufmann die Tätowierung noch keine Sekunde. «Die Reaktionen sind durchwegs positiv.»

Im Appenzellerland sind auch viele seiner Fotos entstanden. Simon Kaufmann ist Autodidakt. Erste Versuche stellte er mit einer Kompaktkamera an und merkte, dass er das Auge für die Motive hat. Die nötige Technik eignete er sich selbst durch das Studium von Magazinen und Youtube-Filmen an. Parallel dazu verbesserte sich das Equipment. Mit der Vollformatkamera, die er von einem Profifotografen kaufen konnte, bekam er die Möglichkeit, bei schwachen Lichtverhältnissen zu fotografieren, wie es für die Sternenfotografie nötig ist. Diese Technik hat er laufend verbessert und verfeinert. In Zusammenarbeit mit Foto Lautenschlager in St. Gallen führt er regelmässig Kurse auf dem Hohen Kasten und anderen Berggipfeln durch.

Lieber Hobby- als Berufsfotograf

Seine Diashow «Alpstein-Impressionen 365/24» hat er schon an verschiedenen Orten im Appenzellerland gezeigt, seine Bilder sind fast permanent im «Bären» in Hundwil ausgestellt. Trotzdem will Simon Kaufmann Hobbyfotograf bleiben. «Vielleicht könnte ich von der Fotografie leben, aber dann müsste ich Sachen machen, die mir weniger Spass bereiten», ist er überzeugt. Der gelernte Zoofachverkäufer absolvierte die Ausbildung zum Sozialpädagogen. Heute arbeitet er in einem 80-Prozent-Pensum beim Verein Förderraum in St. Gallen, der Menschen mit Beeinträchtigung unterstützt. Der Job mit unregelmässigen Arbeitszeiten lasse ihm Spielraum für Fotoprojekte. Oft ist er mehrere Tage in den Bergen unterwegs. Neben dem Studium des Wetterberichts brauche es auch etwas Glück, sagt Kaufmann. «Gute Fotos entstehen meist bei Wetterumschwüngen. Vor einer Gewitterfront oder wenn das Wetter nach einem Sturm wieder aufklart.» Schon viele Tage und Nächte hat er auf Berggipfeln ausgeharrt und auf den perfekten Moment für das perfekte Bild gewartet. Manchmal auch vergeblich. «Die Arbeit, die hinter einem Bild steckt, sehen die Leute nicht.»

Mehr Infos über Simon Kaufmann: www.brennweite18881.ch