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BÜHLER: Der alltägliche Aufstand

Zum 100-Jahr-Jubiläum des Landesstreiks nehmen sich die Laiendarsteller des Theaters Varain des Themas Zivilcourage an. Wie in vergangenen Projekten dient erneut ein spezieller Ort als Bühne.
Simon Roth
Die Darsteller der neuen Produktion des Theaters Varain «Sand im Getriebe» posieren für ein Gruppenfoto. (Bild: PD)

Die Darsteller der neuen Produktion des Theaters Varain «Sand im Getriebe» posieren für ein Gruppenfoto. (Bild: PD)

Simon Roth

simon.roth@appenzellerzeitung.ch

Die ganze Schweiz schaut dieses Jahr nach Olten. Dort finden im Sommer die Jubiläumsfestspiele zum Landesstreik 1918 statt. Mittendrin ist auch eine Theaterdelegation aus dem Appenzellerland. Laienschauspieler des Theaters Varain reisen in das Epizentrum jenes Aufstandes, dem sich vor 100 Jahren 250000 Arbeiter anschlossen. Der Landesstreik führte zu wichtigen politischen Reformen in der Schweiz. Dieser Protest war Stein des Anstosses zum Aufbau von Sozialwerken und lancierte die Diskussion über das Frauenstimmrecht.

Die beiden Appenzeller Halbkantone sucht man unter den damaligen Beteiligten jedoch vergeblich, sagt Marianne Gugger Neff. «Ausser zwei Persönlichkeiten aus dem Appenzellerland war aus unserer Gegend niemand beteiligt», sagt die Präsidentin des Theaters Varain. Und auch in dessen Ensemble finden sich wenige, die mit dem Thema jemals in Berührung gekommen sind. «Viele haben nie aktiv an einem Streik teilgenommen.» Und so kam den Laien um Autor Paul Steinmann und Regisseurin Katja Langenbach die Idee, sich mit dem Thema Zivilcourage auseinanderzusetzen.

Drehbuch existiert noch nicht

Für viele seien grundlegende Rechte wie das Frauenstimmrecht, geregelte Arbeitszeiten sowie ausgebaute Sozialwerke heute selbstverständlich. «Unsere Mütter und Grossmütter haben für diese Rechte gekämpft», sagt Gugger Neff. Im neuen Theaterstück mit dem Arbeitstitel «Sand im Getriebe» gehe es deshalb darum, an diese Errungenschaften zu erinnern und aufzuzeigen, dass es sich lohnt, für sie einzustehen. Bereits laufen die ersten Proben. Premiere wird am 24. Oktober gefeiert werden. Ein fixes Drehbuch existiert noch nicht. «Anders als etwa bei einer Turnunterhaltung spielen wir nicht nach einem festgelegten Drehbuch», sagt Gugger Neff. Gemeinsam mit den Schauspielern sucht die Regisseurin Katja Langenbach nach Themen und Konstellationen und Autor Paul Steinmann schreibt diese in Szenen nieder, die dann am Ende auf der Bühne zu sehen sein werden. Am Anfang werde viel improvisiert. Erst allmählich kristallisiere sich die Geschichte heraus. Denn neben der Teilnahme an den Festspielen in Olten, wo nur ein Häppli gezeigt werden kann, soll im Herbst in der Heimat eine grosse Theaterproduktion aufgeführt werden.

Industriehalle dient als Bühne

Wie bereits in vergangenen Projekten darf der Aufführungsort kein gewöhnlicher sein; Das musikalische Spiel «Der dreizehnte Ort» über den 500. Jahrestag der Aufnahme in die Eidgenossenschaft der beiden Appenzell spielte auf dem ehemaligen Landsgemeindeplatz in Hundwil. «Checkpoint Säntis» stellte die Frage, wem der Säntis gehört, und spielte im alten Berghotel Schwägalp, das Tage nach der Aufführung abgebrochen wurde.

Die Suche nach einem passenden Ort gestaltete sich dieses Jahr schwierig, schliesslich wurde aber eine geeignete Umgebung gefunden: Der Getränkehersteller Goba stellt dem Theaterverein in Bühler einen Teil der Lagerhalle zur Verfügung. Ob es erneut zu einem bewegten Theater kommt, bei dem das Publikum von Schauplatz zu Schauplatz wandert, wie bei «Checkpoint Säntis», ist noch offen. Sicher ist aber, dass das Ensemble eine spezielle Theatersituation herzustellen versucht. Es soll ein aktives Theatererlebnis geboten werden. Das Publikum wird mittels Fragestellungen rund um das Thema Zivilcourage zum Denken angeregt. Die Schauspieler bringen zudem eigene Wertehaltungen in das Projekt ein und hauchen ihm so Persönlichkeit ein. Aber: «Jemand muss den Bösewicht spielen», sagt Gugger Neff. Um Spannung zu erzeugen, brauche es Reibung. Daran fehlt es bei diesem Thema bestimmt nicht.

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