Bügel für das Trikot liegt bereit

Der Heidler Noah Blöchlinger gehört an der Mountainbike-WM im norwegischen Hafjell zu den Aussenseitern. Ein einstelliger Platz käme für den technisch starken Appenzeller einem Erfolg gleich. Sein Ziel ist ein Profivertrag bei einem Biketeam.

Urs Huwyler
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BIKESPORT. Gelegentliche Freizeit-Kicker kennen das Gefühl: An einem Grümpeli oder Dorfturnier treten die Gegner topmodisch einheitlich gekleidet auf, strahlen dadurch (psychologisch) Stärke aus. Die eigene, ziemlich individuell gedresste Mannschaft erweckt vergleichsweise den Eindruck einer kaum ernst genommenen «Grümpel»-Gruppe. Etwa so, «halt wie eine Wurst», sei er sich international anfangs vorgekommen, erzählt der 18jährige Noah Blöchlinger (Heiden) beim Blick zurück. Umso wohltuender seien Klassierungen inmitten der favorisierten Alterskollegen gewesen. «Inzwischen kennen sie mich», kann er zufrieden feststellen.

Auf der Lenzerheide klassierten sich unter den Top 12 Fahrer aus sechs Nationen. Noah Blöchlinger gelang mit Rang vier als einzigem Schweizer ein Exploit inmitten der WM-Favoriten. Zuvor fuhr der nicht für die EM selektioniert gewesene Appenzeller («Das hat mich länger beschäftigt») beim Weltcup in Albstadt als zweitbester Schweizer auf Rang 30. Dies waren Höhepunkte im Aufstieg des angehenden Kochs, der auch sportlich nicht mehr nur Schnitzel und Pommes frites serviert, sondern sich an Gourmet-Menus wagt. Einzig an der Schweizer Meisterschaft (5.) gelang lediglich die Vorspeise. Der Rest war versalzen.

Ideales Umfeld

In Norwegen soll für den Aufsteiger des Jahres das Dessert folgen. Aber bitte mit Sahne. «Für mich wäre eine Top- 10-Plazierung ein Erfolg. Favoriten sind andere. Ich werde vom Start weg versuchen, den Kontakt zum Dänen Simon Andreassen oder Luca Schwarzbauer aus Deutschland zu halten. Eine andere Taktik gibt es nicht», weiss Noah Blöchlinger, dass es an der WM nur «Top oder Flop» gibt. Sollte der Sohn einer Leichtathletin und eines Fussballers auf den olympischen Skipisten von Lillehammer für eine Sensation sorgen, geriete er nicht in Panik. «Der Kleiderbügel für das Regenbogen-Trikot liegt bereit», fügt er lachend an.

Wie auch immer der Auftritt an der WM ausfällt, der Leistungsschub beim langjährigen Regionalfahrer überrascht. Einst hatte ihn der Vater ans Rennen nach Thal mitgenommen, nun vertritt er die Schweiz. «Mein Glück war der Wechsel ins Bischibike-Team und die Betreuung durch Coach Tobias Hollenstein. Er kennt die Szene, arbeitet als Physio bei der Orthopädie St. Gallen und betreut die Leistungsdiagnostik. Zuvor habe ich nie Kraft trainiert, jetzt gehört dies dazu», lobt der Senkrechtstarter sein kollegiales Umfeld. Bezeichnend, dass auch Sponsor Marcel Kuratli Metallbau dem Bike-Team angehört.

Die Ausbildung im Hotel Heiden liefert dem ehrgeizigen Biker auch das Hintergrundwissen über die richtige Ernährung. «Alles passt zusammen», kann Noah Blöchlinger eine positive Zwischenbilanz ziehen. Wobei die WM einen weiteren Hinweis liefern dürfte, in welche Richtung es nächsten Sommer nach der Lehrabschlussprüfung sport- beruflich gehen soll. 100 Prozent als Koch zu arbeiten und gleichzeitig an der Weltspitze mitfahren zu wollen, wird gegen die Profis kaum gelingen.

BMC und Ralph Näf

Das grosse Ziel bleibt für den Zufallsbiker ein Profivertrag. Möglichst bei BMC. Dort fährt der Olympia-Sechste und zweifache Weltmeister Ralph Näf (Happerswil), der wie Jolanda Neff (Thal) und Tobias Hollenstein (Rorschach) dem Bazenheider Micarna Goodwill Team angehört und sich während und nach der Maurerlehre ohne die Unterstützung des Verbandes ebenfalls selbst nach oben gekämpft hat. Weil die Eltern lange auf ein Auto verzichteten, waren die Blöchlingers mit dem Velo unterwegs.

An der WM gehören der BMC-ler und Bischibiker nach einzelnen gemeinsamen Trainings der gleichen Delegation an. «Wenn Noah einen Rat oder Tip braucht, kann er nicht nur in Norwegen jederzeit zu mir kommen», betont Näf, der seine Knie- oder Schulterprobleme von Physiotherapeut Tobias Hollenstein behandeln lässt. So schliesst sich der Kreis, und Noah Blöchlinger verfügt indirekt bereits über ein eigenes Betreuerteam.

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