BUCHVORSTELLUNG
Neues Buch von Markus Will aus Wienacht: Eine Journalistin im Sumpf von Geldwäsche, Sexrobotern und Bitcoins

Markus Will aus Wienacht legt mit «Die Dark Bankerin» sein mittlerweile viertes Buch vor. Die Handlung musste in ihm erst reifen. Dafür begleitet ihn die Hauptfigur schon seit Jahren.

Astrid Zysset
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Autor Markus Will hat an dem Tisch Platz genommen, an welchem ihm 2018 die Idee zur «Dark Bankerin» kam.

Autor Markus Will hat an dem Tisch Platz genommen, an welchem ihm 2018 die Idee zur «Dark Bankerin» kam.

Bild: Astrid Zysset

An den 1. August 2018 erinnert sich Markus Will aus Wienacht noch genau. Es war der Tag, an dem er die Handlung für sein mittlerweile viertes Buch «Die Dark Bankerin» zusammen hatte. Er zückt ein Foto, das er an jenem Tag im Garten seines alten Appenzellerhauses im Weiler Tobel schoss: Auf diesem ist zu sehen, wie Bleistift und Blätter auf dem Gartentisch liegen. «Ich arbeite beim Konzept noch ganz ‹old school›», sagt Will und lächelt. Will heissen: Seine Ideen schreibt er nicht etwa am Laptop nieder, sondern bringt sie handgeschrieben zu Papier. Und an diesem 1. August passten alle Puzzleteile, wie der 57-Jährige es formuliert, zusammen: Das Konzept für seinen neuesten Wirtschaftsthriller stand fest.

Dieses Mal geht es um die digitale Währung, um Bitcoins. Die fiktive Geschichte handelt von der Londoner Journalistin Carla Bell und ihrer Widersacherin Iris Hubot, die das Fintech «Alt- & Bitcoin Technology» gegründet hat. Mit diesem revolutioniert Hubot allerdings nicht nur den Euro-Coin-Markt, sondern entwickelt auch ein System der digitalen Geldwäsche für die italienische Mafia. Und was Carla Bell erst spät herausfinden sollte: Iris Hubot ist nicht etwa ein Mensch, sondern ein humanoider Roboter.

Vor allem jene letzte Wendung musste in Will erst reifen. Dass er über Bitcoins schreiben wollte, war ihm schnell klar. Und auch Carla Bell war als Hauptfigur gesetzt, tauchte sie doch 2010 bereits in einem seiner Bücher auf. «Sie ist mir ans Herz gewachsen», sagt der Autor. «In ihr steckt auch etwas von mir. So könnten die Kommentare, welche sie verfasst, fast 1:1 von mir stammen.» Doch der Einfall mit den Robotern kam Will erst spät. Das Böse in der «Dark Bankerin» kristallisierte sich erst heraus, nachdem Markus Will in einem Magazin eine Reportage über menschenähnliche Sexroboter in Asien las. «Da war für mich klar, ich nehme einen künstlichen Menschen, Sex inklusive.» Nicht aber einen abgestumpften, sondern einen reflektierten. So liest Iris Hubot regelmässig Frauenzeitschriften, um ihr Verhalten zu perfektionieren.

Komplexe Themen unterhaltsam erklären

Markus Will möchte mit seinen Büchern vor allem eines: unterhalten. «Ich bin kein literarischer Künstler, eher ein Handwerker. Aber das Einzige, was ich jedoch wirklich gut kann, ist Schreiben», so der Autor über sich selbst. Gemeint ist damit, dass er es schaffe, Spannung und eine verständliche Sprache zu Papier zu bringen. Zudem möchte Will komplexe Themen den Lesern näherbringen. Der 57-Jährige ist der Überzeugung, dass es eines Tages so weit sein wird, dass der Kühlschrank eigenständig das Menu bestellt, das es für die geladenen Gäste braucht, welche im Kalender vorgemerkt sind. Bezahlt würde diese Bestellung dann mit Bitcoins. «Entscheidend ist die Frage, wer das digitale Geld in Umlauf bringt. Sind es Private? Oder die Zentralbanken?» Geschrieben wurde die Dark Bankerin 2018 respektive rund um den 10. Jahrestag der Finanzkrise. Will:

«Was ich hier in meinem Buch darlege, ist das digitale Bad Banking der Zukunft.»

Erstlingswerk wurde zum Bestseller

Der Lutzenberger greift in seinen Thrillern verschiedene Wirtschaftsthemen auf. «Der Schwur von Piräus» macht die Eurokrise zum Thema, die «Stunde des Adlers» skizziert die Wiedereinführung der D-Mark, und sein Erstlingswerk «Bad Banker» handelt von der Finanzkrise. Veröffentlicht hatte er dieses 2010. Mit 15'000 verkauften Exemplaren wurde es zum Bestseller. Ein Erfolg, mit welchem Will nicht gerechnet hatte. Denn sein Weg zum Autor war dann doch eher durch einen spontanen Einfall bestimmt. Angefangen hatte alles in den Ferien in Brasilien 2008. Beim morgendlichen Kaffee erzählte Will Freunden Anekdoten aus seiner Zeit im Investmentbanking. Der Rat der Freunde, er solle die Geschichten aufschreiben, beherzigte Will und legte nur zwei Jahre später seinen 750-Seiten-Erstling vor.

Vor 23 Jahren in die Schweiz gekommen

Seit damals wurde das Schreiben zu seinem «extended Hobby», wie Will sagt. Regelmässig zieht er sich in die Schreibstube in seinem Haus in Wienacht zurück und haut in die Tasten. Kein Neuland für ihn. Will war bis zu seinem 35. Lebensjahr als Journalist tätig, bevor ihn sein beruflicher Weg über ein Volkswirtschaftsstudium zu verschiedenen Anstellungen bis hin zu einer Stelle als Privatdozent an der HSG führte. Zusätzlich gründete er vor 23 Jahren, als er von London in die Schweiz übersiedelte, zusammen mit seiner Frau die Kommunikationsagentur «Goodwill Communications».

Hauptfigur bekommt eigene Serie

«Ich könnte mir vorstellen, künftig noch häufiger zu schreiben», sinniert Will. Ihm gefällt es. Und die Geschichten folgen Schlag auf Schlag. Für Sommer 2022 ist sein nächstes Buch «Carla Bell und das vergiftete Angebot» geplant. Dieses wird von Corona handeln, und wie der Titel schon sagt, von Carla Bell. «Sie ist eine tolle Figur geworden. 2010 war sie noch eine junge Journalistin. Mittlerweile ist sie eine gestandene Chefredaktorin und durch Liebe, Lust und Leidenschaft zur differenzierten Persönlichkeit gereift.» Darum startet Will eine dreiteilige Reihe mit ihr. Im Gegensatz zu vielen anderen Figuren in seinem Buch hat Carla Bell keinen Bezug zu einer realen Person in Wills Umfeld. «Keine Ahnung, wie ich auf sie gekommen bin», so der Autor. Wohin sie sich entwickeln wird, weiss er ebenfalls noch nicht. «Ich lasse sie jetzt einfach mal laufen.»

«Die Dark Bankerin» verlegt Will selbst über Amazon als E-Book und über Epubli.de als Print-on-Demand. Das Taschenbuch ist zudem im stationären Buchhandel erhältlich. Am 11. Juli findet um 15 Uhr in der Mitte des Weilers Tobel in Wienacht übrigens die erste Lesung statt (bei gutem Wetter).