BUCHPRÄSENTATION: «Christelehr ond Wääche»

Dieser Tage wurde im «Säntis» in Oberegg das neue Buch von Max Sonderegger vorgestellt. Seine Kindheitserinnerungen geben Einblick in das einfache Leben, wie es in der Epoche rund um den Zweiten Weltkrieg das Vorderland prägte.

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Der Autor Max Sonderegger signiert sein Buch «Christelehr ond Wääche». (Bild: Rolf Rechsteiner)

Der Autor Max Sonderegger signiert sein Buch «Christelehr ond Wääche». (Bild: Rolf Rechsteiner)

Max Sonderegger, Sohn einer einfachen Oberegger Weberfamilie und Heimkehrer am Ende seiner beruflichen Karriere, hat schon mehrere historische Schriften zu seiner engeren Heimat verfasst. Dieses Buch blickt nun zurück auf die Jahre 1931–1952, eine Zeit des Mangels also mit Kriegsjahren mittendrin. Der Pfarrer, der Hauptmann und der Lehrer hatten das Sagen, und Kinderarbeit war gang und gäbe. Das erklärt auch den Buchtitel «Christelehr ond Wääche».

Die Faktenlage akribisch gesichert

Der Autor geht aus von seinen Erinnerungen, wobei er nicht scharf trennt zwischen selbst Erlebtem und oft Gehörtem. Er belässt es aber nicht dabei, einfach persönlich gefärbte «Memoiren» einem breiteren Publikum zu überlassen. Akribisch hat er in historischen Quellen nachgeforscht, um Fakten zu sichern. Der Historiker David Hänggi-Aragai, der Sondereggers Manuskript strukturiert und lektoriert hat, lobt denn auch die Qualität der Schilderungen einer Lebenswelt, die von Schule, Kirche und Arbeit geprägt war. Er schreibt im Nachwort: «Obwohl diese Zeit nur ein Menschenalter her ist, handelt es sich um eine Welt, die den Nachgeborenen oft erstaunlich fremd ist.» Nicht nur für Oberegger sei «Christelehr ond Wääche» interessant, stellt er fest. Selbstzeugnisse dieser Art seien wertvoll, weil sie jenseits der «Grossen» Geschichtsschreibung ein Gefühl für Zeitumstände aus erster Hand vermitteln. Ein grosses Wissen um die damaligen Zeitumstände konnte vor dem Vergessen gerettet werden.

Max Sonderegger war Ministrant unter dem gefürchteten Pfarrer Meli, lernte die Segnungen eines inkompetenten Lehrers kennen, den dieser in seiner Funktion als Schulpräsident eingestellt hatte, und war bass erstaunt, als er nach zwei Jahren Realschule ans Kollegium nach Appenzell wechseln durfte, um dort ein drittes Oberstufenschuljahr zu absolvieren. Erstaunt auch deshalb, weil er dort nichts anderes tun musste, als die Schule zu besuchen und Hausaufgaben zu erledigen. Zuhause war das Zudienen für Vaters Webstuhl üblich. «Damals war eben noch die Meinung verbreitet, Kinderarbeit (ohne Alterslimite) ergebe tüchtige, arbeitsame Männer und Frauen», schreibt er. Und dass Lehrlinge damals ein Lehrgeld zu entrichten hatten, dürfte der jüngeren Generation auch nicht mehr geläufig sein. Für Weber waren es 1938 im­merhin 600 Franken pro Jahr. «Es ist durchaus möglich, dass ich gewisse Dinge im Rückblick etwas zu subjektiv schildere», schreibt der Autor im Vorwort. «Ich erhebe aber keinen Anspruch auf absolute Richtigkeit. Und ich will auch nicht auf dies und jenes Rücksicht nehmen.» Die Wahrheiten kommen ungeschminkt auf den Tisch – sie sind verjährt. (rr)

Hinweis

Max Sonderegger: «Christelehr ond Wääche», 186 Seiten, gebunden, mit historischen Bildern. Das Buch ist erhältlich bei der Druckerei Appenzeller Volksfreund in Appenzell sowie im Bücherladen Appenzell.