Buchladen wird liquidiert

Ende diesen Monats schliesst der Libresso Buch- und Textladen in Heiden für immer. Die Hoffnungen, das Geschäft fortan als Genossenschaft zu führen, haben sich zerschlagen – allerdings nicht wegen des Geldes.

Roger Fuchs
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Den Libresso Buch- und Textladen gibt es nur noch diesen Monat. Bis zur Schliessung lockt ein Ausverkauf mit Rabatten von bis zu 50 Prozent. (Bild: Johannes Wey)

Den Libresso Buch- und Textladen gibt es nur noch diesen Monat. Bis zur Schliessung lockt ein Ausverkauf mit Rabatten von bis zu 50 Prozent. (Bild: Johannes Wey)

HEIDEN. Die 61jährige Judith Hauptlin, die seit 15 Jahren den Libresso Buch- und Textladen in Heiden führt, will kürzertreten und die finanzielle Verantwortung für das Geschäft abgeben. Aus diesem Grund wurde im vergangenen November kommuniziert, dass der Text- und Buchladen fortan als Genossenschaft geführt werden soll. Nun kommt aber alles anders als geplant. Das angestrebte Genossenschaftskapital wäre zwar zusammengekommen, sagt Judith Hauptlin – es hätten aber nicht genug Leute gefunden werden können, die auch bereit gewesen seien, im Vorstand mitzuwirken. «Ende August wird der Libresso-Buchladen deshalb geschlossen», so Judith Hauptlin. Bis dahin gibt es, wie ein Plakat an der Türe verkündet, noch einen grossen Ausverkauf mit Rabatten bis zu 50 Prozent. Im September wird dann aufgeräumt.

Eine Stätte der Kultur weniger

Judith Hauptlin wertet die Schliessung des Buch- und Textladens als Verlust für Heiden als Wohn- und Tourismusort. Fortan gäbe es eine Stätte der Kultur und Begegnung weniger – und dies in einer Gemeinde, in der in den letzten Jahren schon andere Geschäfte eingegangen seien. Sie erwähnt diesbezüglich das Chäslädeli, zwei Metzgereien, die Eisenwarenhandlung, einen Tante-Emma-Laden in der Bissau oder auch die Galerie W und das Café Kern.

Warum niemand Verantwortung in der beabsichtigten Genossenschaft übernehmen wollte, kann sich Judith Hauptlin nur schwer erklären. Eventuell hätten alle das geforderte Engagement gescheut, sagt sie. Auch hält Hauptlin fest, dass sämtliches Verkaufspersonal bereit gewesen wäre, unter einer neuen Trägerschaft und zu reduziertem Lohn weiterzuarbeiten.

Einer, der sich im letzten Jahr in der Appenzeller Zeitung ebenfalls für die genossenschaftliche Lösung stark machte, ist der Heidler Franz Betschon. Leider könne man von den Leuten nicht verlangen, dass alle solche Bücherfreaks seien wie Hauptlin und er, sagt Betschon auf Anfrage. Gleichzeitig hält er fest, selber durchwegs bereit gewesen zu sein, das Präsidium in der Genossenschaft zu übernehmen. Erfolglos verlaufen sei dagegen die Suche nach einem Finanzbuchhalter.

Schwieriges Umfeld

Welche Positionen letztlich auch immer in der Genossenschaft nicht besetzt werden konnten – Fakt ist, dass der Bücherladen schon bisher in einem schwierigen Umfeld stand. Ohne treue Kundschaft und den von ihr an den Tag gelegten Idealismus hätte der Buch- und Textladen womöglich bereits früher schliessen müssen, sagt Judith Hauptlin. Als besonders erschwerende Faktoren nennt sie den tiefen Eurokurs, die Aufhebung der Buchpreisbindung, das nahe Ausland, die Internetanbieter sowie «Exlibris mit seiner Billigpreispolitik».

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge wird Judith Hauptlin Ende August nun für immer den Schlüssel beim Libresso Buch- und Textladen drehen. Lachend, weil sie endlich Zeit habe, selber zu lesen und sich mehr um ihren Garten zu kümmern. Auch sei sie daran, sich mit literarischen Grabreden und Willkommensfeiern für Kinder ein neues Betätigungsfeld zu erschliessen. Gleichzeitig wird Hauptlin – und das sei ihr weinendes Auge – nebst der Kundschaft die vielen tollen Begegnungen und Diskussionen vermissen.