Buch zur Ära Heberlein erschienen

WATTWIL. 180 Jahre nach der Gründung legen namhafte Toggenburger Autoren eine Denkschrift zum Familienunternehmen vor: «Heberlein 1835–2015» zeigt auf, wie aus der einstigen Lohnfärberei in Wattwil ein Weltkonzern wurde.

Serge Hediger
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Denkschrift vorgestellt: Robert Heberlein, Herausgeber Peter Lieberherr, Historiker Hans Büchler (von links). (Bild: Serge Hediger)

Denkschrift vorgestellt: Robert Heberlein, Herausgeber Peter Lieberherr, Historiker Hans Büchler (von links). (Bild: Serge Hediger)

Beim einen Gast war es der Schwiegervater. Beim andern der Vater. Beim dritten der Grossonkel. Beim vierten die Mutter. Nahezu alle Besucherinnen und Besucher, die am Mittwochabend im Gemeindehaus Wattwil zur Vernissage des Buchs «Heberlein 1835–2015» gekommen waren, hatten jemanden in der Familie, der für Heberlein gearbeitet hat. Oder waren selbst Angestellte des Textilunternehmens, also «Herberlianer». Denn das ist Wattwil: Während 170 Jahren hatte Heberlein den Ort und mit ihm das Toggenburg geprägt. Spuren sind noch heute, 14 Jahre nach der Firmenschliessung, zu erkennen. Heberlein mit seinen 5100 Angestellten – allein 2500 in Wattwil – war einst systemrelevant, wie es heute heissen würde.

Viele Saiten – ein Klang

Vier Jahre lang hatte ein neunköpfiges Autorenteam, angeleitet vom Wattwiler Historiker Hans Büchler, die Quellen gesichtet. Gemeinsam mit Peter Lieberherr, Präsident der Heberlein-Stiftung für die Förderung gemeinnütziger Werke, wurde Ordnung in den Fundus ungezählter Fotos, Jubiläumsschriften, Personalzeitungen oder Nekrologe gebracht, so dass sie für das Buch mit dem Untertitel «Von der Lohnfärberei zum Industriekonzern» verarbeitet werden konnten.

300 Fotos, Karten und Grafiken, 11 Kapitel, 244 Seiten: «Entstanden ist ein Werk, das allen gerecht wird, das keine Propaganda darstellt oder abgehoben daherkommt. Ein Buch, das viele Saiten zu einem Klang gebracht hat», sagte Hans Büchler denn auch vor seinen Gästen. Auch seinen Worten war anzumerken, was bereits Peter Lieberherr vorab ausgesprochen hatte: «Wir sind stolz auf dieses Werk.»

Noch bis Mitte kommenden Jahres sind im Gemeindehaus Wattwil überdies rund 50 Fotos aus dem Buch sowie das Modell der Fabrikanlagen ausgestellt.

Schneller, besser, innovativ

Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner nahm in seiner Ansprache Bezug auf den Inhalt des Buches und ging stark auf die übermittelte Haltung ein, die der Konzern seiner Arbeit gegenüber stets eingenommen hatte: «Schneller sein als die Konkurrenz, besser sein, innovativ sein. Forschung und Entwicklung vorantreiben, das Kundenbedürfnis in Produkte umsetzen, die Prozesse erneuern – das Buch <Heberlein 1835–2015> liest sich wie ein Lehrbuch zur Schweizer Wirtschaftsgeschichte oder die Best practice der Betriebswirtschafts- und Volkswirtschaftslehre.»

Unter den Autoren finden sich der letzte Verwaltungsratspräsident Robert Heberlein ebenso wie die Schriftsteller Rea Brändle und Peter Weber. Der preisgekrönte Autor legt mit seinem Prolog «Die weisse Stadt» eine verheissungsvolle Lesestimmung vor, die Gemeindepräsident Gunzenreiner mit Blick auf die heutige Industrielandbrache zum Symbol des Aufbruchs in der Gemeinde machte: «Neues wird entstehen wie einst 1835.»

«Heberlein 1835–2015», Appenzeller Verlag, 224 Seiten, 48 Franken. Ausführliche Buchbesprechung in einer späteren Ausgabe.

Interesse gezeigt: Gäste der Buchvernissage vor dem ausgestellten Modell der weitläufigen Fabrikanlagen. (Bilder: Serge Hediger)

Interesse gezeigt: Gäste der Buchvernissage vor dem ausgestellten Modell der weitläufigen Fabrikanlagen. (Bilder: Serge Hediger)