Bubentraum eines Sportfreaks

Ob am Testspiel FCSG – FC Wil vor einigen hundert Leuten oder in der AFG Arena St. Gallen vor mehreren tausend: Der Stadionsprecher sorgt für die Orientierung der Zuschauer. Ralf Meile «speakert», wo immer sich die Gelegenheit bietet.

Olivia Hug
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Ralf Meile sitzt als interimistischer Stadionsprecher hoch über dem Spielfeld in der AFG Arena. (Bild: pd)

Ralf Meile sitzt als interimistischer Stadionsprecher hoch über dem Spielfeld in der AFG Arena. (Bild: pd)

EBNAT-KAPPEL. Sport mag er im allgemeinen, im besonderen aber Fussball. Als Bub ist er im FC Ebnat-Kappel dem Ball nachgerannt, später hat er nicht mehr aktiv gespielt, dafür aber die Junioren trainiert. Dann hat er im Grümpi-OK mitgewirkt und zusammen mit Walter Züst die Clubzeitung herausgegeben. Und immer, wenn an einem Turnier oder Vereinsanlass ein Speaker gefragt war, hat sich Ralf Meile zur Verfügung gestellt. «Ich wusste als kleiner Junge schon, dass ich Sportreporter werden will, entsprechend habe ich jede Möglichkeit wahrgenommen, mich in irgendeiner Form damit auseinanderzusetzen», schildert Ralf Meile.

Der Junior wird Sportchef

Der Bubentraum sollte denn auch wahr werden: Der Ebnat-Kappler stieg bei Radio Top ein, wo er während elf Jahren unter anderem als Sportkommentator, stellvertretender Chefredaktor und Sportchef tätig war. Zu jenem Zeitpunkt zog er auch weg aus dem Toggenburg. «Weil meine Eltern und gute Freunde immer noch dort leben, habe ich nach wie vor eine feste Verbindung zu Ebnat-Kappel», sagt Ralf Meile. Heute lebt er in Winterthur und arbeitet als Nachrichtenchef bei «20 Minuten online» in Zürich.

Vom Sport ist der 32-Jährige zumindest im Beruf weggekommen – privat hat sich daran wenig geändert: «Ich bin ein Sportfreak. Oft bin ich mit dem Rennvelo unterwegs, im Fernsehen konsumiere ich alle möglichen Sportarten», beschreibt Ralf Meile. Sein natürliches Interesse für den Sport hat ihm für seine Zeit als Sportkommentator viel gebracht – auch wenn es manchmal über Sportarten zu berichten galt, in denen der Ur-Ebnat-Kappler sich nicht als ausgewiesener Experte bezeichnet. «Handball etwa war nie so mein Ding.» Das sei im Grunde nicht schlimm, denn von Handball verstehe eine kleine Zahl von Radiohörern etwas: «Radio macht man für alle, also nicht nur für Kenner, sondern auch für Laien.»

Wie erwähnt – in Sachen Fussball ist Ralf Meile à jour. Gerade, wenn es um den FC St. Gallen geht. «Seit ich denken mag, bin ich FCSG-Fan», sagt er bestimmt. Früher habe er fast jedes Spiel besucht, mitgefiebert, mitgefeiert und mitgelitten. Beinahe Staatstrauer herrschte, wenn sein Lieblingsclub verloren hatte. Heute sei er nicht mehr so fanatisch: «Es gibt jetzt sicher Wichtigeres. Ich bin wohl älter geworden», meint Ralf Meile schmunzelnd. Und dennoch: Fragt man ihn nach unvergesslichen Highlights seiner Fan-Zeiten, braucht er nicht lange zu überlegen. «Ganz klar das Frühjahr 2000, als St. Gallen Meister geworden ist.» Atemlos schildert er seine Erlebnisse, als wäre es gestern gewesen: «Das begann schon beim ersten Spiel gegen GC, das mit 4:4 endete. St. Gallen war nach nur einer Viertelstunde schon 0:3 im Rückstand.» Und da sei noch das Cup-Finale 1998 gewesen: St. Gallen gegen Lausanne, die Ostschweizer gingen nach dem Penaltyschiessen als Verlierer vom Platz. «Während der Heimfahrt im Extrazug war es mucksmäuschenstill», erzählt Ralf Meile.

Sprecher für eine ganze Arena

Und was macht der leise Fan in ihm heute? Er sitzt als stellvertretender Stadionsprecher in der St. Galler AFG Arena weit über der Tribüne hinter einer Glasscheibe und erklärt den Zuschauern die Aufstellung seiner Lieblingsmannschaft und deren Gegner. Die Richtlinien des Verbandes sind klar: Ein Speaker hat neutral zu sein. «Das ist kein Problem», winkt Ralf Meile ab. Beim Verkünden eines Treffers variiere höchstens die Stimmlage – je nachdem, welches Team trifft. Vier- bis fünfmal hat Ralf Meile bisher für den üblichen Speaker – mit Richard Fischbacher ebenfalls ein Ur-Ebnat-Kappler – übernommen, wenn dieser verhindert war. Vor mehreren tausend Personen zu sprechen, bereite ihm keine Mühe. Und deshalb stelle er sich noch so gerne als Speaker für das Testspiel zwischen St. Gallen und Wil auf dem Untersand-Platz in Ebnat-Kappel zur Verfügung. Wer gewinnt? «Das ist bei Trainingsspielen ganz schwer einzuschätzen», antwortet Ralf Meile überlegt, «aber ich gehe davon aus, dass es St. Gallen sein wird.»

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