Bruno Ganz kritisiert die Kritiker

Am Sonntagabend besuchte der bekannte Schweizer Schauspieler vor dem «Heidi»-Film das Wiler Sunset-Filmfestival. Bruno Ganz verriet, dass er nicht alles über die «Heidi»-Produktion wusste und in Zürich noch ungestört Kaffee trinken kann.

Christof Lampart
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Schauspieler Bruno Ganz auf dem Sofa bei Felicitas Zehnder, Chefin des Wiler Sunset-Filmfestivals. (Bild: Christof Lampart)

Schauspieler Bruno Ganz auf dem Sofa bei Felicitas Zehnder, Chefin des Wiler Sunset-Filmfestivals. (Bild: Christof Lampart)

WIL. Es war zwar kein spannender Kinoabend – dafür dürften wohl zu viele die «Heidi»-Geschichte zu gut kennen. Dafür war es ein höchst emotionaler, den der grummelnde Alpöhi (Bruno Ganz), der störrische Geissenpeter (Quirin Agrippi) und das frohmütige Heidi (Anuk Steffen) zur nächtlichen Stunde den Open-Air-Kinogängern auf dem Larag-Areal bescherte.

Dass dem so war, dürfte auch an Ganz gelegen haben, der sich auf Einladung von «Sunset»-Chefin Felicitas Zehnder die Ehre gab – wohl aber keine exklusiven Interviews. Red und Antwort wolle er gerne stehen, liess der Mime wissen, aber nicht im Vorfeld, sondern kurz vor dem Film, wenn Felicitas Zehnder ihn interviewen werde.

Zurückhaltende Fans

Ganz verhehlte dann im Gespräch nicht, dass er in seinen Anfangsjahren mehr von den Kritikern hielt als heute. Zum einen, weil sie ihn einst in seinem Tun bestätigten. Zum anderen, weil das Niveau der Kritiker immer schlechter geworden sei.

Mit dem Trubel um seine Person könne er gut umgehen. Zumal dieser oft flüchtig sei und davon abhänge, ob man am Abend zuvor im Fernsehen aufgetreten sei. Generell könne er aber in Zürich problemlos einen Kaffee trinken, ohne ständig gestört zu werden. «Ich habe nicht die Art von Fans, die mir auf die Schultern klopfen. Sie sind eher zurückhaltend» sagte der 75-Jährige. Ganz räumte ein, dass nicht nur die Rolle des Alpöhi, die er als Schweizer Schauspieler als patriotische Pflicht empfunden habe, ihn fasziniert habe, sondern auch die finanziellen Möglichkeiten. «Für einen Schweizer Film hatten wir ein hohes Budget. Wir drehten drei Monate. Normal sind es sechs bis maximal acht Wochen.» Überrascht war er jedoch, als er von Zehnder erfuhr, dass die schöne Blumenwiese in den Alpen («fünf Tonnen Blumen») aus China und der benötigte Schlamm aus Deutschland stammte. «Das habe ich nicht gewusst», sagte er. Während des Drehs habe ihm vor allem die Zusammenarbeit mit der jungen Anuk gefallen. «Sie ist so ein Schatz: herzig, bodenständig und intelligent.»

Und hat er es jemals im Nachhinein bereut, dass er bei einem Film nicht mitmachte? «Zwei, drei Filme gibt es schon, die heute Klassiker sind und bei denen ich abgelehnt habe», sagte Ganz.

«Da musst Du zusagen»

Doch nachtrauern mag er den verpassten Chancen nicht. «Ich lese ein Drehbuch, dann passiert etwas in meinem Körper und ich weiss: Da musst du zusagen oder eben auch nicht», sagte Ganz.

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