BRUNNADERN: Für Zusatzaufführung gewappnet

Die Proben für den Dreiakter «De Meischterboxer» der Theatergruppe Brunnadern sind gezählt. Am Freitag, 17. März, ist Premiere, und vier Vorstellungen sind bereits ausverkauft.

Cecilia Hess-Lombriser
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Autsch, da ist ein Gewitter im Anzug. Ursula Mock, Lea Blindenbacher, Cécile Altmann sowie Leo Pfiffner (von links). (Bilder: Cecilia Hess-Lombriser)

Autsch, da ist ein Gewitter im Anzug. Ursula Mock, Lea Blindenbacher, Cécile Altmann sowie Leo Pfiffner (von links). (Bilder: Cecilia Hess-Lombriser)

Cecilia Hess-Lombriser

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Über 1000 Menschen wollen «De Meischterboxer» im «Rössli»-Saal in Bächli Hemberg sehen. Elf Vorstellungen sind vorgesehen, und das Datum für eine Zusatzaufführung ist bereits definiert. «Die Leute wollen immer noch Theater schauen, und wir haben den Eindruck, dass das Interesse sogar steigt. Der Vorverkauft läuft dieses Jahr so gut wie noch nie», stellt Ruedi Näf, Regisseur der Theatergruppe Brunn­adern, fest. Es ist Probeabend, und zum ersten Mal werden alle drei Akte zusammenhängend in den Kostümen der 1920er-Jahre geprobt.

Geschehen um 100 Jahre zurückversetzt

Die Dorfbühne in Bächli ist nur wenig höher als der Saalboden. Die Tische werden an den Aufführungsdaten bis an den Bühnenrand gestellt. So viel Nähe zu einer gespielten Geschichte ist kaum woanders möglich. Die elf Schauspielerinnen und Schauspieler der Theatergruppe Brunn­adern können damit umgehen. Ihr Blick über das imaginäre Publikum während der Probe verrät es. Sie legen an diesem Abend eine unglaubliche Spielfreudigkeit an den Tag, wechseln selbst nach einem Black-out sofort wieder in ihre Rolle zurück, nehmen das Temperament der Figur wieder an, die sie spielen, gestikulieren, und die Emotionen widerspiegeln sich in den Gesichtern. Emotionen gibt es im Stück tatsächlich einige.

Entsprechend einer Komödie sind die Turbulenzen von Anfang an programmiert, und es geht im Verlauf der Geschichte wild zu und her. Trotzdem bleibt Zeit, sich die Requisiten und das Bühnenbild genauer zu betrachten. Da ist einiges an Zeit und Arbeit investiert worden, um das Geschehen in einer anderen Zeit spielen zu lassen. Ernst Knecht zeichnet sich für das Bühnenbild verantwortlich und Corinne Wagner für die Kostüme. Das Hintergrundbild ist eine Aufnahme von St. Gallen; den Ausschnitt hat der einheimische Fotograf Gerhard Poschung so gewählt, dass weder Krane noch moderne Gebäude darauf zu sehen sind, um auch diesen Ausblick um 100 Jahre zurückzuversetzen.

Geschichte auf Ostschweiz angepasst

Seit letztem Sommer probt die Theatergruppe Brunnadern den Dreiakter von Otto Schwartz und Carl Mathern, den Oskar Stäger in den 1950er-Jahren in eine Mundartfassung gebracht hat. Das Stück hat bei allen Mitgliedern Gefallen gefunden. «Die Thematik stimmt, und auch von der Anzahl Rollen passt es», sagt Ruedi Näf, der auf eine reiche Theatererfahrung zurückblickt und die Theatergruppe Brunn­adern 2002 gegründet hat, weil er gemerkt hatte, dass viele Menschen gerne einen Theaterabend ohne Tombola oder vorgängiges Konzert haben.

Die Erfahrungen nach sieben erfolgreichen Aufführungen bestätigen dies. Und nun findet die dritte Produktion in Bächli statt, weil der «Anker»-Saal in Brunn­adern nicht mehr zur Verfügung steht. Auch wenn die Komödie schon bald 100 Jahre alt und mit dem legendären Willy Millowitsch assoziiert wird, sind die Themen darin immer noch die gleichen, wie sie der Mensch in jeder Generation umtreibt: das Verhältnis Mann-Frau, die Gesundheit, die Lust und menschliche Schwächen. In der Schweizer Fassung ist aus dem Marmeladenfabrikant ein Wichsefabrikant geworden, und die Theatergruppe Brunnadern hat ihrerseits das Ganze in der Ostschweiz angesiedelt. Sie hat sich ausserdem mit der ursprünglichen Sprache auseinandergesetzt und schliesslich beschlossen, den «Neger», wie ein schwarzer Boxer im Stück genannt wird, aber nie auftritt, zu übernehmen. «Die Geschichte spielt in einer Zeit, als dieser Ausdruck geläufig war», erklärt Ruedi Näf. Er hat eine klare Vorstellung, wie Theater gespielt wird. Er schaut auf jedes Detail, und so fällt ihm auch beim ersten kompletten Durchlauf einiges auf, das korrigiert werden muss. Bei der Technik und bei Handlungen, damit alles folgerichtig ist und der Fluss erhalten bleibt.

«Die Figuren müssen echt wirken und natürlich. Dazu gehört vor allem die Körpersprache, die Gestik und Mimik. Die Emotionen müssen davon begleitet sein. Daran feile ich, muss jedoch auch Grenzen akzeptieren und irgendwann zufrieden sein. Bei mir gibt es nur kleine und grosse Rollen und keine Haupt- und Nebenrollen», erklärt er. Theaterspielen bezeichnet er als Lebensschule. Es brauche Mut, und schon manch einer habe bestätigt, dass dabei das Selbstbewusstsein wachse. «Es tut einfach gut.» Dass die Schauspielerei gut tut, bestätigen auch die anwesenden Frauen in Knickerbockern und Weste, Frack, weisser Schürze, weisser bestickter Bluse und Hut oder Charlestonkleid mit Fransen. Und sie freuen sich darauf, vielen Menschen einen unterhaltsamen Abend zu schenken.

Aufführdaten und Reservation sind ersichtlich auf der Homepage der Theatergruppe: www.theater-brunnadern.ch