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BRÜLISAU: Treuerabatt im «Rössli»: «Der Wirt hätte klarer deklarieren sollen»

Für Stammgäste kostet das Tagesmenü im Gasthaus «Rössli» in Brülisau weniger als für Touristen. Pikant daran: Die Ungleichbehandlung ist nicht offiziell deklariert. Das kommt nicht überall an.
Simon Roth
Nicht alle freuen sich, dass Einheimische im «Rössli» weniger bezahlen müssen. (Bild: Elias Eggenberger)

Nicht alle freuen sich, dass Einheimische im «Rössli» weniger bezahlen müssen. (Bild: Elias Eggenberger)

Das Gasthaus «Rössli» in Brülisau misst seine Gäste mit zweierlei Mass: Einheimischen Arbeitern, die fast täglich einkehren, gewährt der Wirt eine Vergünstigung. Touristen bezahlen den Preis, der auf der Menükarte deklariert ist. Ein Gast hat an zwei aufeinander folgenden Tagen hat dasselbe Menü bestellt. Am ersten Tag wies die Rechnung 15 Franken für das Mittagsmenü aus, am nächsten Tag 24 Franken. Die Nachfrage beim Servicepersonal zeigt, dass die Kellnerin ihn für einen Auswärtigen gehalten habe und er deshalb keine Preisreduktion erhielt.

Pikant dabei ist: Der Rabatt für Stammgäste ist nicht offiziell deklariert. «Rössli»-Wirt Jürg Neuenschwander will niemanden diskriminieren. Reklamationen von Touristen habe es noch keine gegeben. Im Gegenteil – das «Rössli» wird auf der Online-Plattform «Tripadvisor» gelobt. Zwei Gäste streichen das «gute Preis-Leistung-Verhältnis» heraus. «Menü mit Suppe, Salat und Hauptgang für 24,50 und erst noch sehr gut gekocht», lautet das Fazit einer weiteren Kundin. Bei Bedarf werde zudem ein Nachschlag angeboten.

Massnahme ist wichtig für Kundenbindung

Stephan Sutter, Präsident des Innerrhoder Gastroverbands, vergleicht die Handhabe mit dem Kundenrabatt. «Das ist in so gut wie jeder Branche üblich.» Er zeigt Verständnis für die Massnahme des «Rössli»-Wirts und sieht sie als Kundenbindung. Die Preisgestaltung liege ohnehin im Ermessensspielraum jedes einzelnen Wirtes.

Auch Markus Strässle, Präsident des Ausserrhoder Gastroverbands, sieht die Massnahme des Wirts als Rabattsystem: «Treue Kunden, die regelmässig kommen, sollen belohnt werden.» Die Lösung mit zwei unterschiedlichen Preisen empfiehlt jedoch er nicht.

An den unterschiedlichen Preisen stört sich Walter Tobler, Präsident des St.Galler Gastroverbands nicht. Die Preisdifferenz von neun Franken empfindet er hingegen als gross. «Damit keine Verwechslung entsteht, hätte der Beizer die Situation klarer deklarieren sollen», sagt Tobler. Etwa mit einem Rabattkartensystem. Auch so würden wiederkehrende einheimische Gäste bevorzugt. Anders als Touristen, die meist nur einmal einkehren, können Einheimische den Rabatt durch die Nähe besser geltend machen.

Jeder Gast soll gleich behandelt werden

In einer Online-Umfrage dieser Zeitung gibt die Hälfte der Teilnehmer an, die Rabattlösung für Einheimische sei «total in Ordnung». Über 700 Personen haben sich im Verlauf des Mittwochs an der Umfrage beteiligt. Gut 44 Prozent der Befragten finden, dass jeder Gast gleich behandelt werden soll. Auch in den Kommentarspalten gehen die Meinungen auseinander. «Eine absolute Frechheit», schreibt jemand. Andere beschwichtigen, darunter Mitarbeiter der benachbarten Kastenbahn: «Als kleines Unternehmen verfügen wir über keine eigene Kantine.» Sie seien deshalb froh, im «Rössli» vergünstigt essen zu können. «Sind wir ausserhalb der Arbeitszeit oder privat zu Besuch, bezahlen wir die regulären Preise.»

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