BRÜLISAU: «Alles Gute kommt von oben»

Alle vier Jahre wird in Brülisau zur Oberdorfer Chölbi geladen. Nebst Unterhaltung und einer Ausstellung gehörte diesmal ein Talk zu den Höhepunkten. Protagonisten von nah und fern erzählten von ihrem Bezug zum Dorf.

Roger Fuchs
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Talkrunde bei der Oberdorfer Chölbi: Gesprächsleiter Stephan Streule mit Toni Sutter, Sara Streule, Hans Sutter und Landammann Roland Inauen. (Bilder: Roger Fuchs)

Talkrunde bei der Oberdorfer Chölbi: Gesprächsleiter Stephan Streule mit Toni Sutter, Sara Streule, Hans Sutter und Landammann Roland Inauen. (Bilder: Roger Fuchs)

Roger Fuchs

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@appenzellerzeitung.ch

In 200 Jahren werden in Brülisau ein Freizeitcenter oder ein grosses Fussballstadion stehen, oder es gibt eine Wasserrutschbahn vom Hohen Kasten hinunter ins Dorf. Das zumindest sind die Vorstellungen und Wünsche von Schülerinnen und Schülern zur Zukunft ihres Dorfes. Die entsprechenden Plakate waren am Wochenende beim Brülisauer Dorffest im Rahmen einer Ausstellung zur Dorfentwicklung zu begutachten. Die Zukunft wurde auch bei einer Talkrunde gestreift. Der Innerrhoder Landammann Roland Inauen bediente sich dabei nicht des Wunsch- denkens, sondern der Fakten: 1941 zählte Brülisau 652 Einwohner, 2015 nur noch 539. Wenn es so weitergehe, stehe das Oberdorf – so wird Brülisau von den Inner­rhodern genannt – vor dem Aus, sagte Inauen. Von Gesprächsleiter Stephan Streule ganz grundsätzlich auf das Oberdorf angesprochen, meinte der Landammann: «Alles Gute kommt von oben.» Damit spielte er auf die Tatsache an, dass Brülisau hoch über Appenzell thront. Überhaupt ist es für Roland Inauen unverständlich, dass es heute keinen Bezirk Oberdorf gibt. Unter diesem Begriff könnte man sich wenigstens etwas vorstellen, im Gegensatz zum heutigen Bezirksnamen Rüte, wo Brülisau dazugehört.

Direkt aus Kanada zugeschaltet

Weitere Teilnehmende der Talkrunde waren Sara Streule, Hans Sutter, Toni Sutter und Michael Inauen. Letzterer war mittels Livestream direkt aus Kanada zugeschaltet, wo er mit seiner Familie in der Milchwirtschaft tätig ist. Durchaus habe es ihm in Brülisau gefallen, doch die Ferne habe ihn ebenso gelockt, war trotz Tonunterbrüchen zu hören. Und er deponierte den Wunsch, dass die Einheimischen dem Brauchtum, den braunen Kühen und den Appenzeller Geissen weiterhin Sorge tragen. Grafikerin Sara Streule, die heute in Zürich lebt, sprach in ihrem Fall von einem schleichenden Abschiedsprozess vom Dorf. Toni Sutter hingegen war abgesehen von der Rekrutenschule noch nie fort. Er appellierte an die Jungen, sich ebenfalls für das Dorf zu engagieren. Hans Sutter, der viel für Brülisau getan hat, erinnerte daran, wie man einst für die Turnhalle das Geld zusammenbetteln musste. Und er zeigte sich als ehemaliger Betriebsleiter der Kastenbahn beeindruckt von der technischen Entwicklung seit der Eröffnung im Jahr 1964.

Die Oberdorfer Chölbi ist keine Erfindung der Neuzeit. Von 1937 bis 2009 hatte jedoch niemand mehr eine solche organisiert. Dann aber wurde sie wiederbelebt. «Das ist nun die dritte Chölbi der Neuzeit», sagt OK-Präsident Jonny Dörig. Alle, die hier zur Schule gingen, seien per Brief angeschrieben worden – rund 500 Briefe wurden demnach aufgegeben. Die älteste Angeschriebene heisst Anna Inauen, Jahrgang 1918, heute in Gontenbad wohnhaft.

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