Brühlhof

Es ist nun zweieinhalb Jahre her, seit ich aus dem Brühlhof ausziehen musste. In dieser Zeit habe ich mit grosser Sorge den Zustand dieses schönen, geschichtsträchtigen, unter Heimatschutz stehenden Hauses beobachtet.

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Es ist nun zweieinhalb Jahre her, seit ich aus dem Brühlhof ausziehen musste. In dieser Zeit habe ich mit grosser Sorge den Zustand dieses schönen, geschichtsträchtigen, unter Heimatschutz stehenden Hauses beobachtet. Bei vielen Spaziergängen hat mich mein Weg immer an meinem früheren Wohnort vorbeigeführt. Uns hat die Migros-Verwaltung für ein zusätzliches halbes Jahr Mietverlängerung die Instandhaltung des Grundstücks aufgetragen, da sie es gerne sehen, wenn es anständig aussehen würde, sagte uns die Liegenschaftsverwalterin. Nun muss ich ja die Migros schon fragen, wo denn jetzt ihr Verantwortungsbewusstsein geblieben ist, der Park verwildert, die Dachrinnen übergelaufen. Es stand ja von Anfang an fest/versprochen, dass der Schutz vom Brühlhof und Mammut- mit weitern geschützten Bäume aufgehoben werden, weil ja die Migros gross bauen will, derweil auch schon eine Buslinie eingerichtet wurde, die jedoch meistens minimal besetzt ist. So wie ich das sehe, wird die Ladenfläche nicht viel grösser, dafür werden noch andere Läden, so auch der Denner (Migros) integriert. Wohnungen sind natürlich auch geplant, dabei haben wir bereits etwa 150 leere Wohnungen. Jene, die heute schon in Gossau oder Abtwil einkaufen, werden auch im neuen Migros nicht das gesamte Sortiment vorfinden.

Mit dem projektierten Migros-Neubau wird noch mehr Leben aus dem jetzt schon toten Dorfkern verschoben. Für das Mini-Einkaufszentrum schafft man Tatsachen von unbekannten zusätzlichen Emissionen durch Anlieferungen der verschiedenen Einmieter.

Der Brühlhof (zeitgleich mit den Herisauer Höfen 1805–1813) wurde um 1805–1807 erbaut und vorerst von Michael Tobler(1787–1836) bewohnt, zugezogen als Botschafter der geistig-kulturell aufgeschlossenen Trogner Oberschicht und sich selbst als «der schönen Künste Liebhaber» bezeichnend. Später wurde der Brühlhof von Emil Fisch, Begründer des neuzeitlichen Spitalwesens im Appenzellerland und Hauptstifter des 1876 gegründeten Bezirksspitals Herisau, bewohnt. In der Neuzeit von Adrian Wolfgang Martin, Schriftsteller von «Der Zwillingsberg» und weiteren Werken, die in Herisau nicht die entsprechende Anerkennung gefunden haben.

Es kann doch nicht sein, dass Gebäude als schützenswert eingestuft werden, was dem Besitzer einiges an Auflagen bringt, aber sobald es dem Guten (Migros) nicht mehr passt, aus dem Schutz entlassen werden sollen.

Heidi Spörri

Schägg 22, 9100 Herisau

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