Innerrhoder verfasste ein Buch über Brot

Brot ist eine Leidenschaft von Bruno Dörig. Im Werk des 77-Jährigen wird deutlich, dass es weit mehr als ein Grundnahrungsmittel sein kann.

Stephanie Häberli
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Seit Jahren sammelt Bruno Dörig Material zum Thema Brot. Eine kleine Auswahl veröffentlichte er in seinem Buch.

Seit Jahren sammelt Bruno Dörig Material zum Thema Brot. Eine kleine Auswahl veröffentlichte er in seinem Buch.

Bild: Nik Roth

Bruno Dörigs Faszination für Brot begann früh. Schon als Kind wurde er hellhörig, wenn jemand über Brot sprach. Bald begann er, sich erste Brotgeschichten zu merken. «Ich erinnere mich gut daran, wie meine Mutter mit dem Finger die übrig gebliebenen Brotkrümel vom Tisch aufsammelte.» Sie erlebte den Zweiten Weltkrieg. Daher war sie es laut Dörig gewohnt, Brot als etwas Kostbares zu sehen. Diese Brotgeschichte bildet den Anfang einer langjährigen Sammlung. Doch ernsthaft daran gedacht, die Geschichten in einem Buch zu veröffentlichen, hat der 77-Jährige nie.

Ein Bekannter riet Dörig, ein Buch zu schreiben

Dies obwohl Bücher schon immer eine zentrale Rolle in seinem Leben spielten. 20 Jahre lang führte der gelernte Sekundarschullehrer den Noah-Verlag in Oberegg. «Vor rund einem Jahr riet mir ein Bekannter, es mit dem Brot-Buch zu versuchen.» Dörig folgte dem Rat. Im Januar dieses Jahres erschien sein Buch «Brot-Zeiten» im Eschbach-Verlag.

Auf 48 Seiten verknüpft Dörig kulturgeschichtliche Aspekte mit biografischen Geschichten und Anekdoten. Aufgelockert wird das Werk durch zahlreiche Gedichte, Zeichnungen und Fotos. Die meisten seiner über die Jahre gesammelten Geschichten durfte er nicht einfach veröffentlichen. «Ich begab mich auf eine ausführliche Quellensuche. Ich machte die Leute im Internet ausfindig und fragte nach deren Einverständnis», erklärt Bruno Dörig. Im Buch findet sich eine Auswahl des über die Jahre gesammelten Materials.

Brot steht für Rücksicht und Mitgefühl

Dörig geht es um weit mehr, als darum seine Erlebnisse mit diesem Thema mit der Öffentlichkeit zu teilen. «Ich möchte zeigen, dass Brot nicht bloss ein Lebensmittel ist. Bereits vor Jahren fiel mir dies in Redewendungen auf. Brot wird oft sinnbildlich eingesetzt.» Für den Verfasser steht Brot für Rücksicht und Mitgefühl:

«Wenn jemand ein Brot mit andern teilt, zeigt er mit diesem Akt, dass es ihn nicht kalt lässt, wenn jemand hungert.»

Damit komme zum Ausdruck, dass uns etwas Tiefmenschliches verbindet. Ein weiteres Anliegen des Autors ist es, einen respektvollen Umgang mit Brot zu pflegen. «Als ich Lehrer war, schmerzte es mich immer, wenn die Schüler ihre übrigen Pausenbrote einfach in den Müll warfen.»

Bruno Dörig sammelt auch Brotgedichte.

Bruno Dörig sammelt auch Brotgedichte.

Nik Roth

Das Lebensmittel steht für ihn, nebst den genannten Aspekten, auch sinnbildlich für eine Sehnsucht nach Einfachheit. Diese kommt für den Autor in der heutigen Gesellschaft oft zu kurz. «Ich liebe das Einfache. Ein Stück Brot, Käse, ein Glas Wein in guter Gesellschaft ist für mich schon wie ein Stück Himmel.» Folglich dient das Buch nicht bloss der Unterhaltung. Dörig möchte etwas vermitteln, was ihm am Herzen liegt. «Mit meinem Buch möchte ich den Lesern mitgeben, dass sie Respekt, Genuss und Freude an gutem Brot haben sollen.»

Ein Begleiter im Alltag

Brot beschäftigt Bruno Dörig nicht nur auf geistlicher Ebene. Seit er eigene Kinder hat, verspürte er mehr und mehr den Wunsch, auch eigenes Brot zu backen. «So habe ich vor Jahren einen Brotbackkurs der Migros Klubschule besucht.» Dörig hatte einst sogar einen eigenen Brotbackofen im Garten. Seine beiden Söhne waren mit den anfänglichen Versuchen allerdings nicht ganz zufrieden. Doch irgendwann sagten sie dann: «Nun hast du lange genug geübt, jetzt kann man es essen.»

Der Autor backt aber nicht all sein Brot selber. Allerdings versucht er, bewusst einzukaufen. «Ich achte darauf, dass das Brot aus der Umgebung kommt.» Nun wohnt Bruno Dörig bereits einige Jahren in St.Gallen. «Hier schätze ich besonders, dass auf dem Wochenmarkt am Samstag gutes Brot aus Landbäckereien der Umgebung angeboten wird.»

Bruno Dörig beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Brot.

Bruno Dörig beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Brot.

Nik Roth

Das Buch ist laut dem Autor grundsätzlich für alle geeignet. Sogar für Leute, die nicht viel lesen. «Wenn sich jemand durch Bilder ansprechen lässt, wird der Einstieg leicht fallen. Der Aufbau gleicht stark jenem eines Geschenkbuches.»Dörig fügt aber hinzu, dass sich die Leser bewusst sein sollen, dass sie keine Rezepte erwarten. Mittlerweile ist es schon fast ein Jahr her, dass Bruno Dörig sein Projekt in Angriff nahm. Er ist stolz und es freut ihn, dass das Buch gut ankommt. «Wenn ich das fertige Buch in der Hand halte, fühle ich Dankbarkeit und Freude.» Doch das Geschichtensammeln geht weiter. «Eben habe ich erfahren, dass es in Frankreich ein Gefängnis gibt, in dem Straftäter eine Bäckerei betreiben. Der Duft des frisch gebackenen Brotes verbessere anscheinend die Atmosphäre.»