Bronze für Curling Juniorinnen

CURLING. Das Team CC Wildhaus hat sein hochgestecktes Ziel erreicht. An den Schweizer Meisterschaften für Juniorinnen in Biel holte es sich am Sonntag dank eines klaren 11:2-Sieges über Bern im Spiel um Platz drei die Bronzemedaille. Um diese zu gewinnen, war ein Umweg nötig.

Robert Kucera
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Die Wildhauser Curlingjuniorinnen freuen sich über die gewonnene Bronzemedaille: (von links) Lisa Stump, Skip Corinne Rupp, Chantal Schmid und Karin Giger. (Bild: Robert Kucera)

Die Wildhauser Curlingjuniorinnen freuen sich über die gewonnene Bronzemedaille: (von links) Lisa Stump, Skip Corinne Rupp, Chantal Schmid und Karin Giger. (Bild: Robert Kucera)

«Wir sind sehr zufrieden, das Saisonziel ist erreicht», so die Reaktion von Skip Corinne Rupp auf diesen Erfolg. Zu Beginn der Saison wollte sich die Crew bewusst nicht unter Druck setzen, hielt sich mit Zielsetzungen zurück. Doch nachdem man sich souverän in der A-Liga der Juniorinnen für die Endausmarchung der besten acht Teams um den Schweizer-Meister-Titel qualifiziert hatte, gab es für die Obertoggenburger Girls, die neben Corinne Rupp mit Karin Giger, Chantal Schmid und Lisa Stump, aber nicht mehr mit Tanja Berner antraten, nur noch eines: eine Medaille.

«Haben nie aufgegeben»

Konträr zu den Worten vor der Saison erreichten die Wildhauserinnen diese Medaille mit druckvollem Spiel, an dem die Gegnerinnen förmlich zerbrachen. Gleich mit 11:2 wurde Bern bezwungen, nach acht Ends und einem Vierer-Haus zugunsten von Wildhaus gaben die Hauptstädterinnen auf. «Wir haben nie aufgegeben und es kam nicht in Frage, dreimal hintereinander zu verlieren», so Corinne Rupp. «Wir wollten unbedingt diese Medaille.

» Dieser Hunger machte das Team stark. Abschliessend zu den Schweizer Meisterschaften zieht der Skip das Fazit, dass man bereits sehr froh darüber war, erstmals unter die ersten vier der Schweiz zu stossen. «Wir haben sehr gute Spiele gezeigt, in keiner Partie haben wir schlecht gespielt», meint Rupp weiter. Das konstant hohe Level hat Wildhaus letztlich Edelmetall beschert.

Vier Steine vor dem Finaleinzug

Um das definierte Ziel des finalen Anlasses der Schweizer Meisterschaften zu erreichen, beschritten die Toggenburgerinnen allerdings einen Umweg. Denn die allerbeste Chance, eine Medaille frühzeitig auf sicher zu haben, vergaben sie am Samstagabend im Playoffspiel gegen das Heimteam aus Biel. Nach nahezu perfektem Spiel und einer hervorragenden Leistung des gesamten Teams lagen die Wildhauserinnen bei Halbzeit mit 5:1 vorne.

Biel startete zwar ab dem 6. End zur Aufholjagd, doch Wildhaus ging mit einer 6:4-Führung und dem Vorteil des letzten Steins ins 10. End. «Wir gaben während des ganzen Spiels den Takt an und waren den Gegnerinnen eine Spur voraus», schildert Corinne Rupp. Doch nach dem 9. End begannen die Girls zu sehr an der zum Greifen nahen Medaille herumzustudieren. Prompt riss der Faden.

Denn im letzten End war mit einem Mal nichts mehr von der Souveränität zu sehen. Die zuvor präzis gespielten Steine gehörten der Vergangenheit an, es folgten kleinere und grössere Fehler. Mit Folgen: Die Wildhauserinnen schafften es nicht, den Weg zum Haus freizubekommen. Die Serie der Fehlsteine führte dazu, dass die Bielerinnen, motiviert und beflügelt durchs umsichtige Coaching ihres Trainers Pierre-Yves «Jimmy» Grivel (ehemaliger Schweizer Nationaltrainer), den zweiten und anschliessend den dritten Stein ins Haus legen konnten.

Anschliessend verpassten es zwar die Seeländerinnen gleich zweimal, den Weg zum Haus mit einer zusätzlichen Guard entscheidend zu versperren. Doch auch daraus vermochten die Wildhauserinnen keinen Profit zu ziehen. Zu harmlos waren die Bemühungen, die Bieler Steine aus dem Haus zu spedieren. Folglich kam es, wie es kommen musste: Mit dem letzten Stein verbarrikadierte der Bieler Skip endlich den Weg zum Haus.

Rupps letzter Stein – sie versuchte via eigener Guard die eng anliegenden Bieler Steine im Zentrum des Hauses zu sprengen – missglückte.

Wenn man so nahe am Finaleinzug dran war, ist es schwer, die zweite Chance mit Mut und Selbstvertrauen anzugehen. Da hatte es Gegner Basel einfacher, der sich am Vortag mit einem Playoff-Sieg über Bern die Finalchancen sicherte.

Dreier-Haus vergeben

Das Momentum in dieser Partie lag denn auch von Beginn weg auf Basler Seite. Im Verlauf des Spiels steigerten sich die Wildhauserinnen etwas, doch mit zu vielen Patzern lagen die Vorteile bis zuletzt bei den Baslerinnen. Besonders ärgerlich: Im 5. End, beim Stand von 2:3, war ein Dreier-Haus möglich. Doch wegen eines Patzers bei der Wischarbeit wurde die Chance vertan, die Obertoggenburgerinnen durften nur einen Stein zum 3:3-Pausenstand schreiben. Im 7. End hätte Wildhaus mit einem Dreier-Haus den Gegner noch mehr unter Druck setzen können.

Doch Rupps Versuch, einen Stein ins Haus zu legen, scheiterte kläglich. Mit dem Zweier-Haus wurde bloss der neuerliche Ausgleich zum 5:5 bewerkstelligt. Wie es gemacht wird, zeigte der gegnerische Skip Manuela Siegrist beim letzten Stein des 10. Ends. Sie meisterte die Aufgabe, einfach einen Stein ins Haus zu legen, souverän. «Dieses Match ging hin und her, beide Mannschaften hätten gewinnen können. Am Schluss fehlte uns nur das Quentchen Glück», so die Analyse des Wildhauser Skips.

Es spricht aber für die Crew, dass sie sich nach den zwei Niederlagen aufraffte und gegen Bern eine solide Leistung zeigte. Nach dem ersten Zweierhaus im vierten End zum 3:1 wuchs das Selbstvertrauen, Bern wirkte unsicher.

Fehler um Fehler bei Bern

Da Wildhaus den Gegner sehr gut kennt, nutzte man den Schwung sogleich aus, setzte den gegnerischen Skip derart unter Druck, dass dieser Fehler um Fehler beging und auch ihre Mitspielerinnen liessen sich davon anstecken.

Vor und nach der Halbzeitpause stahl Wildhaus zwei Steine und führt vorentscheidend mit 7:1. «Nach dem 7. End und der 7:2-Führung wusste ich, dass wir nun die Medaille auf sicher haben», beschreibt Rupp. Bern versuchte zwar nochmals zu reagieren. Jedoch derart fehlerhaft, dass am Ende Wildhaus nach dem 8. End 11:2 führte – und nach Aufgabe des Gegners siegte.

Resultate Juniorinnen Playoffs: Wildhaus – Biel 6:7. Basel – Bern 6:3 Halbfinal: Wildhaus – Basel 7:8 Spiel um Rang drei: Wildhaus – Bern 11:2. Final: Biel – Basel 3:8.

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