Brett für Brett fürs Gemeindehaus

Die Fassade des neuen Gemeindehauses in Nesslau wird aus einheimischem Holz gebaut und durch die Hände heimischer Handwerker bearbeitet. Aus den Stämmen der Weisstannen von der Laad werden jetzt Bretter.

Olivia Hug
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Die Bretter werden gleich nach dem Sägen von den Mitarbeitern bewertet und sortiert. (Bild: Olivia Hug)

Die Bretter werden gleich nach dem Sägen von den Mitarbeitern bewertet und sortiert. (Bild: Olivia Hug)

NESSLAU/WATTWIL. Wenn das Holz für die Fassade des neuen Gemeindehauses in wenigen Wochen wieder nach Nesslau zurückkehrt, wird es seine ursprüngliche Form verloren haben. Auch wird es in seiner Menge um zwei Drittel geschrumpft sein. Von den 56 Kubikmetern Holz, die im Februar in der Nesslauer Laad geerntet worden sind, kehren 17 Kubikmeter wieder zurück in die Obertoggenburger Gemeinde.

Haupt- und Nebenprodukte

Die Baumstämme der einheimischen Weisstannen, die eigens zum Zweck der Verkleidung des Amtshauses ausgewählt worden sind, werden dann als Bretter in die Hände der Zimmerleute übergehen. In diesen Tagen lagert das Holz noch zum Trocknen in der Wattwiler Sägewerk Wälli AG. Direkt aus der verschneiten Dergeten haben die Weisstannen mittels Sattelschleppertransport den Weg in den Rickenhof gefunden, wo die ersten Frühlingsboten in Form von Schneeglöckchen und Primeli spriessen. Hier werden die teils dicken Baumstämme vorgesägt, bevor sie unter die Säge, das Herzstück des Wattwiler Betriebes, kommen. Bereits beim Vorsägen wird darauf geachtet, dass möglichst viel vom künftigen Hauptprodukt erhalten bleibt, wie Röbi Wälli erklärt. «Sämtliches Holz wird, sofern nicht für den eigentlichen Zweck verwendet, wiederverwertet.» Darum spricht der Fachmann auch nicht von Abfall oder Rest, wenn er die halbrunden Bretter mit Rinde separat stapelt. Er nennt es Nebenprodukt. Was nicht gebraucht wird, wird später zu Schnitzeln verarbeitet, mit dem die Wälli AG die betriebseigenen Trocknungsanlagen antreibt. Die Säge erledigt den zentralen Teil der Arbeit fast automatisch. Länge, Breite und Dicke der Bretter können eingestellt werden. Ein Mitarbeiter, der die Weisstannenstämme unter die Säge legt, überprüft die Arbeiten laufend. Im Nu werden aus den grossen Stämmen 15 gleichmässige Bretter. Der Förster hatte die Bäume, aus denen die Fassade des Gemeindehauses wird, im Vorfeld der Schlagarbeiten in der Laad nach bestimmten Kriterien ausgewählt. Wichtig ist in diesem Fall, dass die Deckleisten möglichst frei von dunklen Astaugen sind. Die Fassade wird nicht geschindelt wie die Sporthalle Büelen, sondern weist ein senkrechtes Profil auf. Wie sich in der Sägerei zeigt, ist es nicht einfach, Astaugen oder gar Schäden von aussen zu erkennen. «Ein Baum kann in der Natur gut aussehen», sagt Röbi Wälli, «und im Innern dann doch anders als erwartet.» Im speziellen sind es die eingewachsenen Äste, die sich erst beim Quer- oder Längsschnitt offenbaren. Sie entstehen, wenn das Holz des Baumes mit den Jahren über einen abgestorbenen Ast hinaus wächst. Nachdem die Bretter getrocknet sind, fallen die Äste aus dem Holz und hinterlassen Löcher. Im Wissen, dass so etwas vorkommen kann, haben die Forstarbeiter mehr Holz geschlagen, als der Säger tatsächlich an die Zimmerleute weiterreichen wird. Angeschaut und nach der Qualität beurteilt werden die Leisten von den Mitarbeitern der Sägerei, kurz nachdem sie gesägt sind.

Trocknen im Zeitraffer

Holz lebt auch nach dem Schnitt weiter. Verwitterung zeigt sich an Hausfassaden: Sonne färbt sie dunkelbraun, Regen lässt sie ergrauen. Darum müssen die Bretter erst getrocknet werden. 50 bis 60 Prozent Wasser enthalten sie kurz nach dem Sägen. 15 oder noch weniger Prozent sollen es bei der Auslieferung sein. Nach Möglichkeit soll langsam getrocknet werden, damit sich die Bretter weniger verformen können. «Am besten ist immer noch die Trocknung an der frischen Luft», sagt Wälli. Doch diese bedürfe fast eines Jahres, einer Zeit, die der Säger heute nicht mehr hat, da die Auftragsfristen kürzer würden. Wälli setzt auf seine Trocknungsanlage, die 90 Kubikmeter fasst und stets gut ausgelastet ist – an 350 Tagen im Jahr. Während 12 bis 15 Tagen wird das Weisstannenholz getrocknet, zusammen mit anderen Nadelhölzern, die etwa gleich viel Zeit brauchen. In drei Wochen kann der grösste Teil des Hauptproduktes das Sägewerk schliesslich verlassen.

In der Trocknungsanlage wird dem Holz die Feuchtigkeit entzogen. (Bild: Olivia Hug)

In der Trocknungsanlage wird dem Holz die Feuchtigkeit entzogen. (Bild: Olivia Hug)

Aus dem Baumstamm fertigt die Säge 16 gleichmässige Bretter. (Bild: Olivia Hug)

Aus dem Baumstamm fertigt die Säge 16 gleichmässige Bretter. (Bild: Olivia Hug)

Seine Arbeit fliesst ins neue Gemeindehaus ein: Röbi Wälli. (Bilder: Olivia Hug)

Seine Arbeit fliesst ins neue Gemeindehaus ein: Röbi Wälli. (Bilder: Olivia Hug)