Brautschau steht an

Elf politische Gemeinden sind in den vergangenen fünf Jahren von der St. Galler Karte verschwunden. Sie haben dafür vom Kanton Vereinigungsbeiträge in der Höhe von rund 70 Millionen Franken erhalten.

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Elf politische Gemeinden sind in den vergangenen fünf Jahren von der St. Galler Karte verschwunden. Sie haben dafür vom Kanton Vereinigungsbeiträge in der Höhe von rund 70 Millionen Franken erhalten. Um sich zu entschulden, um den Steuerfuss tief zu halten und um fusionsbedingte Mehraufwände zu decken. Für den Kanton lohnen sich diese Ausgaben, wie die am Montag gezeigten Zahlen beweisen. In Nesslau dauert es im besten Fall drei Jahre, bis die Einsparung der Finanzausgleichszahlungen grösser ist als der ausbezahlte Vereinigungsbeitrag. Dann rentiert die Fusion für den Kanton.

Kommen dadurch nun kleine Gemeinden unter Fusionszwang? Nein, sagt Regierungsrat Martin Klöti und fügt an, dass eine Vereinigung von Gemeinden auch sinnvoll sein müsse. Dennoch wird der Druck auf die Gemeinden nicht kleiner. Der Kanton verlagert finanzielle Lasten, die Anforderungen an das Verwaltungspersonal werden grösser und Behördenmitglieder müssen gefunden werden. Dazu kommt: Der Kanton St. Gallen verfügt mit dem Geld aus den Goldreserven über ein zweckgebundenes Kässeli für Gemeindevereinigungen, das aber in zehn Jahren versiegen wird. Bei der Verteilung der Vereinigungsbeiträge gilt auch das Sprichwort «Wer zuerst kommt, mahlt zuerst». Darum tun kleine Gemeinden wohl gut daran, langsam auf Brautschau zu gehen. Denn eine Zwangsheirat ohne Mitgift ist das schlimmere Übel als eine Vernunftheirat mit einem finanziellen Polster. Sabine Schmid

sabine.schmid@toggenburgmedien.ch