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BRAUCHTUM: Das Null-Stern-Hotel auf dem Kopf

Der Herisauer Köbi Dietrich ist mit Leib und Seele Silvesterchlaus. In seinem Schuppel ist er für die Gestaltung der Hüte zuständig. Dieses Jahr hat er sich etwas Besonderes ausgedacht.
Karin Erni
Bei schönem oder schlechtem Wetter wird heute der «Möli-Schuppel» in Hundwil mit den Null-Stern-Hotel-Chlaushüten unterwegs sein. (Bilder: Karin Erni)

Bei schönem oder schlechtem Wetter wird heute der «Möli-Schuppel» in Hundwil mit den Null-Stern-Hotel-Chlaushüten unterwegs sein. (Bilder: Karin Erni)

Karin Erni

karin.erni

@appenzellerzeitung.ch

Zwei Kameraleute kauern auf der grünen Wiese und richten die Objektive auf ein leichtgekleidetes Paar, das im Bett liegt. Von der Seite nähert sich ein weiss livrierter Butler mit dem Serviertablett. Die Protagonisten der Szenerie sind jedoch keine echten Menschen, sondern geschnitzte Holzfigürchen, die sich in einer Art Modelleisenbahnlandschaft bewegen, die zuoberst auf einem Clausenhut thront. Als «Null-Stern-Hotel Alp Göbsi» zieht der Hundwiler Möli-Schuppel dieses Jahr von Haus zu Haus. Die Idee dazu hatte Nullstern-Butler Köbi Dietrich aus Herisau. Dieser ist nicht nur Teilzeitbauer und Älpler, sondern auch ein «angefressener» Silvesterchlaus. Schon seit 43 Jahren stürze er sich im Morgengrauen des letzten Tages im Jahr ins «Groscht», so Dietrich. «Nur in den drei Jahren nach der Rückenoperation konnte ich nicht losziehen.»

Weil Köbi Dietrich diesen Sommer nebst der Bewirtschaftung der Alp Göbsi als Butler für die Gäste eingespannt war, konnte er nicht schon im Frühling mit dem Schnitzen der Holzfigürchen beginnen. Doch Schwiegervater Robert Zeller unterstützte. «Er ist ein sehr guter Schnitzer und hat meine Ideen besser umgesetzt, als ich es selber gekonnt hätte», lobt Dietrich. Das Grundgerüst des Chlaushutes ist einem Fahreimer nachempfunden. Angefertigt hat es Weissküfer Werner Stauffacher aus Ennetbühl. Überzogen ist das Holz seitlich mit braunem und rotem Filz. «Das soll den Hosenstoff und das rote Brusttuch des Sennegroscht symbolisieren», sagt Dietrich. Er habe sich gefragt, ob er es wagen dürfe, Hüte mit diesem Sujet anzufertigen. Doch beim Studium von alten Bildern sei ihm aufgefallen, dass auch in früheren Zeiten nicht immer nur sennische und bäuerliche Alltagsszenen die Hüte geziert hätten, sondern auch Aktualitäten wie Swissair-Flieger oder Sportarten. Auch sein Schuppel hätte schon mit der Tradition gebrochen. «Einmal gingen wir mit gestickten Hüten ohne Chügeli.» Ihm sei wichtig, dass man die Hüte bei Regen nicht abdecken müsse. «Diese hier sind bei jedem Wetter einsetzbar.»

Den Wohnzimmertisch hat er zum Arbeitstisch umfunktioniert. «Zum Glück ist meine Frau ebenfalls mit dem Brauchtum verbunden und hat Verständnis.» Die Frauen müssten in dieser Zeit viel auf ihre Männer verzichten, sinniert er. Vielleicht seien es die letzten Hüte, die er anfertige, sagt Dietrich. «Ich nähere mich langsam meiner Pensionierung als Chlaus.» Mit Rücksicht auf seinen Rücken trage er jetzt schon die kleinste Schelle. Sein Schuppel habe eine relativ einfache Route gewählt. Zudem legen sie mehr Pausen ein, sagt Dietrich. «Man hat einen gewissen Ehrgeiz. Heute wird alles gefilmt. Und wenn man sich dann auf einem Video sieht und hört und es tönt nicht gut, ist das ärgerlich.» Das Ziel habe er erreicht, seine Söhne hätten beide Freude am Chlausen, sagt Dietrich. «Machen die Jungen weiter, so stirbt der Brauch nicht aus.»

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