Bratwurst mit Senf

Wenn ich dereinst König der Schweiz bin, versammle ich die Ostschweizer auf einer grossen Wiese, um ein ernstes Wörtchen mit ihnen zu reden. Es gibt da nämlich etwas, was mich nervt: den Man-darf-Bratwürste-nicht-mit-Senf-essen-Quatsch (s. gestrige Brosmete).

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Wenn ich dereinst König der Schweiz bin, versammle ich die Ostschweizer auf einer grossen Wiese, um ein ernstes Wörtchen mit ihnen zu reden. Es gibt da nämlich etwas, was mich nervt: den Man-darf-Bratwürste-nicht-mit-Senf-essen-Quatsch (s. gestrige Brosmete).

Es ist doch völlig Wurst, ob man die Bratwurst mit oder ohne Senf ist. Schliesslich sind meines Wissens die Italiener auch nicht beleidigt, wenn man die Pizza mit Ananas belegt.

Ich habe jedenfalls noch nie miterlebt, dass ein Pizzaiolo wutentbrannt hinter dem Ofen hervorgestürmt ist, weil er irgendwelche kulinarischen Banausen belehren müsste.

Am Grillstand habe ich jedoch schon solche Szenen miterlebt. Beispielsweise kürzlich an einem Dorffest, wo eine Deutsche um etwas Senf gebeten hat. Der Grilleur verspottete sie daraufhin herablassend, man esse Bratwürste doch nicht mit Senf. Schliesslich zeigte er sich jedoch gnädig und händigte ihr die Senftube aus.

Wahrscheinlich war der Senf das beste an der ganzen Bratwurst. Wie sich zeigte, waren sie allesamt verkohlt und innen noch kalt. Da nützt die beste Wurst nichts, wenn der Grilleur sein Handwerk nicht versteht.

Wenn ich dereinst König der Schweiz bin, werde ich also um etwas mehr Toleranz bitten. So viel individuelle Freiheit, liebe Ostschweizerinnen und Ostschweizer, zu entscheiden, ob man die Wurst mit oder ohne Senf essen will, müsste sogar in einer Monarchie möglich sein.

Patrik Kobler