Brasilianisches Sommerfeeling

WATTWIL. Mit ihrem zweiten von drei Auftritten unter dem Motto «Viva Brasil» schaffte es die Big Band Kanti Wattwil in Zusammenarbeit mit dem brasilianisch-schweizerischen Gastsolisten Rodrigo Botter Maio, dass im Thurpark trotz kalten Temperaturen sommerliche Stimmung aufkam.

Silvia Bollhalder
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Zusammen mit Gastsolist Rodrigo Botter Maio stellte die Big Band Kanti Wattwil ein vielfältiges und stimmungsvolles Programm auf die Beine. (Bild: Silvia Bollhalder)

Zusammen mit Gastsolist Rodrigo Botter Maio stellte die Big Band Kanti Wattwil ein vielfältiges und stimmungsvolles Programm auf die Beine. (Bild: Silvia Bollhalder)

Brasilien – an diesem Land kam heuer keiner vorbei. Auch nicht die Big Band Kanti Wattwil. Denn nicht nur der Fussball hat in Brasilien einen hohen Stellenwert, gerade die Musik spiegelt das typisch brasilianische Lebensgefühl wider. Auf ihre eigene Art – die ebenso Teamgeist und Ausdauervermögen fordert, nur eben auf eine andere Weise als auf dem Fussballfeld – hatten sich die Mitglieder der Big Band Kanti Wattwil den Sommer über mit dem vielfältigen Land auseinandergesetzt und präsentierten am Samstagabend das Ergebnis. Unter der Leitung von Martin Winiger zeigten die knapp 20 jungen Musikanten zusammen mit dem Coach der Rhythmusgruppe, Jan Geiger, ihren «Querschnitt durch die musikalische brasilianische Landschaft», die wohl keiner besser hätte begleiten können als der brasilianisch-schweizerische Musiker Rodrigo Botter Maio. Ob am Alt- oder Sopransaxophon, mit Querflöte, aber auch gesanglich unterstützte er die talentierten jungen Musikanten, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Bescheiden nahm er den Zwischenbeifall für seine eindrücklichen Soloeinlagen entgegen und zeigte sich ebenso wie das Publikum beeindruckt vom Auftritt seiner jungen Kollegen.

Die Rhythmen Brasiliens

Das erste Stück des Abends mit dem eigentlich nicht ganz passenden Titel «Coisa número 10» hatte die Big Band Kanti Wattwil vor 17 Jahren schon einmal aufgeführt. Auch damals widmete man sich ganz den einzigartigen Rhythmen Brasiliens, ebenso wirkte Botter Maio im kleineren Rahmen mit, nur die Besetzung der Big Band war natürlich eine andere, wie Winiger schmunzelnd bemerkte. Immer wieder ergänzte er die musikalische Reise durch Brasilien mit Anekdoten und Informationen zu Komponisten, Arrangeuren und Titeln, die sich teilweise als wahre Zungenbrecher herausstellten. Kaum einer der Anwesenden im Saal hatte wahrscheinlich gewusst, dass beispielsweise der namhafte brasilianische Komponist und Arrangeur Jovino Santos Neto einen engen Bezug zum Toggenburg hat – nämlich durch seine aus Bütschwil stammende Ehefrau. Für Botter Maio war der Auftritt in Wattwil nicht zuletzt etwas ganz Besonderes, weil seine Familie im Publikum Platz genommen hatte. Auch für die zahlreich erschienenen Konzertbesucher selbst, die den grossen Saal im Thurpark fast füllten, war es ein besonderes Erlebnis, die typische Big-Band-Musik mit Samba, Bossa Nova, Baião und Frevo durchmischt zu hören und zu erleben. Die mal sanften, mal lauten und eindringlichen Töne fanden sichtlich den Draht zu den Zuhörern aller Altersschichten. Und genau das macht die «música popular brasileira» – die traditionelle und moderne Elemente verbindet – aus, sie findet Anklang bei Jung und Alt, ist so vielschichtig wie das Land und dessen Einwohner selbst.

Mit Pepe Lienhard musizieren

Nach der bereichernden Zusammenarbeit mit dem Solisten von grossem Format, musikalisch wie auch persönlich, wie Martin Winiger betonte, sieht die Big Band Kanti Wattwil bereits einem nächsten Highlight entgegen. Niemand Geringerer als Pepe Lienhard wird mit der zweimal als «Beste Schweizer Nachwuchs-Big-Band» ausgezeichneten Formation zusammenarbeiten. Wer die «Viva Brasil»-Auftritte im Einzugsgebiet der Kantonsschule Wattwil verpasst hat, hat am Sonntag, 26. Oktober, die Möglichkeit, sich im Zürcher Jazzclub Moods von dem Programm überzeugen zu lassen.

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